SZ-AdventskalenderAuf den Schlaganfall folgt die finanzielle Not

Lesezeit: 2 Min.

Madeleine H. wünscht sich einen neuen CD-Spieler und einen kleinen Küchenschrank

Von Manuela Warkocz, Tutzing

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Sie stockt manchmal, wenn sie spricht, sucht nach dem richtigen Wort. Langsam, bedächtig kommen die Sätze, mit denen Madeleine H. (Name geändert) im Telefongespräch ihre aktuelle Situation schildert: "Ich war halbseitig gelähmt, konnte gar nicht sprechen. Erst dieses Jahr hat es sich langsam gelöst." Doch auch wenn sich ihr körperlicher Zustand langsam bessert, steckt sie finanziell immer noch in großer Not.

Die 56-jährige Frau aus Tutzing wurde vor zwei Jahren von einem schweren Schlaganfall niedergestreckt. Nach einem Waldspaziergang sitzt sie am Computer, fühlt sich nicht gut. Sie bemerkt, dass ihre Hand nicht mehr reagiert, als sie etwas eintippen will. Kann nicht aufstehen. "Ich wusste, jetzt ist es ernst, jetzt muss ich Hilfe holen." Die Alleinstehende ruft die 112, kann aber nichts sagen. Der Notrufzentrale gelingt es dennoch, sie zu lokalisieren und den Notarzt zu schicken. Der eilt mit ihr in eine Klinik im Landkreis, aber man verlegt sie in ein Münchner Klinikum. Dass sie je wieder zurück nach Tutzing kann, erscheint fast aussichtslos. "Aber ich habe an mich geglaubt", sagt sie heute. Mühsam hangelt sie sich in den folgenden Monaten zurück in den Alltag, trainiert gegen die Lähmung, gewinnt nach und nach die Sprache wieder.

Einen Schrank für die Küche, in dem sie Geschirr und Lebensmittel lagern kann, das wünscht sich Madeleine H.
Einen Schrank für die Küche, in dem sie Geschirr und Lebensmittel lagern kann, das wünscht sich Madeleine H. Georgine Treybal

Dass sie heute wieder selbständig in einer Wohnung in Tutzing leben kann, erscheint ihr wie ein Wunder. Allerdings sind ihre sämtlichen Ersparnisse aufgezehrt. Freiberuflich hat Madeleine H. als Change-Managerin Unternehmen bei Umstrukturierungen begleitet. Sie lebt jetzt von knapp 450 Euro Grundsicherung im Monat, 335 Euro bleiben ihr zum Leben. "Dass ich Hilfe brauche, war für mich ein Schock", sagt sie. Denn eigentlich bräuchten ja ihre betagten Eltern Unterstützung. Die 79-jährige Mutter leidet an Krebs, hat Herzprobleme.

Corona hat in diesem Jahr Versuche zunichte gemacht, wieder kleine Aufträge an Land zu ziehen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeichnet sich jedoch ab. "Die Firma, die mich als letztes beschäftigt hat, hat Bedarf. Das läuft vielleicht nächstes Jahr, auf Honorarbasis." Da hätte sie doch Glück. Derzeit reicht das Geld aber nicht, um ihren kaputten CD-Spieler mit Radio zu ersetzen, "meine Freude, weil ich doch so gern Musik höre, Klassik, Jazz, einfach alles". Und weil in der Dachgeschosswohnung ihre Küchenutensilien und ein paar Essensvorräte in Kartons auf dem Boden stehen, wünscht sie sich einen Küchenschrank. "Der kann ja ganz klein sein für unter die Dachschräge", sagt sie bescheiden.

© SZ vom 11.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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