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Starnberg:Kostenwelle im Wasserpark

Starnberg: Seebad

Das Strandbad in Starnberg

(Foto: Nila Thiel)

Der Umbau des Seebads war ursprünglich mit 18 Millionen Euro veranschlagt. Doch bisher hat die Stadt schon fast fünf Millionen Euro mehr ausgegeben, und noch immer gibt es offene Rechnungen.

Großer Beliebtheit erfreut sich seit seiner Wiedereröffnung der Starnberger Wasserpark mit Hallenbad, Freibad und Saunahütten - auch wenn die Anlage wegen der Corona-Beschränkungen derzeit noch nicht genutzt werden darf. Doch wie teuer der im Sommer 2018 abgeschlossene Umbau tatsächlich war, ist bis heute ungewiss. Der Stadtrat will die Angelegenheit nun endgültig klären und erhöhte den Kostenrahmen vorsichtshalber auf 24 Millionen Euro - allerdings mit einer wichtigen Einschränkung.

Bislang wurden laut Stadtbaumeister Stephan Weinl 22,9 Millionen Euro ausbezahlt. Doch noch immer gebe es "offene zu erwartende Restzahlungen und Einbehalte sowie offene Forderungen, über deren Höhe noch keine gesicherte Aussage getroffen werden kann", heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung. Ob am Ende die vom Rechnungsprüfungsausschuss empfohlenen und vom Stadtrat beschlossenen 24 Millionen Euro reichen werden, bleibt deshalb fraglich.

Das Prestigeprojekt der Stadt erlebte im Lauf der Jahre seit 2014 eine starke Kostensteigerung: Anfangs war der Umbau auf 18 Millionen Euro geschätzt worden, doch er wurde immer teurer. Im Gremium regte sich am Donnerstag Empörung darüber. Als "planerische Katastrophe" bezeichnete Marc Fiedler (FDP) den Vorgang, Ludwig Jägerhuber (CSU) sah in den angeblich im Lauf der Jahre nur scheibchenweise weitergegebenen Infos der Stadtverwaltung das wahre Desaster und erkannte in dem Projekt ein "Paradebeispiel dafür, wie man es nie wieder machen darf". Franz Sengl (Grüne) äußerte den Wunsch nach einer Aufstellung der Gesamtkosten, damit "man das mal nachweislich überblicken kann", Bürgermeister Patrick Janik sprach von einer "gewissen Risikounschärfe". Und Thomas Beigel (CSU) verwies darauf, dass etwa 900 000 Euro Kosten zur Entsorgung kontaminierten Bodens - ein Altlastenschaden gleich zu Beginn des Projekts - über eine andere Kostenstelle abgerechnet worden seien.

Offensichtlich ist, dass eine bislang unbekannte Zahl an Sonderwünschen und Extras für den Wasserpark ohne Kenntnis des Stadtrates geordert wurden. Mehrheitlich votierte das Gremium deshalb dafür, "im Innenverhältnis die Mehrkosten, die einer Genehmigung durch den Stadtrat bedurft hätten", nicht zu genehmigen. Im Klartext: Es wird geprüft, wer im Einzelfall verantwortlich und gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen ist. Gegen diesen Beschluss votierten einzig die Vertreter von WPS und BMS. Die ehemalige Bürgermeisterin Eva John äußerte sich nicht.

Die gravierendste Kostensteigerung ergab sich für die Erneuerung von 30 Metern der insgesamt 100 Meter langen maroden Ufermauer im Freigelände, die bislang ebenfalls noch nicht abgerechnet ist: Planer und Architekten hatten 2017 zunächst Kosten in Höhe von rund 180 000 Euro veranschlagt. 2018 stieg die Summe auf 231 000 Euro, 2019 auf 277 000 Euro. Ausgezahlt wurden bislang 332 683 Euro, doch die ausführende Firma verlangt noch mehr. Grund dafür waren erhebliche Schwierigkeiten bei der Gründung des Bauwerks am Seeufer, die von den Planern aber trotz eindringlicher Warnungen und Zweifeln aus den Reihen des Stadtrats ignoriert worden waren. Stadtbaumeister Weinl räumte ein: "Da sind durchaus einige Fehler aufgetreten." Die Kosten für die Mauer begrenzte der Stadtrat nun vorerst auf 340 000 Euro - ein Meter würde demnach rund 11 300 Euro kosten.

Eine juristische Auseinandersetzung mit der Baufirma wird nicht ausgeschlossen, doch auch gegenüber den Planern sollen Schadenersatzansprüche geprüft werden. Fraglich ist zudem, ob die Erhöhung des Kostenrahmens ohne Kenntnis des Stadtrates rechtmäßig war. Vize-Bürgermeisterin Angelika Kammerl bezeichnete den Vorgang als "Ungeheuerlichkeit".

© SZ vom 30.05.2020

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