SZ-Adventskalender im Landkreis Starnberg Musik für den guten Zweck

Stefan Noelle ist professioneller Schlagzeuger. Seit sechs Jahren ist er auch als Liedermacher unterwegs.

(Foto: Lena Semmelroggen/oh)

Das Konzert zugunsten des Hilfswerks der Süddeutschen Zeitung im November bestreitet der Musiker Stefan Noelle mit eigenen Kompositionen. Die Veranstaltung findet im Gautinger Bosco statt.

Von Carolin Fries, Gauting

"Mach ich später" kennt jeder. Auch Stefan Noelle, Musiker aus München ist ein Freund des Verschiebens. "Im Jahr, in dem ich 21 war, da war der Herbst so wunderbar", beschreibt der 53-Jährige das damalige Verlangen, ein Herbstlied zu schreiben - und schiebt das Vorhaben auf später, "vielleicht auf 32". Und so geht es weiter, bis er schließlich mit 47 Jahren tatsächlich singt "Gib noch mal Saft, bevor Du gehst". Das Stück habe sich förmlich von alleine geschrieben, denn "Jetzt habe ich endlich das Gefühl, ich weiß, worum sich's letztlich dreht", singt Noelle einsichtig. Es ist ein Lied geworden, welches sowohl den Herbst sowie das Vertrauen in die Welt beschwört, frei nach dem Motto "Alles wird gut". Es passt deshalb besonders gut, dass Noelle mit seiner Band am Dienstag, 6. November, im Gautinger Bosco ein Benefizkonzert zugunsten des Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung  spielt.

Das Hilfswerk unterstützt seit 70 Jahren Menschen in Not. "Es ist beängstigend, dass es überhaupt eine Organisation dieser Größenordnung braucht", sagt Noelle, der nicht gezögert hat, den SZ-Adventskalender zu unterstützen. "Da helfe ich gerne mit." Das Herbstlied auf seiner Debüt-CD "Meinetwegen im Regen" könnte auch für sein eigenes Musikerleben stehen. Denn erst vor wenigen Jahren hat der Münchner sich besonnen, "endlich auch das zu tun, was ich immer wollte, aber über 25 Jahre lang nicht angegangen bin: Nämlich meine eigenen Texte und meine eigene Musik zu schreiben."

Dafür hat der zweifache Vater wieder die Gitarre in die Hand genommen, sein erstes Instrument aus der Kindheit. 16 Stücke hat der Musiker aufgenommen, finanziert als Crowdfunding-Projekt. Die Platte war vor zwei Jahren sogleich für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Wer sie anhört, versteht warum: Noelles Musik vereint musikalisches Handwerk mit feinen, tiefsinnigen Texten. Ehrliche Liedermacher-Kost, die in der Hippie-Küche genauso ankommt wie in der Bauernstube.

Im Bosco wird Noelle zusammen mit dem Stockdorfer Musiklehrer Maximilian Braun an Bassklarinette und Altflöte sowie Adrian Reiter an der E-Gitarre aus seinem aktuellen Programm "Gerade noch" spielen. Mit auf der Bühne stehen wird dort auch Abathar Kmash mit einer arabischen Laute. Den Percussionisten aus Syrien hat Noelle vor eineinhalb Jahren kennengelernt. "Wir begleiten uns gegenseitig", erzählt Noelle, der sich selbst intensiv mit orientalischen Rahmentrommeln beschäftigt hat und froh über die menschliche wie musikalische Bereicherung ist. Percussion in seiner vielfältigen Form nämlich ist die Basis seines künstlerischen Schaffens. Seit 1990 ist Noelle professioneller Schlagzeuger. Ursprünglich im Jazz sozialisiert, spielte er in den vergangenen Jahren ganz unterschiedliche Musik, von Jazz über World Music bis zu akustischem Indie-Folk oder Pop. Bis 2010 war er dann hauptsächlich mit seinem Duo Unsere Lieblinge unterwegs. Gemeinsam mit Alex Haas am Kontrabass spielte und sang er mehr als 1500 Konzerte, unter anderem auch in Gauting.

Jetzt hat er als Songpoet eine neue Passion. Als "Fan deutscher Sprache", wie er sich selbst bezeichnet, mag er sorgfältig rhythmisierte Verse. "Es ist mir wichtig, dass die natürliche Betonung der Wörter mit den musikalischen Betonungen zusammenfällt", sagt er. Ein Dialekt würde es ihm dabei vermutlich einfacher machen, doch: "Steht mir nicht zur Verfügung", sagt Noelle, der in Westfalen und Hessen aufgewachsen ist. So lässt er seine Reime gut klingen, formuliert sauber, nuschelt nichts weg. Er besingt fröhliche Runden auf der Dachterrasse mit Erdbeerbowle ebenso wie die davonschleichende Liebe. Der Münchner Chansonnier ist ein fröhlicher Typ, mag aber nicht zwingend Pointen schreiben. "Ich möchte auch immer Liebeslieder singen können, die ich ernst meine und nicht ironisch brechen muss".

Noelles Musik kommt nicht laut daher und doch schlägt sie mit großer Wucht direkt im Herzen ein, weil sie eine tiefe Sehnsucht bedient. Die Sehnsucht nach Ruhe zum Beispiel wie der Titel "Gerade noch", in dem Noelle das gehetzte Gefühl unserer Zeit beschreibt: nur nichts verpassen, alles unterbringen im Tag, im Leben, alles optimieren, alles managen. Oder "Septemberwespen", eine Meditation über die Endlichkeit anhand der Wespen auf dem Kuchen. Klingt arg sentimental, doch kommt ganz leicht daher. Überhaupt gelingt es Noelle, dem Zuhörer den festen Glauben an ein Happy End im Leben zu vermitteln. Nicht zuletzt, weil sein feiner Humor dann doch immer wieder durchschlägt, etwa in dem selbstironischen Lied: "Die Summe aller Haare ist konstant."

Benefizkonzert von Stefan Noelle & Band, "Gerade noch", Dienstag, 6. November, 19.30 Uhr im Bosco Gauting. Karten unter Telefon 089/45238580, www.bosco-gauting.de/bestellung sowie an der Abendkasse.