Corona-Gewinner:Achtung, hier brüten Blässhühner!

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Starnberg See, Blässhuhn

Das Blässhuhn kann nun in Ruhe brüten.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf Stegen in Starnberg und Possenhofen stehen schon wieder Barrikaden - diesmal allerdings um Nester zu schützen.

Von Armin Greune

Die Wasservögel im Fünfseenland werden die Pandemie wohl als erholsam empfunden haben. Der Besucherstrom an den Seeufern ebbte merklich ab, die Lebensräume der Enten, Gänse und Rallen waren so ungestört wie schon lange nicht mehr. Und als allmählich Lockerungen einsetzten, blieben wenigstens die Stege am Starnberger See noch als Refugien erhalten: Das Landratsamt hielt sie trotz der Bürgerproteste und eines Eilantrags beim Verwaltungsgericht weiter gesperrt. Erst seit vergangenem Mittwoch sind sie wieder offen.

Die beiden Blässhühner, die in der Zwischenzeit ein Eck des Rettungsstegs am Starnberger "Undosa" für ihr Brutgeschäft in Anspruch genommen hatten, dürften von den diversen Verwaltungsakten nichts mitbekommen haben. Doch spätestens am Wochenende war es mit der Ruhe auf den Planken vorbei. Beherzte Tierfreunde, die das Gelege schützen wollten, ergriffen die Initiative, sperrten den Südflügel des Stegendes mit Flatterband provisorisch ab und markierten die Bretter mit roten Klebestreifen: "Stopp bitte! Hier brütet ein Huhn!" ist auf den handgeschriebenen Schildern zu lesen.

Am Montag hat der Bauhof der Stadt Starnberg nachgearbeitet und die wenige Quadratmeter große Fläche mit einem Absperrgitter versehen. Ähnlich ist die Stadt München in ihrem Erholungsgebiet "Paradies" bei Possenhofen vorgegangen: Auch dort wurde in den vergangenen Tagen ein Teilbereich des Stegs abgeriegelt, nachdem sich ein Blässhuhnpaar auf dem Steg niedergelassen hatte, um dort seinen Nachwuchs zur Welt zu bringen. Und schon im vergangen Jahr bemühte sich die Starnberger Verwaltung, das Gelege von Schwänen mit Hinweisschildern zu schützen, die sich den Buzentaur-Park als Kinderstube ausgesucht hatten.

Auch wenn das Gitter am Rettungssteg natürlich Neugierige anzieht, scheinen die Vögel selbst von Hunden unbeeindruckt. Reglos hockt ein Blässhuhn auf dem Nest aus Zweigen, das ganz am Rand des Stegs nur so viel Platz wie eine Bierkiste einnimmt, während der Partner oder die Partnerin in der Nähe auf dem See seine Kreise zieht.

Starnberg See, Blässhuhn

Das kleine Reich des Blässhuhns: Tierfreunde und der Bauhof der Stadt haben das Nest auf dem Steg am "Undosa" mit einem Gitter gesichert.

(Foto: Georgine Treybal)

Männchen und Weibchen brüten abwechselnd 23 Tage lang, bis fünf bis zehn Küken aus den Eiern schlüpfen. Sie sind Nestflüchter, werden aber oft noch ein paar Tage von den Eltern gehudert, schon nach acht Wochen sind sie flügge. Normalerweise bauen Blässhühner, die biologisch nicht zu den Hühnern, sondern zu den Rallen gehören, ihre Nester im Schilf und in ufernahen Gebüschen - oder gar freischwimmend in der Gewässermitte.

Die anpassungsfähigen Wasservögel, im Volksmund "Duckanterl" genannt, zählen nicht zu den bedrohten Arten: Sie stellen etwa die Hälfte der Wintergäste am Starnberger See, wo sich dann bis zu 17 000 Exemplare gleichzeitig auf dem Wasser tummeln. Im Sommer sind dort nur 30 bis 40 Brutpaare anzutreffen, insgesamt aber scheint ihr Bestand seit der Jahrtausendwende deutlich zugenommen zu haben. Was nicht nur auf Begeisterung trifft: Fischer und Gewässerkundler argwöhnen, dass sie mit ihrem Verbiss am Rückgang der Schilfgürtel beteiligt sind.

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