Alles schon passiert am Starnberger See: Dass ein Rettungsdienst in einem akuten Notfall die letzten paar hundert Meter mit der ganzen Ausrüstung im Galopp zu Fuß zurücklegen musste. Und das nur, weil der Rettungsweg verbotswidrig zugeparkt war. Schlimm genug. Den schlimmsten Fall mag man sich dagegen kaum ausmalen: „Wer Rettungswege blockiert, bringt Menschenleben in Gefahr“, erklärt Benjamin Bursic, Geschäftsführer des Zweckverbands Kommunale Dienste Oberland (ZV KD). Und deswegen kontrolliert der ZV KD den ruhenden Verkehr von Münsing über Starnberg und Tutzing bis Seeshaupt besonders in den Sommerferien konsequent.
150 Verwarnungen an einem Tag
Allein am Feiertag Mariä Himmelfahrt hat Kathrin Schuster, die die KV-Teamleitung rund um den See hat, 150 Verwarnungen gezählt: „Das ist viel!“ Als der Verband allerdings am Samstag bei einem angekündigten Aktionstag demonstrieren wollte, dass genauso konsequent abgeschleppt wird, spielte das Wetter nicht mit. Nach einer schweren Gewitternacht war die Luft so stark abgekühlt und der Himmel noch so bewölkt, dass nicht viele Leute an den See gefahren waren. Die 1800 offiziellen Parkplätze am Ambacher Erholungsgelände etwa reichten locker aus. An sonnigen Tagen hingegen ist rund um das Gelände noch der letzte Meter zugeparkt – und eben nicht selten auch ein Rettungsweg oder ein Schwerbehinderten-Parkplatz.
„Wenn ich Blaulicht blockiere, kostet das hundert Euro“, erklärt Schuster. Die Abschleppkosten kommen noch hinzu. Und hier gibt es eine neue Regelung – das „vereinfachte Abschleppverfahren“. Es gilt in Münsing, Berg und Tutzing und autorisiert die Einsatzkräfte des ZV KD, eigenständig festzustellen, dass eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, die das Abschleppen nötig macht. Sie teilen dies der zuständigen Polizeidienststelle mit, die dann nicht mehr selbst ausrücken muss, sondern gleich den Abschleppdienst anfordert.
„Menschen für mehr Respekt und ein besseres Miteinander sensibilisieren“
Maximilian Brummer, Leiter des ruhenden Verkehrs beim ZV KD, betont, er und seine Leute seien immer um ein freundliches, oft genug aufklärendes Gespräch bemüht. Aber es gehe schließlich um den Schutz sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch von Touristen. „Unser Ziel ist es, dass Rettungsfahrzeuge jederzeit und ohne Hindernisse ihren Einsatzort erreichen können.“ KV-Geschäftsführer Bursic erklärt, sein Verband wolle „die Menschen für mehr Respekt und ein besseres Miteinander sensibilisieren“.

Das stößt bei Betroffenen nicht immer auf Verständnis. Die KV-Leute erleben täglich Ausreden, Widerspruch, ja gelegentlich sogar körperliche Bedrohung. Einem ihrer Kollegen, so berichtet Kathrin Schuster, sei ein ertappter Autofahrer dieser Tage so auf die Pelle gerückt, dass er fast schon Nase an Nase stieß.
Wie ein Appell an das Einsichtsvermögen der Falschparker sollen auch farbige Karten wirken, die mit Verwarnungen unter die Scheibenwischer geklemmt werden: „Parkplatz oder Parkblockade?“, steht auf der blauen Karte. „Dein Termin kann warten, Notfälle nicht.“ Ein grünes Rollstuhl-Logo auf rotem Grund signalisiert: „Dieser Platz ist reserviert für echte Bedürfnisse. Deine Parkwahl entscheidet über Barrierefreiheit.“

Der Zweckverband ist seit einem Jahr auch offizieller Partner der Initiative #mehrAchtung des Bundesverkehrsministeriums und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, die sich für rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr einsetzt. Und das tut der ZV KD ganz unabhängig vom Wetter. Das heißt, auch wenn der Aktionstag abgesagt wurde, ist das keineswegs eine Entwarnung für Falschparker. Kathrin Schuster und Co. bleiben rund um den See unterwegs und haben ein Auge besonders auf Rettungswege wie den beim beliebten Gasthaus Fischmeister in Ambach – nicht nur, wenn sie dort für ein Pressefoto posieren.

