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Stephanie zu Guttenberg:Frau Baronin beliebt zu plaudern

Stephanie zu Guttenberg adelt mit ihrem Besuch die Landfrauen in Herrsching und gibt Einblicke in ihr Leben mit rohen Spaghetti und einem beschäftigten Mann.

Annette Ramelsberger

Manchmal adelt eben ein großer Name auch sehr profane Dinge. Den Kalender der Landfrauen zum Beispiel, in dem sich "Übungen bei schweren Beinen" genauso finden wie praktische Tipps für den Haushalt. Der hier zum Beispiel: "Rohe Spaghetti eignen sich vorzüglich als Anzünder in hohen Behältern."

Herrsching  Landfrauen

Das Thema Mann und Frau im Fokus von Frau Guttenberg: Beim Auftritt in Herrsching.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein Tipp, der nun auch im Haus von Verteidigungsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg Anwendung findet, wenn die Gattin mal die Kerzen anzünden muss. Das zumindest beteuert Stephanie Freifrau von Guttenberg, die den Tipp im Landfrauenkalender entdeckt hat - und gleich noch viel mehr: Ihre Liebe zu den Landfrauen, ihre Ehrfurcht vor deren Arbeit, ihr Gefühl für die wirklich wichtigen Dinge im Leben - Familie, Kinder und die Partnerschaft zwischen Mann und Frau.

Bayerns Landesbäuerin Annemarie Biechl hatte die Ehefrau des Ministers zum Bauernverband nach Herrsching eingeladen, zu einem Thema, das nicht nur bei ihr auf dem Bauernhof wichtig ist: Frau und Mann - ein starkes Team? "Ich sehe doch, wie Frau Guttenberg ihren Mann unterstützt und gleichzeitig selbst sehr eigenständig ist in ihrem Ehrenamt. Da habe ich sie eingeladen", sagt Biechl.

Stephanie von Guttenberg kam und erlaubte wohl dosierte Einblicke ins Familienleben. "Ihr höchstes Heiligtum" sei das, und auch ihr Mann müsse sich an eine strikte Prioritätenliste halten. "Die Einschulung eines Kindes ist wichtiger als jede Sitzung", sagte die Ehefrau. Immerhin musste er noch keinen Termin bei der Kanzlerin schwänzen, denn als seine acht und neun Jahre alten Töchter zur Schule kamen, war er noch nicht Minister, noch nicht mal CSU-Generalsekretär.

Und am Sonntag hatte der Minister die beiden Mädchen bespaßt, als seine Frau sich für ihren Vortrag bei den Landfrauen vorbereitete. "Da war er den ganzen Tag mit den Kindern unterwegs."

Ganz wie auf dem Bauernhof darf man sich die Familie Guttenberg dann doch nicht vorstellen. Die Spannweite zwischen Afghanistan-Besuch, Ball des Sports, Villa in Berlin und Schloss Guttenberg in Franken ist schon ein wenig größer. Aber, so sagte Frau Guttenberg, auch in ihrer Familie müssten die Rädchen ineinander greifen, das Team Guttenberg sei ein "sich komplementierendes und nicht konkurrierendes" Team. Ihr gefalle die Werbung, in der eine Mutter auf die Frage, was sie beruflich mache, antwortet: "Ich manage ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen."

Da steht Frau Guttenberg und berichtet, was für sie Familie sei. "Eine Beziehung ist ein Projekt", sagt sie. "Mann und Frau sind ein starkes Team und sie können ein tolles Team sein", sagt sie.

Die Familie Guttenberg arbeitet daran. Bis in die Wortwahl. Wenn er auftritt, zeigt er stets Demut. Sie auch: vor der Lebensleistung der Landfrauen. "Großartig" sei deren Arbeit, "großartig" ihr Verein.

Karl-Theodor betont gern, wie unabhängig er sei. Seine Frau auch. Man dürfe sein Fähnchen nicht nach dem Wind hängen. Und deswegen halte sie an ihrem Engagement gegen Kinderpornographie fest. Auch wenn ihr in den vergangenen Wochen "der Wind ganz wahnsinnig eisig ins Gesicht geblasen hat". Aber sie werde weiterkämpfen, ganz egal, was ein Teil der Gesellschaft dazu sagt". Der Teil der Gesellschaft hatte kritisiert, dass sie sich für eine reißerische Kinderschänder-Sendung bei RTL-2 einspannen ließ, wo potenzielle Kinderschänder vor laufender Kamera enttarnt wurden.

Am Ende steht Christa Götz auf, Kreisbäuerin aus Mittelfranken. Sie sagt: "Sehr geehrte Frau Baronin, wir danken Ihnen für Ihr Engagement." Dann gibt es noch ein Foto, natürlich mit dem Landfrauenkalender. Vermutlich wird die Auflage nun rasant steigen.

© SZ vom 09.11.2010/sonn
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