Süddeutsche Zeitung

Wörthsee:Ideen für Steinebachs Ortsmitte

Zur Eröffnung einer Ausstellung stellen die Planer ihre Vorschläge vor. Jetzt sind die Bürger gefragt.

Von Christine Setzwein

Das Thema interessiert die Bürger: Gut 50 Wörthseer sind am Mittwochnachmittag zum "Kirchenwirt" gekommen, um sich die ersten Entwürfe für eine lebendige Ortsmitte anzuschauen, die diesen Namen auch verdient. Zur Eröffnung der "Freiluftausstellung" mit Bürgermeisterin Christel Muggenthal und zum Start der Bürgerbeteiligung hatte die Gemeinde eingeladen, die Planer Christian Wagner und René Ziegler von den Büros ZwoPk und Raumposition präsentierten ihre Vorschläge. "Das sind aber keine fertigen Pläne", versicherte Ziegler.

Von den kleinen Läden, die es früher an der Hauptstraße zwischen der Sankt Martinskirche und der Weßlinger Straße gab, ist nichts mehr übrig. Bäckerei, Metzgerei, Molkerei, Schuster, Friseur, Post, Lebensmittel-, Elektro- und Farbenladen: Keiner hat überlebt in der Steinebacher Dorfmitte, die ein wichtiges Bindeglied zwischen S-Bahnhof und Seepromenade darstellt. 2016 schloss dann auch noch der "Kirchenwirt", der frühere Gasthof Raabe. Vor der Corona-Krise gab es zumindest einmal im Jahr ein großes Fest: die Maifeier des Trachtenvereins in der Dorfstraße. Übrig sind nur noch die Apotheke, ein Schreibwarengeschäft und ein Geschenkeladen, in dem sich die Postfiliale befindet.

Das muss sich ändern, meinen die Bürgermeisterin, der Gemeinderat und viele Wörthseer. Mit dem Kauf des Raabe-Areals durch die Gemeinde und dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) wurde der Anfang gemacht. Nicht nur das Wirtshaus mit Biergarten wird saniert, dort entstehen auch günstige Wohnungen, ein Veranstaltungssaal und kleine Läden.

Die Planer haben sich nun mit dem Straßenraum und den Plätzen beschäftigt. So soll die Kreuzung von Haupt-, Dorf-, Weßlinger und Etterschlager Straße verkehrsberuhigt werden. Fußgänger und Radfahrer sollen gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sein, dafür soll der Kreuzungsbereich durchgängig gepflastert werden. An der Etterschlager Straße ist eine inselartige Verengung der Fahrbahn auf vier Meter geplant, dort könnte eine Querungshilfe entstehen. Generell müsse die Straße sechs Meter breit sein, damit sich auch Busse begegnen können, sagte Wagner.

Zwischen Kirche und Mesnerhaus, wo der Maibaum steht, können sich die Planer einen Obstgarten mit Sitzmöglichkeiten vorstellen. Der Maibaumstandort wandert an die Apothekenecke. Die in die Jahre gekommene Friedhofsmauer soll saniert und hell gestrichen werden. Das Dorfidyll wäre perfekt: Kirche, Wirtshaus und Maibaum an einem Platz. Parkplätze gingen nicht verloren, so Wagner. Im Gegenteil: Gegenüber der Gaststätte sollen 14 öffentliche Parkplätze entstehen. Auf allen vier Straßen soll Tempo 30 eingeführt werden.

Ursprünglich war eine Bürgerwerkstatt zum Thema Ortsmitte geplant. Wegen der Hygiene- und Abstandsregeln in der Corona-Krise ist das derzeit nicht möglich. Stattdessen gibt es die Freiluftausstellung und eine Projektzeitung. Auf Postkarten können die Bürger ihre Meinung und Vorschläge zur neuen Ortsmitte kundtun und sie in einen Briefkasten am Bauzaun beim Kirchenwirt werfen oder an die Gemeinde schicken. Am Bauzaun hängen auch die Ideen der Planer für Straßen und Plätze rund um das Traditionsgasthaus. Die Aktion geht bis 25. September. Die Pläne sollend dann bis Ende des Jahres fertig sein, sagte Ziegler.

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Quelle:
SZ vom 11.09.2020
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