SZ-Adventskalender Leben nach dem Absturz

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Tobias K. hat Drogensucht und Trennung überstanden

Von Carolin Fries, Gilching

"Ich habe schon noch ein paar Ziele", sagt Tobias K. (Name geändert), nachdem er die Tränen mit dem Hemdsärmel von den Wangen gewischt hat. "Ich will wieder arbeiten", sagt der 47-Jährige dann. Doch nicht nur das. Tobias K. will nach vielen Jahren, in denen es vorrangig ums Überleben ging, wieder leben. Nicht einfach nur da sein.

Tobias K. hat sich aus einer schweren Drogensucht herausgekämpft. Er bekommt seit dreieinhalb Jahren täglich ein Substitutions-Präparat von seinem Arzt in München verabreicht, anders würde es nicht gehen. Weil er stark ADHS hat, muss er zusätzlich eine hohe Dosis des Medikaments Ritalin nehmen. Die Füße kann er beim Gespräch dennoch kaum stillhalten. "Ich war schon immer der Clown", erzählt er von seiner Schulzeit im Münchner Westen. Er hatte nie besonders gute Noten, doch für eine Lehre zum Elektriker, so sein Plan, würde es wohl reichen. Dann starb überraschend der Vater. "Als ältester Sohn sollte ich die Firma übernehmen, mit gerade einmal 18 Jahren!"

Tobias K. war restlos überfordert. Er hatte Freiheiten wie noch nie in seinem Leben und zugleich enormen Druck. Er fing damit an, Kokain und andere Drogen zu konsumieren, verkaufte die Firma. Es begann seine erste "Absturzphase", wie er sagt. Er kokste, rauchte Heroin und Cannabis, dealte und landete im Knast und danach in der Psychiatrie. Schritt für Schritt startete er einen neuen Versuch, begann eine Lehre als Speditionskaufmann. Die Versuchung, wieder Drogen zu nehmen, war groß, doch dann war alles anders: Er hatte sich verliebt!

Mit seiner Frau baute sich Tobias K. ein normales, drogenfreies Leben auf. Er arbeitete als Immobilienkaufmann, machte den Führerschein, wurde Vater eines Sohnes. "Das waren die besten elf Jahre meines Lebens", erzählt er. Dann begannen die ersten Familienstreitigkeiten, die Beziehung mit seiner Frau scheiterte. Tobias K. verlor alles und stürzte erneut ab. "Lange versuchte ich noch, die Fassade aufrecht zu halten", erzählt er. Doch es gab kein Halten mehr. "Irgendwann begriff ich, dass ich es da alleine nicht mehr rausschaffe."

Seither wird er von der Condrobs-Suchtberatung in Starnberg unterstützt. Betreutes Einzelwohnen heißt das, was Tobias K. seither gut gelingt. Er hat eine Wohnung und versorgt sich selbst. Dabei wird er von einer Sozialpädagogin unterstützt. Das größte Problem sind aktuell die Finanzen. Tobias K. bekommt eine geringe Erwerbsminderungsrente, die der Bezirk Oberbayern aufstockt. Nach Abzug der Stromkosten bleiben ihm monatlich lediglich knapp 270 Euro zum Leben. Davon kann er sich die teure MVV-Monatskarte für 83 Euro monatlich nicht leisten - obwohl er auf die Medikamente angewiesen ist.

Wichtig wäre außerdem der Kontakt mit anderen Menschen und Sport. "Er müsste seinen Bewegungsdrang mal ausleben", sagt seine Betreuerin. Gesundheitlich ist Tobias K. stark mitgenommen. Er hat Osteoporose und die Lunge ist nicht mehr gesund.