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Wetter:So verzaubert die Natur den Starnberger See

Tornados, Blütenstaub, Eisschollen und Niedrigwasser: Am Starnberger See gibt es viele Wetterphänomene.

Einen Tornado, wie er am vergangenen Sonntag über den See fegte, hat Andreas Gastl-Pischetsrieder noch nie erlebt - und das, obwohl er seit inzwischen 20 Jahren fast täglich auf dem Wasser ist. "Doch man erlebt schon viel", erzählt der 38 Jahre alte Berufsfischer aus Leoni. So hat Gastl-Pischetsrieder einmal einen Surfer, dem in der Dämmerung der Wind ausging, an Land gezogen. "Mein Vater hat sogar schon mal einen Heißluftballon rausgezogen."

Kollegen mussten derweil schon Leichen bergen oder verirrten Schwimmern im Nebel den Heimweg lotsen. Von farbintensiven Sonnenuntergängen oder beeindruckenden Naturschauspielen erzählt Andreas Gastl-Pischetsrieder nichts. Mit Romantik habe der Beruf des Fischers eben recht wenig zu tun, sagt er. Dabei sind ihm Naturphänomene, wie sie die Gewässer im Fünfseenland ihren Bewohnern bisweilen bieten, natürlich nicht unbekannt. "Windhosen hat es in den vergangenen zehn Jahren bestimmt drei gegeben", weiß er. Miterlebt hat er keine. "Muss auch nicht sein."

Doch nicht nur mit einer 40 Meter hohen Wassersäule über dem See stellt die Natur im Fünfseenland ihre Kräfte unter Beweis. Im vergangenen Winter wurden Spaziergänger Zeugen eines einzigartigen Schauspiels, als eine 150 Meter lange Eisscholle vor Percha Richtung Ufer trieb und laut klirrend zerbarst. Die Scheiben ragten danach wie futuristische Kunstwerke aus dem Wasser empor. Der See war damals fast flächendeckend mit Eis überzogen, wie sich der Fischer Siegfried Andrä aus Berg erinnerte. Doch es war nur ungefähr einen Zentimeter dick und brach deshalb leicht.

Umwelt und Naturschutz in Bayern Tornado über dem Starnberger See

Unwetter

Tornado über dem Starnberger See

Vor dem Ortsteil Leoni baut sich eine 40 Meter hohe Wasserhose auf. Zwar sind die Wirbelstürme in Bayern selten, doch im Herbst sind die Voraussetzungen günstig.   Von Carolin Fries

Lautlos, aber nicht minder beeindruckend ist der See im Frühjahr, wenn der sogenannte Schwefelregen niedergegangen ist. Dann liegt gelber Blütenstaub auf der Wasseroberfläche und wird durch die Bewegung des Wassers wie auf einem Aquarellbild in Schlieren gezogen. Wenn alle drei bis vier Jahre die Fichten blühen, ist das Schauspiel besonders stark ausgeprägt. Dann wirkt der Starnberger See mehr gelb als üblicherweise blau oder grün. Die Fischer haben daran kaum Freude. Sie müssen dann täglich ihre Netze waschen. Und laut Gastl-Pischetsrieder lassen sich auch weniger Fische fangen, wenn der Blütenstaub sich in Richtung Grund absetzt. "Die spüren das." Nach dem trockenen Sommer 2018 war der Wasserstand am Starnberger See so niedrig wie seit Jahren nicht mehr - es fehlte mehr als ein halber Meter. Am Ufer entstanden neue Strände und die Stege wirkten wie auf Stelzen.

Blütenstaub, Eisschollen, Niedrigwasser oder Tornados - Kreisheimatpfleger Gerhard Schober aus Unterbrunn bei Gauting ist sich sicher, dass es das zu seiner Kindheit am Starnberger See nicht gegeben hat und es sich hierbei um zeitaktuelle Phänomene handeln muss. Als er jung war, konnte es indes schon mal passieren, dass der ganze See zufror, "eine einzige flaschengrüne Eisfläche", wie er sich etwa an den Winter 1954 erinnert. "Ein Genuss ohne Ende", schwärmt Schober. Inzwischen hält er die "gekonnte Mischung aus Kunst und Natur" für das Besondere am Starnberger See. Die Komposition der Laubbäume in den ufernahen Parkanlagen sei einmalig schön. Hergeben würde er den Starnberger See nie mehr, auch wenn die Touristenströme die Freuden mehr und mehr trübten. "Und wer weiß, was noch kommt?", fragt Schober. Solange der Mensch nicht alles wahllos zubaut, macht er sich aber keine Sorgen, denn vor den Kräften der Natur fürchtet er sich nicht. "Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern nur im Gegensatz zu dem, was wir über die Natur wissen", formulierte bereits in der Spätantike der Theologe Augustinus von Hippo.

Starnberger See 150 Meter lange Eisscholle zersplittert am Ufer des Starnberger Sees
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Winter

150 Meter lange Eisscholle zersplittert am Ufer des Starnberger Sees

Die riesige Platte gerät vor Percha in Bewegung - und bricht an Land mit lautem Klirren.   Von Sabine Bader