Süddeutsche Zeitung

Starnberger See:Mit Liebe gegen Antisemitismus

Der Verein "Respect & Remember Europe" will die Feldafinger Albers-Villa als deutsch-jüdischen Begegnungsort nutzen

Von Sabine Bader, Feldafing

"Was kann man Besseres machen, als über eine Liebesgeschichte an die Jugend ranzugehen", sagt Gabriella Meros. Die Münchnerin ist Vorsitzende des Vereins "Respect & Remember Europe", der sich dafür einsetzt, dass die Albers-Villa in Garatshausen zum deutsch-jüdischen Erinnerungs- und Begegnungsort umgebaut und damit öffentlich genutzt wird. Am Sonntag, 12. September, will sie anlässlich des Tags des offenen Denkmals gemeinsam mit der Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl Interessierte vor dem Anwesen über die Historie des denkmalgeschützten Hauses und über die Pläne des Vereins informieren.

Die Liebesgeschichte des Schauspielerpaares Hans Albers mit Hansi Burg, die von den Nazis verfolgt wurde, weil sie Jüdin war, soll dabei als Schlüssel fungieren, um Präventionsarbeit gegen Antisemitismus zu leisten. Und wo könnte diese besser platziert sein, fragt sich die Vereinschefin im Gespräch mit der SZ, als in der ehemaligen Villa des Paares? Schließlich seien die Beiden trotz aller Widrigkeiten im Krieg zusammengeblieben - wenn auch heimlich. Sie lebten bis zu Albers Tod gemeinsam in Garatshausen. Der Verein habe dem Freistaat ein Nutzungskonzept für das Anwesen vorgelegt, bei dem lediglich eine Sanierung der Räume geplant sei, so Meros.

Doch der Freistaat, der das Anwesen 1971, vier Jahre nach Albers Tod, von Hansi Burg erwarb, hat damit offensichtlich andere Pläne. Denn die Technische Universität München (TUM) hat ebenfalls Interesse an dem Anwesen angemeldet und ein Konzept vorgelegt. Sie will das Grundstück als Tagungsort für ihre "Junge Akademie" nutzen, praktisch als Belohnung für motivierte Studierende, die in der Seeidylle lernen, Workshops veranstalten und übernachten würden. Erweiterungen gelten als denkbar. "Die TU München hat im Haushaltsausschuss des Landtags den Zuschlag bekommen", sagt die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig. Das Konzept sei nach ihrem Dafürhalten absolut überzeugend. Beschlusslage ist derzeit, dass die Universität ihre Pläne weiter konkretisiert.

Eine Entscheidung, mit der sich der Verein nicht zufrieden geben will. Der hat daher kürzlich eine Petition gestartet, die bislang rund 700 Bürger unterzeichnet haben. Damit wolle man erreichen, dass die politisch Verantwortlichen noch einmal über ihre Entscheidung nachdenken. "Wir wollen die Nutzung bekommen", sagt Meros, die sich durchaus auch Kooperationen mit anderen Organisation und Vereinen, wie etwa der Filmhochschule, vorstellen könnte. "Hansi Burg hat das Anwesen an den Freistaat verkauft, weil sie sicher gehen wollte, dass es öffentlich genutzt wird." So sehe es auch der Kaufvertrag vor. "Und wir wollen, dass ihr Wunsch endlich gehört wird."

Der ausgewiesene Albers-Kenner und -Sammler Felix Felzmann ist von keiner der beiden Ideen überzeugt. Denn er glaubt nicht daran, dass so das Anwesen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wird. Er habe sehr lange gewartet, bis er 1996 den Großteil seiner bundesweit größten Sammlung über den Schauspieler - bestehend aus ungezählten Fotos, Filmplakaten, signierten Programmheften, Autogrammen, Schallplatten, Büchern, Kostümen und persönlichen Gegenständen an das Filmmuseum in Potsdam verkauf hat. Zuvor habe er immer auf ein Konzept für einen Erinnerungsort an den Schauspieler in Garatshausen gehofft, sagt er. "Jetzt erinnert im Gebäude selbst so gut wie gar nichts mehr an Hans Albers und Hansi Burg."

Doch die neuerlichen Vorhaben sind nicht die ersten Pläne, die der Freistaat damit seit dem Ankauf des 24 000 Quadratmeter großen Geländes in Bestlage hat. Bis 2009 hatte ohnehin die Bayerische Landesanstalt für Fischerei das Anwesen genutzt. Dann versuchte der Freistaat längere Zeit vergeblich, es zu veräußern. Zu dieser Zeit hätte ein Investor das Haus auch noch abreißen und neu bauen können, denn es stand nicht unter Schutz. Doch die Verkaufspläne zogen sich in die Länge. Schließlich erklärte sich die Immobiliengesellschaft des Freistaats einverstanden mit einer langfristigen Verpachtung des Grundstücks im Zuge des Erbbaurechts. Der Feldafinger Gemeinderat favorisiert ein nobles Restaurant mit einem angeschlossenen kleinen Hotel auf dem Areal. Das war 2015. Öffentlich zugänglich war das Grundstück auch bis dahin nie gewesen.

Um Kritikern wenigstens ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte man vor mehr als 20 Jahren einen kleinen Stichweg am Zaun entlang angelegt, von dem aus Albers-Fans immerhin einen Blick auf die Villa erhaschen sollten. Doch meist war auch das schwer möglich und die Besucher blickten nur in wild wucherndes Grün. Wer wenigstens Albers Lieblingsort, sein reetgedecktes Bootshaus, aus der Nähe sehen will, tut gut daran, mit einem Elektroboot in See zu stechen. Die Villa selbst kann man aber auch vom Wasser aus kaum erblicken.

Der Verein "Respect & Remember Europe" lädt Interessierte am kommenden Sonntag, 12. September, um 11, 13 und 15 Uhr zu Info-Gesprächen vor der Albers-Villa am Hans-Albers-Weg 6 in Garatshausen ein.

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Quelle:
SZ vom 09.09.2021
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