Aktion "Stunde der Wintervögel" Vor allem Kohlmeisen und Amseln in den Gärten

Bei der Winterzählaktion werden heuer im Fünfseenland fast um die Hälfte mehr Vögel beobachtet. Grund dafür sind Zuzügler aus dem Norden und eine erfolgreiche Brutsaison 2018.

Von Armin Greune

Die bloße Zahl scheint das vielfach beobachtete Artensterben Lügen zu strafen: Bei der diesjährigen "Stunde der Wintervögel" zählten die Bürger des Landkreises Starnberg 18 187 Individuen - fast um die Hälfte mehr als im Vorjahr. Das bayernweite Ergebnis bei der Aktion des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) bestätigt diesen Trend in wesentlich abgeschwächter Form: Im Freistaat stieg die Zahl der beobachteten Vögel gegenüber Januar 2018 um knapp neun Prozent an. Den Grund dafür sieht LBV-Expertin Sonja Dölfel zum Einen im warmen Vorjahr, in dem sieben Monate lang sommerliches Wetter herrschte: Von April an konnten viele Vogelarten öfter als sonst brüten und erfolgreich Nachwuchs aufpäppeln.

"Zudem registrieren wir in diesem Winter einen großen Einflug von Erlenzeisigen in Bayern", sagt Dölfel. Die grün und gelb gefiederten Vögel brüten auch in Mitteleuropa, doch heuer kommen Massenzuwanderungen aus Nordeuropa hinzu. Landesweit war der Zeisig heuer der am sechsthäufigsten gesichtete Wintervogel, im Landkreis Starnberg landete er sogar auf Rang vier: Dort hat sich seine Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verachtfacht. Die häufigsten Wintergäste in den Gärten des Fünfseenlandes blieben Kohlmeisen mit 2191 und die Amseln mit 1921 Exemplaren vor den Haussperlingen (1838). 2018 wurden 1908 Kohlmeisen und 1406 Amseln gezählt, auf Rang drei landete die Blaumeise, gefolgt von Feld- und Haussperling.

Die beiden Spatzenarten nehmen bei der diesjährigen Aktion im gesamten Freistaat die Spitzenpositionen ein, noch vor Kohlmeise und Amsel. Letztgenannte hatte 2018 im Gegensatz zu vielen anderen Singvögeln bayernweit ein eher schlechtes Brutjahr, sagt Dölfel: In dürregeplagten Gegenden wie Franken und Niederbayern konnten die Amseln kaum Regenwürmer finden, die sie für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen. Im Fünfseenland, wo es häufiger regnete, wurden jedoch um ein Drittel mehr Amseln gezählt als im vorigen Winter. Im Vergleich beider Jahre haben vor allem die Bergfinken enorm zugenommen: Die Einwanderer aus dem Norden wurden vom 4. bis 6. Januar, bevor der Winter auch ins Fünfseenland einzog, knapp 1400-mal gezählt, fast elfmal so oft wie 2018. Stark zugenommen haben auch die Sichtungen von Buchfinken, von denen zweieinhalb Mal so viele wie im Vorjahr registriert wurden. Ähnlich sieht es bei Wacholderdrosseln und Haubenmeisen aus. Und im Rekordsommer 2018 sind auch im Landkreis die Spatzenpopulationen kräftig angewachsen: Die Zahl der beobachteten Haussperlinge nahm um 75 Prozent, die der Feldsperlinge um 39 Prozent zu. Abnehmende Tendenz zeigten hingegen Eichelhäher und Star, der im milden Januar des Vorjahres wenig Ehrgeiz entwickelt hatte, gen Süden zu ziehen. Insgesamt wurden 61 Arten bestimmt; sogar Kormoran, Waldkauz und Schwarzspecht waren je einmal vertreten.

Ein weiterer Grund, der im Fünfseenland zum deutlichen Anstieg der Zahl beobachteter Vögel beitrug, ist, dass dort auch die Teilnehmer an der Aktion zugenommen haben. Während bayernweit 2019 erstmals seit langem weniger Meldungen als im Vorjahr eingingen, wächst das Interesse im Landkreis Starnberg stetig weiter: 2016 hatten sich lediglich 485 Bürger beteiligt, 2017 waren es 522, im Vorjahr 618 und heuer bereits 662. Die Vermutung, dass sich in dieser Region besonders viele Vögel tummeln, trifft übrigens nicht zu: In den 508 Gärten im Landkreis wurden 2019 im Durchschnitt 35,8 Vögel gezählt - das landesweite Mittel aber lag bei 37,6.