Die Berger CSU-Fraktion und die überwiegende Mehrheit des Ortsvorstands fordern CSU-Chef Heinz Veauthier zum Rücktritt auf. Er sei "als Ortsvorsitzender nicht mehr tragbar", heißt es in einer Presseerklärung der Partei, und "zur Belastung für den Ortsverband und die CSU geworden". Dem Juristen Veauthier wird vorgeworfen, Sitzungen ohne Begründung abgesagt und unliebsame Mitglieder als "Verräter" tituliert zu haben. Zudem sei er nicht in der Lage, Parteiamt und Beruf zu trennen.

Bereits im Januar war es zu "massiven Unstimmigkeiten über den Führungsstil Veauthiers gekommen und sein Auftreten gegenüber verdienten Mitgliedern des Ortsvorstands", heißt es in der Presseerklärung. Das Verhältnis zwischen Veauthier und den meisten Mitgliedern der Berger CSU ist demnach längst zerrüttet. Und spätestens seit der Jahresversammlung vor drei Wochen ist klar: Es gibt keine Versöhnung mehr. Damals hatte Veauthier vergeblich versucht, seinen Amtsvorgänger Andreas Hlavaty, der auch Fraktionschef ist, des Saales zu verweisen, als dieser ihm kritische Fragen zur Amtführung stellte. Zudem hatte Veauthier den Juristen des Landratsamts in besagter Versammlung erneut bezichtigt, Straftaten begangen zu haben. "CSU-Fraktion und Ortsvorstand distanzieren sich vom Auftreten und den Ausführungen des Ortsvorsitzenden ausdrücklich", teilen Vorstände und Fraktion mit, die überdies kritisieren, dass Veauthier in seiner Eigenschaft als Anwalt des Kaufmanns Siegfried Genz Beruf und Parteiamt verquicke. "Nahm doch der überwiegende Teil seines Rechenschaftsberichtes Ausführungen zu seiner anwaltlichen Tätigkeit in der Causa Genz ein", hieß es.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Internetseite der Berger CSU, die Hlavaty betreut. "Veauthier versucht ständig, mir das zu untersagen und droht sogar schriftlich mit einer Strafanzeige", sagt Hlavaty. Als er Ende Mai an einer Vorstandssitzung teilnehmen wollte, weil dort das Thema Internet debattiert werden sollte, sagte Veauthier die Sitzung kurzerhand per Mail ab - laut Hlavaty mit der Begründung: "Vor diesem Störer, der unsere Vorstandstätigkeit behindern will, bewahre ich Sie." Gemeint war Hlavaty.
Die Wirklichkeit sieht anderes aus: Ortsvorstände und Fraktion stehen klar hinter Hlavaty. Und als der Ortschef auch noch eine Aussprache über den internen Zwist platzen ließ, wurde ihm ein Ultimatum gesetzt: Bis zum 5. Juni sollte er seinen Rücktritt erklären oder sein Amt ruhen lassen. Da Veauthier sich bisher zu keiner der Alternativen durchringen konnte, setzt Hlavaty jetzt noch eines drauf: "Sollte er nicht zurücktreten, bleibt noch der Weg, ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn einzuleiten." Schließlich behindere Veauthier "die ordnungsgemäße Arbeit des Ortsvorstands." Mit CSU-Kreischef Harald Schwab habe man sich in diesem Fall abgesprochen.
Veauthier war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Der Chef sei viel unterwegs, hieß es dazu aus seiner Kanzlei in München.