Weihnachten:In Starnberg geht der Trend zur Sechs-Meter-Tanne

Lesezeit: 3 min

Starnberg , Weihnachtsbäume Emanuel Schwaiger

Immerhin 18 Jahre alt ist diese viereinhalb Meter hohe Tanne, wie Emanuel Schwaiger an den Jahresringen gezählt hat. Die noch größeren Bäume sind alle verkauft. "Da krieg' ich auch kaum Nachschub."

(Foto: Georgine Treybal)

Die Käufer stellen die riesigen Christbäume etwa in die Eingangsfoyers ihrer Villen - und ordern einen Zweitbaum fürs Wohnzimmer.

Von Otto Fritscher

"Ja, das sind schon richtige Oschis, die wiegen so um die 100 bis 120 Kilo", sagt Emanuel Schwaiger. Mit Müh' und Not wuchtet der große und kräftige Mann den viereinhalb Meter hohen Christbaum wieder an die Wand zurück. "Das ist der letzte große, den ich noch habe, die noch größeren Sechs-Meter-Bäume habe ich alle schon verkauft", sagt Schwaiger, der neben seinem Blumenladen "Le Fleur" beim Starnberger Bahnhof Christbäume verkauft. Eine sechs Meter hohe Tanne als Weihnachtsbaum? Schwaiger nickt und sagt: "Die stehen oft auf den Terrassen von Villen, oder im Eingangsfoyer von schönen Häusern."

Natürlich liefere er - zu zweit - solche Bäume, die aus Dänemark stammen, frei Haus und stelle sie auch in speziellen, mit Betonplatten beschwerten Ständern auf. "Das Schmücken lassen sich die Hausherren nicht nehmen, sie brauchen aber ganz schön hohe Leitern", sagt Schwaiger. Und was kostet nun so ein Riesen-Christbaum á la Starnberg? "Na ja, es können schon mal 350 Euro oder mehr sein", verrät Schwaiger und lacht. Und dabei bleibt es zumeist nicht: "Die meisten, die einen großen Baum wollten, haben auch gleich einen Zweitbaum fürs Wohnzimmer mitbestellt", sagt Schwaiger.

Szenenwechsel zum Kellerhof in Buchendorf bei Gauting. Ein Huhn kommt gerade ums Hauseck, "Oma Kathi", wie Katharina Brandl von allen genannt wird, und Marianne Tirabasso verkaufen derweil Bäume, die in der eigenen Plantage gewachsen sind, "unbehandelt und ungespritzt", wie Tirabasso sagt. "Des Christbaumverkaufen g'freit mi immer noch", sagt die 81-Jährige, die seit mehr als drei Jahrzehnten Kundinnen und Kunden berät. "Wir haben schlanke und bauchig gewachsene und welche, die auf einer Seite nicht so viele Äste haben", erklärt Kathi. Deshalb gebe es auch keinen festen Meterpreis, sondern jeder Baum werde einzeln bewertet. Marianne Tirabasso kennt auch die Schattenseiten ihres Jobs: "Irgendwelche Leute haben einfach die Äste, die über den Zaun der Plantage gewachsen sind, abgeschnitten, auch ganze Bäume sind heimlich gefällt worden", berichtet Tirabasso. Für rund 40 Euro gibt es auf dem Kellerhof schon einen ordentlichen Baum.

Noch günstiger geht es bei Gerd Luther, der auf seinem Gelände an der Staatsstraße zwischen Söcking und Perchting Bäume verkauft, die er aus dem eigenen Forst geholt hat. Auch diese seien natürlich unbehandelt, betont er, weswegen Luther als einziger Händler aus dem Landkreis Starnberg eine Kaufempfehlung seitens des Bund Naturschutz bekommen hat. "Bis 13. Dezember haben wir eine günstige Mondphase zum Schlagen von Bäumen, da schauen wir ein bisschen drauf", fügt Luther hinzu. Geöffnet ist sein Verkauf jeweils freitags und samstags. Für eine Fichte verlangt Luther 17 bis 25 Euro, für eine zweieinhalb Meter hohe Nordmanntanne meist zwischen 45 und 55 Euro.

Buchendorf, Weihnatsbäume -Verkauf mit Frau Kathi Brandl

Kathi Brandl in Buchendorf hat noch eine volle Auswahl an Christbäumen.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein bisschen gemütlicher geht es bei Dieter Preiss zu, der an der Starnberger Maximilianstraße einen kleinen Tannenwald und eine Art Glühweinbude aufgebaut hat. "Das kann dann schon gemütlich werden und eine Weile dauern", sagt Preiss und lacht. "So richtig geht das Geschäft Mitte Dezember los."

Nächstes Jahr werden wohl etliche der Verkäufer auf die Netze verzichten, in die die Bäume verpackt sind. "Immer mehr Kunden fragen mich, ob das sein muss", erklärt Emanuel Schwaiger. Er wird sich deshalb für nächstes Jahr eine sogenannte "Christbaumwickelmaschine" anschaffen. "Ein Riesending, das ein paar Tausend Euro kostet." Die Zweige des Baumes werden dann mittels einer Leine zusammengeschnürt - so wie es vor einigen Jahrzehnten bei allen Händlern üblich war.

Doch nicht nur professionelle Christbaumverkäufer gibt es im Fünfseenland, auch Vereine und Organisationen wollen mit Tannen und Fichten ihre Kassen aufbessern. So etwa die Friedinger Feuerwehr, die am zweiten Adventswochenende Bäume vor dem Feuerwehrhaus feilbietet, oder die Tutzinger Gilde, die an diesem Samstag von acht Uhr an auf der Wiese neben dem Rathaus zugange ist. Doch was stellen sich nun Oma Kathi und Marianne Tirabasso, die Frauen vom Buchendorfer Kellerhof, an Heiligabend in ihre gute Stube? "Ich hab' mir schon einen Zwillingsbaum ausgesucht", sagt Marianne Tirabasso, also eine Tanne mit zwei Spitzen, was relativ selten ist. "Ich nehm' einfach, was übrig bleibt", sagt Oma Kathi, und wendet sich dem nächsten Kunden zu.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB