Starnberger SeeRoseninsel könnte Weltkulturerbe werden

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84 heimische Bodendenkmäler werden in die Denkmalliste aufgenommen. Das besondere Interesse der Archäologen gilt der Roseninsel.

Sabine Bader

Der historische Reichtum des Landkreises Starnberg ruht in der Erde: 462 Bodendenkmäler gibt es im Fünfseenland, 84 davon hat das Landesamt für Denkmalpflege jetzt neu in die Denkmalliste aufgenommen, die erstmals seit 1973 bayernweit überarbeitet und ergänzt wird. Das besondere Interesse der Archäologen gilt dabei der Gegend um Gauting sowie der Roseninsel.

Das besondere Interesse der Archäologen gilt dabei der Gegend um Gauting sowie der Roseninsel.
Das besondere Interesse der Archäologen gilt dabei der Gegend um Gauting sowie der Roseninsel. (Foto: Franz-Xaver Fuchs/STA)

Früher waren die Experten im Hinblick auf die Standorte von Bodendenkmälern mehr als zurückhaltend - wohl aus Sorge vor Sondengängern und Grabräubern. Doch seit einiger Zeit geht das Landesamt andere Wege. Auf der Homepage der Behörde lassen sich im "Bayern Viewer-Denkmal" auch Bodendenkmäler lokalisieren.

Das kann Gemeinden und Bürgermeistern helfen, aber auch Privatleuten. Denn werden etwa neue Wohn- und Gewerbegebiet geplant, kann man sich vorab darüber informieren, wo im Boden Vorsicht geboten ist. Und im Landkreis Starnberg gibt es da viele Stellen. Die frühesten Funde stammen aus der Zeit zwischen 4000 bis 3500 vor Christus. "Erste Spuren von Ackerbauern der Jungsteinzeit lassen sich in der Region Gauting und im Norden Starnbergs finden", weiß Dorit Reimann, die im Landesamt für die Bodendenkmäler zuständig ist.

Reimann hat sich intensiv mit dem Landkreis Starnberg befasst und festgestellt: "Für die Bronzezeit ist der Raum Gilching mit Gräbern aus der Zeit um 2200 bis 1900 vor Christus von besonderem Interesse, da hier eine der damaligen Handelsrouten verlief." Die anschließende Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v. Chr.) sei mit Ausnahme der archäologischen Funde auf der Roseninsel im Landkreis sonst nur selten vertreten. Die Pfahlbauten vor der Roseninsel sind von besonderem Wert: Gibt es doch bereits den Vorschlag, sie in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufzunehmen.

Darüber hinaus findet man in fast allen Gemeinden des Landkreises Hügelgräber aus unterschiedlichen Zeiten: aus der Frühgeschichte, der Hallstatt- oder der Bronzezeit. Für die Gemeinde Berg sind in der Liste der Bodendenkmäler beispielsweise zwölf frühgeschichtliche Hügelgräber aufgeführt, etliche andere gibt es in Andechs, Inning, Gauting, Starnberg, Wörthsee und Weßling. An bedeutenden Funden der jüngeren Eisenzeit (500 bis 15 v. Chr.) fallen Reimann unter anderem vier Viereckschanzen ein sowie ein Glashüttendorf bei Steinebach.

Das Hauptaugenmerk der Archäologen ruht jedoch auf Gauting. Hier lag ein römischer Straßenknotenpunkt, dementsprechend finden sich viele Zeugnisse aus der Zeit zwischen 15 vor und 400 nach Christus im Boden. Allein 60 Einträge gibt es in der Liste der Bodendenkmäler zu Gauting (Bratananium). Anhand von Gräbern, Straßenzügen, Bestattungs- und Handwerksplätzen lässt sich die Stadtentwicklung rekonstruieren.

Highlight unter den Funden aus römischer Zeit ist auch für die Fachleute die "Villa rustica" in Leutstetten. Im zweiten Jahrhundert lebte hier auf seinem Gutshof das Ehepaar Pintamus. Die "Villa rustica" wurde Anfang 2002 ausgegraben und mit einem Glasbau geschützt, der den Blick auf die Mauern sowie das Bad, etliche Fundstücke und eine Kopie des Grabsteins der Eheleute ermöglicht.

© SZ vom 24.01.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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