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Riesiger Waller an der Angel:Welche Fische sich in der Würm tummeln

Die Barbe ist der Leitfisch der Würm und prägt das Flussbild.

(Foto: Fotos: Institut für Fischerei Starnberg)

Ursprünglich gab es 27 Arten in dem Flüsschen. Der Waller gehört eigentlich nicht dazu - er profitiert vom Klimawandel und von den Anglern.

Von Lisa Hamm

Die riesigen Waller, die Hobbyangler Christian Geuss vergangenes Wochenende aus der Würm fischte, haben für Furore gesorgt. "Das ist so ungewöhnlich", kommentiert auch Peter Sickinger, der die Fischereirechte für den Würmabschnitt hält. Denn Waller finge man "bevorzugt nachts, bevorzugt im Sommer". Noch dazu ist der Waller kein typischer Würmfisch, fühlt er sich doch im See oder in der Donau viel wohler. Doch er mag die Wärme in der Würm, deren Oberflächenwasser im Sommer bis zu 24 Grad annehmen kann. Und er profitiere womöglich vom Klimawandel, sagt Michael Schubert, Leiter des Arbeitsbereichs Fluss- und Seenfischerei des Instituts für Fischerei in Starnberg.

Die Wassertemperatur der Würm sei in den vergangenen Jahren nämlich gestiegen, sodass der Waller vermehrt in der Würm laichen könne, erklärt Hans Otto, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Starnberg. Dass die gefangenen Waller so groß und schwer waren, liegt aber mitunter auch an den Forellen, die Angler im Bach besetzen. Diese würden zwar primär in den Fluss gesetzt, damit man sie später essen könne, denn Forellen seien nun mal die "Lieblingsspeisefische" aus der Würm, erzählt Sickinger. Doch auch Hechte und Waller ernährten sich von ihnen. Und so herrsche "ein Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Raubfisch" um die begehrten Forellen.

"Ursprünglich gab es 27 verschiedene Fischarten in der Würm", sagt Schubert. Typische Würmfische seien Barbe, Aitel, Nase und Schneider. Doch Nasen sehe man mittlerweile nur noch selten in der Würm, genauso wie Huchen und Äschen, sagt Schubert. Die Würm sei durch die vielen Wehre und Mühlen sehr zerstückelt, was den Durchgang für die Fische oft erschwere. Auch Umwelteinflüsse wie Einleitungen, Bebauungen und Schäden durch natürliche Räuber wie den Gänsesäger oder den Reiher machten der in Bayern stark gefährdeten Nase das Leben schwer, so Otto.

1 Barbe (Barbus barbus, bis zu 70cm und 3kg): Die Barbe ist der Leitfisch der Würm und prägt das Flussbild. Mit ihrem unterständigen Maul sucht sie auf dem Flussboden nach Nahrung. "Am liebsten steht sie vor den Biergärten", erzählt Sickinger, denn "da schmeißen die Kinder die Reste ihrer Spareribs ins Wasser". Sickinger nennt sie deshalb auch "Fluss-Schweinchen".

(Foto: Fotos: Institut für Fischerei Starnberg)

2 Europäischer Wels (Siluris glanis, bis zu 2,50m und 45kg): Der Wels ist der größte Fisch der Würm und zugleich größter einheimischer Süßwasserfisch. Natürlicherweise würde der Raubfisch nur vereinzelt in der Würm vorkommen, doch durch den Starnberger See und die steigenden Wassertemperaturen fühlt er sich in der Würm immer wohler.

(Foto: Institut für Fischerei Starnberg)

3 Schneider (Alburnoides bipunctatus, bis zu 12cm und 30g): Seinen Namen erhält der Schwarmfisch durch seine doppelte Seitenlinie, die einer Schneidernaht ähnelt. Da er auf der roten Liste der gefährdeten Fischarten steht, sei das hohe Aufkommen des Fisches in der Würm "echtes Glück", so Otto.

(Foto: Institut für Fischerei Starnberg)

4 Äsche (Thymallus thymallus, bis zu 65cm und 3kg): Die Schwarmfische sind wegen zunehmender Querbauwerke und anderer Umwelteinflüsse selten geworden in der Würm. Doch es sind spezielle Fische: Sie sollen nach Thymian schmecken, wie ihr Name vermuten lässt. Auch könne man Äschen nur mit der Fliegenrute und "besonderer Fangtechnik" erwischen, so Sickinger. Sie ernähren sich von Insekten auf der Wasseroberfläche, ihre Pupillen sind daher nach oben zugespitzt.

(Foto: Institut für Fischerei Starnberg)
© SZ vom 15.01.2021
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