SZ-Adventskalender Ausbrechen aus dem Trott

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Einer Mutter und ihre Tochter mit Down-Syndrom täten ein paar Tage Urlaub gut. Doch dafür fehlt ihnen das Geld

Von Carolin Fries, Seeshaupt

Die größte Sorge von Bettina M. (Name von der Redaktion geändert) war es, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. "Ich hatte eine Bekannte mit ihrem Down-Kind erlebt, das wollte ich nicht", erzählt sie. Die gelernte Buchhalterin war mit 36 Jahren schwanger, sie hatte damals schon eine gesunde acht Jahre alte Tochter. Die Schwangerschaft verlief normal, die Vorsorgeuntersuchungen gaben Grund zu der Annahme, dass auch das zweite Kind gesund sein würde. Dann kam Andrea auf die Welt, mit einem Chromosom zuviel: Trisomie 21. Für Bettina M. brach damals eine Welt zusammen.

Inzwischen ist Andrea 13 Jahre alt, ein aufgewecktes, selbstbewusstes Mädchen. Und Bettina M. ist eine stolze, zweifache Mutter. Auch wenn es anders ist, ein behindertes Kind großzuziehen, wie sie erzählt. "Die ersten Jahre war es ein Fulltime-Job". Anstatt in die Arbeit zu gehen, fuhr Bettina M. mit ihrer Tochter zu Ärzten, besuchte Therapien und die Frühförderung. Andrea entwickelt sich verzögert, lernt aber sprechen, sich selbst anzuziehen, auf die Toilette zu gehen. Die Freude darüber bei Bettina M. ist groß, von der Verwandtschaft aber wird das Mädchen ausgegrenzt. Als Andrea fünf Jahre alt ist, zerbricht die Ehe der Eltern. Andreas Vater bricht den Kontakt ab, seither ist Bettina M. alleinerziehend.

Wenn Andrea morgens um kurz nach sieben vom Bus abgeholt wird, der sie zur Franziskusschule nach Starnberg bringt, hetzt die Mutter zur Arbeit. Sie hat eine Stelle als Aushilfskraft im Lager eines Unternehmens im Nachbarort gefunden. Viel verdient sie nicht, doch der Arbeitgeber ist kulant, er kennt ihre private Situation. Am Nachmittag fährt sie nach Hause, kauft ein und kocht, um kurz vor fünf steht der Bus mit Andrea vor der Tür. Sie ist hungrig und schlecht gelaunt - "nach der Schule meistens", weiß die Mutter. Das Mädchen verschwindet erst einmal im Garten "zum Lüften", wie Bettina M. sagt.

Sie kann ihre Tochter nicht unbeaufsichtigt lassen, "da kommt nur Schmarrn raus". Also wirft sie regelmäßig einen Blick aus dem Fenster. Mit roten Wangen schlüpft die 13-Jährige schließlich über die Terrasse ins Wohnzimmer und macht es sich auf dem Sofa gemütlich. "Saudeifi" schimpft sie zuvor ihre Mutter, die die Tochter ermahnt, Jacke und Schuhe in die Garderobe zu bringen.

Die Eltern von Bettina M. helfen, so gut es geht. Und auch die große Schwester kommt abends vorbei, wenn die Mutter einen Termin hat. Freunde gebe es kaum. "Wir sind ziemlich auf uns alleine gestellt", sagt Bettina M. Das mag auch daran liegen, dass Andrea Menschenansammlungen nicht mag. Und womöglich auch daran, dass Bettina M. nicht viel Geld in Freizeitvergnügen stecken kann. Es reicht für das Nötigste, Urlaub gehört nicht dazu.

Dabei täte es sowohl der Mutter als auch Andrea gut, einmal rauszukommen aus dem gewohnten Trott. Vor zwei Jahren hat die Familie aus Seeshaupt einen Berggasthof im Salzburger Land entdeckt, wo sich Mutter und Tochter wohlfühlen. "Die Wirtin ist den Umgang mit behinderten Menschen gewohnt", erzählt Bettina M.. Andrea könne dort die Tiere in ihren Ställen besuchen, Trampolin springen oder mit den Ketcars im Hof fahren. Bettina M. hätte Zeit, einmal durchzuschnaufen und neue Kraft zu tanken. Sie würden sich beide freuen, mit Hilfe des Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung heuer ein paar Tage dort verbringen zu können.