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Tourismus:Tutzing könnte betuchte Gäste locken

So könnte ein Hotel direkt am See in Tutzing aussehen: Vier Baukörper für 159 Zimmer, dazu ein öffentlicher Bereich am Ufer. Grafik: Florian Burgstaller/Drees&Sommer

(Foto: Grafik: Florian Burgstaller/Drees&Sommer)

Der Region fehlen gehobene Hotels. Eine Analyse bescheinigt Wirtschaftlichkeit für ein feines Haus direkt am Starnberger See.

Von Manuela Warkocz

Man möchte es im Millionärs-Landkreis Starnberg nicht glauben - aber größere Hotels im gehobenen Segment lassen sich am Starnberger See kaum finden. Das beklagen betuchte Gäste ebenso wie die Tourismusmanager des Fünfseenlandes. Das Potenzial wäre auf jeden Fall da. Zu nutzen machen könnte man es sich in Tutzing auf dem Seegrundstück des 2003 abgerissenen Hotels Seehof. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Stuttgarter Beraterfirma Drees & Sommer, die die Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Um rentabel zu sein müsste allerdings statt der von Tutzing bislang favorisierten Bebauung mit 70 bis 80 Zimmern ein Hotel mit mindestens 139, noch besser 159 Zimmern genehmigt werden. Trotz dieser Aussicht zeigt der derzeitige Eigentümer des 7000-Quadratmeter-Areals kein Interesse am Bau eines Hotels. Er will verkaufen.

Freizeittouristen und Geschäftsreisende gleichermaßen könnten ein modernes, attraktives Hotel am See in Tutzing wirtschaftlich machen, referierte Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, aus der Potenzialanalyse im Tutzinger Gemeinderat. Die Lage mit der Nähe zu München samt seinem Kultur- und Messeangebot wurden als bekannte Pluspunkte genannt ebenso wie die Nähe zu den Bergen und zahlreichen Golfplätzen. Erweitern ließe sich das Gästepotenzial, wenn etwa Segelevents am See besser vermarktet würden. Nur 16 Marktbegleiter, Hotels mit mehr als 30 Zimmer, machten die Analysten im weiteren Umfeld Tutzings aus und schauten dabei bis nach Penzberg. 2019 hatte Tutzing 8500 Übernachtungen, Gäste blieben mit 2,3 Nächten im Durchschnitt kürzer als im bundesweiten Vergleich, der bei 2,6 Nächten liegt.

Für ein Hotel mit 159 Zimmern sehen Skizzen vier Baukörper mit je vier Geschossen auf dem westlichen Teil des Areals vor. Direkt am See bliebe ein kleiner Bereich, der öffentlich mit einer kleiner Gastronomie genutzt werden könnt, etwa für Tagestouristen der nahen Dampferanlegestelle. Ob diese Analyse neuen Schwung in die seit 28 Jahren währende Debatte um den Seehof bringt ist fraglich. Denn detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnungen wurden öffentlich nicht genannt, mit Hinweis, es handele sich um einen Privateigentümer. Offenbar hatte auch keiner der Gemeinderäte Fragen, eine Diskussion gab es nicht.

Der Eigentümer UBM Development, ein börsennotierter international agierender Immobilienentwickler mit Sitz in Wien, zeigt sich jedenfalls auf Nachfrage nicht überzeugt. "Eine Hotelnutzung ist nach unseren Kalkulationen, die gutachterlich bestätigt wurden, nicht wirtschaftlich möglich. Verkaufsbereitschaft besteht", lässt Bertold Wild, Vorstand der UBM Development Deutschland GmbH ausrichten. Das Grundstück habe man seinerzeit gekauft, als die Gemeinde eine Wohnnutzung vorsehen wollte. Davon rückte Tutzing aber ab. Und lehnte auch einen Vorbescheid von UBM für ein Boardinghaus 2018 ab, aus Sorge, dass so durch die Hintertür Eigentumswohnungen entstehen könnten. Eine Veränderungssperre wurde erlassen. "Jetzt geht es darum, dass wir jemand finden, der an diesem wunderschönen Platz ein Hotel bauen will", unterstrich Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) den immanenten Wunsch für das Filet-Grundstück. Das ist nach vielen Verkäufen viele Millionen wert, was auch einkalkuliert werden muss.

© SZ vom 23.06.2020
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