SZ-Serie S(ee)aisonarbeiter:Propeller-Skifahren und Ice-Kiten im Fünfseenland

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SZ-Serie S(ee)aisonarbeiter: Mit einem Propeller auf dem Rücken und Skiern an den Füßen über eine schneebedeckte Wiese: Auch so kann Wintersport im Fünfseenland aussehen.

Mit einem Propeller auf dem Rücken und Skiern an den Füßen über eine schneebedeckte Wiese: Auch so kann Wintersport im Fünfseenland aussehen.

(Foto: Privat)

Immer nur zum Baden gehen? Basti Groß aus Pöcking fallen da noch viele andere Dinge ein, die man an den heimischen Gewässern unternehmen kann.

Von Michael Berzl

Das Gespräch mit Basti Groß findet an einem sonnigen Fleckchen in seinem Garten am Rand von Pöcking statt - und bald in schwindelerregender Höhe im Geäst einer stattlichen Tanne. Dort droben in etwa 17 Metern Höhe hat er zusammen mit Freunden eine kleine Plattform aus Holz gebaut. "Haus mit Seeblick", scherzt der 31-Jährige. Tatsächlich ist von dem Aussichtsplatz ein Stück vom Starnberger See zu sehen, das Ufer bei Leoni und vor allem die Bergkette im Süden. Die Benediktenwand etwa ist deutlich zu erkennen. Der Weitblick ist imposant.

Weiter drunten entsteht gerade ein Baumhaus von beeindruckenden Ausmaßen, das rund um den mächtigen Stamm gezimmert wird. Wände und Fensterfronten fehlen noch, aber ein Sofa steht schon dort. Ein Projekt, das wohl typisch ist für den abenteuerlustigen Sportler: "Irgendwer hat eine verrückte Idee, und dann wird das umgesetzt." So ist das auch bei seinen sportlichen Aktivitäten rund um den See - ob auf Schlittschuhen, Skiern oder aber auch einem zweckentfremdeten SUP-Board. "Alles was witzig ist, wird ausprobiert."

Die Sache mit dem Ice-Kiten zum Beispiel. So nennt Groß die selbst erfundene Variante, die er zusammen mit Freunden auf dem Deixlfurter Weiher bei Tutzing ausprobiert hat. Normalerweise lassen sich Kiter auf einem Board stehend von einem Segel über das Wasser ziehen, gern bei starkem Wind, gern auch im Herbst in der Herrschinger Bucht im Ammersee bei Sturmwarnung. Es geht aber auch im Winter - mit einem Lenkdrachen auf Schlittschuhen. "Da reicht ganz wenig Wind, und man wird unheimlich schnell", erzählt Groß und zeigt wieder sein schelmisches Grinsen wie über einen gelungenen Schabernack. Es hat wieder mal geklappt.

Noch ein Beispiel für ausgefallenen Wintersport im Fünfseenland: An einem Rodelhügel zwischen Andechs und Herrsching hat die Clique ausprobiert, wie es ist, mit einem aufblasbaren Board, das eigentlich für das Stand-Up-Paddling (SUP) vorgesehen ist, auf Schnee einen Hang hinunter zu sausen. Auch da wird man ziemlich schnell.

Selbst der Vater, der schon im Rentenalter ist, macht dabei mit. Auf einem kleinen Film ist zu sehen, wie er mit Ski an den Füßen und einem großen Propeller auf dem Rücken bei Aschering über ein schneebedecktes Feld saust. "Das ist richtig witzig, da wird man richtig schnell", schwärmt der Sohn. So 60 Kilometer pro Stunde seien da schon möglich.

Und dann gab es da noch die Sache mit der Sprungschanze auf einem Steg bei Percha. Da haben der Pöckinger und seine Freunde einfach mal ausprobiert, wie das so ist, wenn man mit Anlauf mit dem Fahrrad in den See springt. So etwas war dann Schlechtwetterprogramm, schließlich wollte man keine Badegäste stören. Oder das Skijöring bei der Ilkahöhe, bei dem sich ein Skifahrer von einem Pferd ziehen lässt. Oder die Versuche mit einem Wakeboard auf einem Feld, das nach einer langen Regenperiode unter Wasser stand.

"Wir haben schon jeden Quatsch ausprobiert", schmunzelt Groß, der auch das Jugend-Ferienprogramm des TSV Starnberg mitorganisiert, diverse Zusatzqualifikationen in dem Bereich erworben hat und geprüfter Wanderleiter beim Alpenverein ist. Passiert sei bei diesen Experimenten außer kleinen Blessuren noch nichts Ernsthaftes. "Es ist auch viel Mist dabei, aber es lohnt sich", sagt der 31-Jährige über seine zum Teil etwas ausgefallene Freizeitgestaltung. Alte Schulfreunde machen da mit, Leute, die er vom Studium oder vom Sportverein kennt. Zurzeit hat Groß wenig Zeit für derlei Quatsch, weil er sich im Endspurt seines Referendariats in Weilheim als Grundschullehrer befindet.

Ice-Kiten, eine rasante Fahrt mit einem SUP-Board im Schnee: Das wären ideale Motive für soziale Plattformen wie Instagram. Doch diese Art der Selbstdarstellung ist Groß' Sache nicht. "Ich habe zwar einen Account, habe aber dort noch kein Foto hochgeladen. Das kostet ja auch Zeit und macht Arbeit." Und dann sagt der Grundschullehrer einen Satz, den sich auch seine Schüler zu Herzen nehmen könnten: "Da bin ich lieber draußen und mach' was anderes." Es müssen ja nicht so verrückte Ideen sein wie die ihres jungen Lehrers.

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