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Immobilien:Diese Mini-Liegewiese am Starnberger See soll bis zu 800 000 Euro kosten

Percha, Hellweger & Partner, Grundstück

Es ist nur ein kleines Fleckchen Land im Starnberger Ortsteil Percha, das ein Immobilienmakler derzeit gewinnbringend verkaufen will.

(Foto: Georgine Treybal)

Gerade einmal 280 Quadratmeter ist das Grundstück in Percha groß. Ein Käufer könnte derzeit aber gar nichts damit anfangen.

Das Angebot klingt verführerisch, zumindest für Leute mit dickem Bankkonto: "Zum Verkauf gegen Gebot kommt hier eine wirkliche seltene Gelegenheit", lockt der Anzeigentext im Internet, angepriesen wird ein "Erholungsgrundstück direkt am Percha-Beach". Und tatsächlich: Wer sich durch die Bildergalerie des Exposés klickt, erkennt unschwer das Erholungsgelände am Ostufer des Starnberger Sees. Die Offerte betrifft bei genauem Hinsehen allerdings nur einen Zipfel des weitläufigen Parkgeländes zwischen Percha und Kempfenhausen, das an sonnigen Tagen Tausende Besucher anlockt. Und - kaum verhohlen - auch das: Es ist völlig ungewiss, was ein Käufer damit anfangen kann. Eine Bebauung ist nicht empfohlen, die "Nutzungsmöglichkeiten für dieses geschützte Außenbereichsgrundstück sind mit dem Bauamt abzuklären".

Der Starnberger Immobilienhändler Thomas Hellweger ist dennoch überzeugt davon, das etwa 280 Quadratmeter große, unerschlossene Grundstück aus Familienbesitz gewinnbringend zu verkaufen. Seit einigen Wochen schon bietet er das kleine Areal südlich der Bundeswehr-Tauchschule am Schiffbauerweg an. Für Hellweger, der sein Geschäft seit 26 Jahren betreibt und vorwiegend Wohnungen und Häuser vermittelt, ist es "ein seltenes Angebot": Es biete die "perfekte Gelegenheit", jenseits vom großstädtischen Trubel, Ruhe zu genießen. Der grüne Flecken mit Seeblick ist jedoch kein Schnäppchen. "480 000 Euro", sagt Hellweger, seien drin, womöglich sogar 600 000 bis 800 000 Euro. Insofern ist das Grundstück im Segment hochpreisiger Angebote tatsächlich etwas Besonderes: eine Geldanlage für Liebhaber mit Hang zur Spekulation auf bessere Zeiten.

Dieter Sinning, Vorsitzender des Gutachterausschusses im Landratsamt und Experte für Immobilien und Grundstücke, beobachtet das Phänomen der rapide steigenden Preise im Landkreis schon lange. Doch im Hinblick auf das Mini-Grundstück in Percha ist er skeptisch: "Da kann ein Privatmann wenig mit anfangen", sagt Sinning, "er kann im Außenbereich nichts damit machen". Gleichwohl räumt er ein, dass der zunehmende Siedlungsdruck aus München die Verhältnisse auch in der Region grundlegend ändern könnte. Eine Bebauung des "Erholungsgrundstücks in naturnaher Lage" (Anzeigentext) ist nach Sinnings Einschätzung derzeit zwar unrealistisch. Dennoch könnte das Areal einen gewissen Reiz für Menschen mit Geld, Geduld und Hang zum Risiko entfalten.

Auch Hellweger räumt ein, dass es für einen Käufer wohl "nicht ganz einfach" werde. Im Vorjahr erst brachte er einen Ratgeber auf den Markt: "Der Türöffner - So bekommst du jede Wohnung". Das bescherte ihm sogar einen Auftritt im Frühstücksfernsehen. Wie man die Behörden dazu bringen könnte, eine Baugenehmigung für das bislang unbeachtete und öffentlich genutzte Grundstück in Percha zu bekommen, weiß er aber nicht. Vielleicht ein Tiny House, also ein mobiles Häuschen? Oder ein Wohnmobil? "Es gibt keine Garantie, das muss man alles absprechen", sagt der Immobilienprofi. Aufgrund eines fehlenden Eintrags im Grundbuch scheint dagegen sicher zu sein, dass weder der Münchner Erholungsflächenverein noch die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Starnberg ein Vorkaufsrecht geltend machen können.

"Wir testen einfach mal den Markt", erklärt Hellweger, "wie die Nachfrage ist". Der Verkauf erfolge aber ohne Zeitdruck. Auslöser für diesen Test sei 2018 jedoch ausgerechnet ein SZ -Artikel gewesen, in dem der Gutachterausschuss unter Vorsitz von Sinning Quadratmeterpreise von bis zu 5000 Euro für Seegrundstücke nannte. Hellwegers Vorstellungen in Percha bewegen sich zwischen 1700 und 2800 Euro pro Quadratmeter.

Gleichwohl: So "untypisch typisch", wie Hellweger sagt, ist seine Offerte nun auch wieder nicht. Neben allerlei "normalen" Angeboten eines Starnberger Immobilienverkäufers fand sich vor drei Jahren etwa ein "exklusiver Steg mit Plattform und Bootshaus" in Münsing-Ammerland - davon allerdings nur 50 Prozent. Als verkaufsfördernde Details des 43 Quadratmeter großen Bauwerks nannte der Makler eine Brücke zur Birkeninsel, eine genehmigte Treppe in den Starnberger See, die Hälfte eines Ruderbootes "zur freien Verfügung" und eineinhalb Liegeplätze. Preis für den halben Steg: 450 000 Euro.

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