Steinebach Feurige Sinnesfreuden

Locos por la Rumba triumphieren in Steinebach

Von Patrizia Steipe, Steinebach

Langsam weicht die Sommerhitze kühleren Abendtemperaturen. Einige Gäste sitzen draußen, andere haben es sich vor der Bühne bequem gemacht. "La vida, la vida, la vida loca" (das verrückte Leben) ruft Ricardo Volkert. Dazu erklingen temperamentvolle Gitarren- und Trommelrhythmen. Feurige Sinnesfreuden pur und dazu muss man nicht einmal nach Spanien reisen! "Locos por la Rumba" heißt die Gruppe um den Herrschinger Gitarristen und Sänger Volkert. Gemeinsam mit Simon "El Quintero" (Gitarre, Harp), Peter Krämer (Percussion) und der Sängerin und Tänzerin La Picarona entführt die Gruppe das Publikum im Alten Steinebacher Bahnhof auf eine andalusische Fiesta, in das maurische Granada und Sevilla, in die Camargue und nach Kuba.

Schon mit den ersten Takten gaben die Musiker den Rhythmus des Abends vor und der hieß: prestissimo. Auf Volkerts rasante Rasgueados, Läufe und Akkorde auf der Flamencogitarre, antwortete die Band mit ebenso virtuosem Spiel, mit typischen Off-Beat-Palmas (Händeklatschen), Mundharmonika und einer zweiten Gitarrenstimme. Von Krämers Percussionsoli konnte das Publikum gar nicht genug bekommen, genauso wenig wie von den gefühlvollen Liedern, die ein-, zwei- oder dreistimmig gesungen wurden. Oft waren dies traditionelle andalusische Volkslieder: Sie handeln von unerfüllter Liebe, von Sehnsucht, tiefem Glauben und Treue. Da geht es um die liebe Jungfrau Maria mit ihrem süßen Kind - aber auch um Eifersucht: "Was habe ich dir getan, dass du alle meine Sachen aus dem Fenster wirft", seufzt der untreue Geliebte in einem Lied. "Das ist Andalusien, das ist Flamenco: von der Hoffnungslosigkeit bis zur Erfüllung aller Wünsche - alles in vier Strophen", erläuterte Volkert.

Zu einigen der Stücke tanzte La Picarona. Rassig und sehr stolz wirkte die Tänzerin mit ihrem streng zurückgekämmten Haar, den exakten und dennoch weichen Bewegungen. Die spanische Bezeichnung des Künstlernamens bedeutet soviel wie "die Schelmische, Freche". Und genau diese Wesensart verkörperte sie in ihren Tänzen, bei denen sie durch Fußstampfen noch einen weiteren rhythmischen Akzent auf die Bühne brachte. Mal wippte sie kokett mit der Hüfte und drehte die Hände in typischer Flamencomanier, dann stampfte sie wieder energisch auf und ließ den Rock fliegen. Kraftvoll, stark und trotzdem sehr weiblich wirkte ihr Auftritt.

Neben überlieferter Volksmusik standen auch populäre zeitgenössische Songs auf dem Programm. Zum Beispiel "Bamboléo" und "Baila Me" der Gipsy Kings aus der Camargue oder der bekannte Sommerhit "La Camisa negra" von Juanes. Mit großem Jubel begrüßte das Publikum den modernen Klassiker "Hasta siempre Comandante" - das Lied, mit dem der kubanische Komponist Carlos Puebla 1965 an den ermordeten Revolutionär Che Guevara erinnerte.