Ausstellung:Die Gemälde aus den Villen am Starnberger See

Ausstellung: Blick in private Salons: Museumsleiter Benjamin Tillig und Kunsthistorikerin Katja Sebald vor Bildern der Ausstellung "Malerisch".

Blick in private Salons: Museumsleiter Benjamin Tillig und Kunsthistorikerin Katja Sebald vor Bildern der Ausstellung "Malerisch".

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Ausstellung "Malerisch" im Museum Starnberger See bietet Einblick in die Anwesen von Adligen, Großbürgern und berühmten Künstlern. Viele Bilder stammen aus Privatbesitz und sind erstmals öffentlich zu sehen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Lovis Corinth machte Urlaub am Starnberger See, Maler wie Moritz von Schwind, Franz von Lenbach, Marie von Miller oder Gabriel von Max hatten hier ihre Sommerresidenzen: Was früher dem Adel vorbehalten war, entdeckten von Mitte des 19. Jahrhunderts an die Künstler für sich. Auch reiche Bürger aus München bauten sich Sommervillen, die das Seeufer noch heute prägen. In den Villenkolonien lebten Adel, Bürgertum und Künstler einträchtig zusammen. Sie luden sich gegenseitig zu rauschenden Festen ein, viele waren auch untereinander befreundet.

In der Ausstellung "Malerisch! Villen und Künstler*innen am Starnberger See", die an diesem Sonntag um 15 Uhr im Museum Starnberger See in Starnberg eröffnet wird, sind nicht nur Bilder der Villen zu sehen, die bekannte Künstler während ihrer Aufenthalte gemalt haben, es wird auch das gesellschaftliche Leben dieser Zeit dargestellt. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass viele Gemälde aus Privatbesitz erstmals öffentlich zu sehen sind.

Ausstellung: Das Gemälde zeigt ein Porträt des Villenbesitzers Hans Carl, gemalt von Lothar-Günther Buchheim. Repro: Arlet Ulfers

Das Gemälde zeigt ein Porträt des Villenbesitzers Hans Carl, gemalt von Lothar-Günther Buchheim. Repro: Arlet Ulfers

Als die Kunsthistorikerin Katja Sebald für ihr Buch "Sehnsuchtsort Starnberger See" recherchierte, durfte sie zwar Fotos von den Gemälden machen. Doch ihrer Meinung nach sind Fotos nicht "echt, sondern nur eine Krücke". So entstand die Idee, die Originale für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Weil die Wände in den Villen oft dunkel getäfelt sind, hat man auch im Museum versucht, diese Atmosphäre einzufangen. Über die Hängung der etwa 50 Gemälde hat man ebenfalls intensiv nachgedacht und sie erstmals am Computer simuliert, wie Museumsleiter Benjamin Tillig sagt. Damit die teilweise ungerahmten Bilder zum Hintergrund passen, stellten Bauhofmitarbeiter einfache Rahmen her, die mit der Wandfarbe harmonieren.

Hinzugekommen sind Leihgaben, beispielsweise ein Bild von Gabriel von Max aus dem Lenbachhaus in München. Einige Bilder sind von großer kunsthistorischer Bedeutung, andere haben einen hohen Wert als Zeitdokument, wie etwa das "Frühstück in Max Halbes Garten", das Lovis Corinth 1899 während eines Sommerurlaubs in Bernried gemalt hat. "Es ist ein wunderbares Bild", sagt Tillig, weil es das Lebensgefühl und das gesellschaftliche Leben am See in dieser Zeit einfange.

Um die Villa Knorr (heute Hotel La Villa) im italienischen Baustil rankt sich eine Geschichte. Laut Sebald nannten die Einheimischen die Villenkolonie "Protzenhausen". Bauherr Angelo Knorr ließ sich gern wie ein Adeliger im Pelzkragen porträtieren. Die Villa war der erste Bau in der Villenkolonie, viele Münchner Großbürger und Künstler folgten Knorr nach, darunter Moritz von Schwind.

Ausstellung: Angelo Knorr und dessen Frau Betty ließen sich in adeliger Pose festhalten. Repro: Arlet Ulfers

Angelo Knorr und dessen Frau Betty ließen sich in adeliger Pose festhalten. Repro: Arlet Ulfers

Knorr ließ ihn bei sich wohnen, bis von Schwinds Haus fertig war. Zum Dank malte ihm der Künstler ein Fries. Die Bilder, die Szenen aus Opern darstellen, sind im Original zu sehen. Als "riesigen Glücksfall" bezeichnet es Tillig, dass das Museum das Bild "Im Park der Villa Knorr" von Wilhelm Trübner mit Unterstützung des Freundeskreises erwerben konnte.

Ähnlich aufwendig ließ sich Franz von Lenbach sein Sommerschloss am Starnberger Mühlberg bauen. Er beauftragte mit Gabriel von Seidl den Architekten, der schon sein Stadthaus in München (heute Städtische Galerie im Lenbachhaus) geplant hatte. Der Künstler begleitete den Bau in allen Stadien der Planung, konnte die Villa aber nicht mehr beziehen, weil er kurz vor der Fertigstellung im Mai 1904 starb.

Künstlerinnen gab es in dieser Zeit wenige. Nach damaligem Rollenverständnis traten sie nicht öffentlich in Erscheinung, wie etwa Marie von Miller, die Ehefrau des Deutschen-Museums-Gründers Oskar von Miller. Von der Malerin sind im Starnberger Museum ebenfalls Bilder zu sehen.

Zwölf Villen rund um den See und ihre Bewohner werden in der Ausstellung vorgestellt. Ein Bereich heißt "Geisterecke": Die Villa Schrenck-Notzing in Ammerland ist nach dem gleichnamigen Arzt benannt, der sich mit Parapsychologie befasste und als "Geisterbaron" berühmt wurde. Er war oft Gast in der Villa des Künstlers Gabriel von Max, in der Séancen abgehalten wurden. Die erste Villa am Starnberger See gibt es nicht mehr, es war die Villa Leoni in Berg. Heute steht dort das Seehotel Leoni.

Die Ausstellung "Malerisch" ist bis 6. März 2022 im Museum Starnberger See zu sehen.

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