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Starnberger See:Die Heimatliebe eines Zugezogenen

Das Kloster, hier beim Traditionswettbewerb 2019, hat es Manfried Fischer besonders angetan.

(Foto: Arlet Ulfers)

Manfried Fischer hat als selbst ernannter Ortschronist eine Hommage zum 900. Jubiläum Bernrieds geschrieben - und verrät dabei auch Persönliches.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Einmal im Jahr lädt der Bernrieder Freundeskreis des Buchheimmuseums Fantasie seine Mitglieder zu einer abendlichen Schifffahrt über den Starnberger See ein. Zunächst dachte Manfried Fischer, er könne bei dieser Gelegenheit etwas über Bernried und seine Geschichte erzählen. Denn der 85-jährige "Neubürger", der erst 15 Jahre in Bernried lebt, bringt sich gerne ins Dorfgeschehen ein. Doch dann kam ihm die Idee, die Schifffahrt in der Abenddämmerung als Einstieg für ein neues Buch zu nutzen. Herausgekommen ist eine Mischung aus 900 Jahren Dorfgeschichte sowie eigenen Gedanken und Empfindungen. Fischer nennt diese Mischung "Liebesgeschichte eines älteren Herren zu einer ewig junggebliebenen Dorfschönheit des bayerischen Pfaffenwinkels" und mit der Schifffahrt des Museums-Freundeskreises beginnt das knapp 150 Seiten umfassende Werk mit dem Titel "Bernried und seine glücklichen Umstände - eine Hommage zum 900. Jubiläum".

Manfried Fischer und sein Heimatbuch

Der 85-Jährige schrieb Bernried eine Liebeserklärung.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Erst mit 71 Jahren zogen Fischer und seine inzwischen verstorbene Frau von München nach Bernried. Das Dorf kannte er schon lange, weil er seit den Siebziger Jahren sein Segelboot am Marina-Yachthafen stehen hatte und auch sein Sohn in Bernried lebte. Lieben gelernt hatte er das Dorf aber erst, seit er selbst hier wohnt. "Es hat mich so angesprochen, weil ich im Dorf spürte, dass die Leute noch ein Lächeln im Gesicht haben", sagt Fischer. Seither ist er bei jedem Jubiläum, bei jeder Feier oder Veranstaltung mit seiner Filmkamera dabei und guckt in leicht gebückter Haltung durch die Linse. Inzwischen sind schon 22 Filme zusammengekommen. Jeden neuen Film gibt der "selbst ernannte Dorfchronist" , wie er sich selbst bezeichnet, im Rathaus ab, damit kein Wissen verloren geht. Auch zehn Bücher hat Fischer in den vergangenen 15 Jahren geschrieben. Zwar habe er bereits während seiner Berufstätigkeit Reden schreiben müssen, sagt er. Doch für einen Schriftsteller hält er sich nicht. Es seien Aufzeichnungen, Gedanken und Empfindungen für die Nachwelt, wie etwa bei seinem letzten Buch, das er zu seinem 80. Geburtstag über das Thema Freude geschrieben. Zum 900-jährigen Bestehen wollte er nun ein Buch über das schönste Dorf Deutschlands schreiben. Weil es aber schon genügend Reiseführer gibt und er nicht Wissen verbreiten wollte, das schon in vielen Fremdenführern steht, sollte es etwas rundum Positives werden. Und die Liebe zur Heimat gehört seiner Meinung nach zu den wertvollsten Gütern auf dem Planeten. Daher ließ er sich auch nicht davon beeinflussen, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten wegen der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben worden sind. Im Gegenteil: "Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist in dieser Zeit etwas Positives zu haben." Gerade die Corona-Krise hält er für den richtigen Zeitpunkt, da die Leute etwas brauchen, das sie aufrichtet.

In seinem Buch berichtet Fischer über die Geschichte Bernrieds und des Klosters, über die "Liab woanad Frau", eine Madonnenfigur, die angeblich in der Bernrieder Bucht angeschwemmt wurde oder über Wilhelmina Busch-Woods, die Dollarkönigin aus Louisiana, die das Schloss Höhenried gebaut hatte. Weil er aber die Neigung habe sein Leben "zu bespiegeln", kommt er immer wieder auf Begebenheiten aus seinem Leben zurück. Er beschreibt seinen Umzug nach Bernried und wie er dort sein Glück fand oder macht sich philosophische Gedanken zum Humanismus. Er habe seine eigene Lebensgeschichte mit der Geschichte des Dorfes verwoben. "Das wollte ich gerne hinterlassen, das ist der Grund, warum ich überhaupt schreibe", sagt der 85-Jährige, der sich noch lange nicht zur Ruhe setzen will. Er wolle seine Themen noch vertiefen und ausbauen, kündigt er an.

© SZ vom 12.06.2020
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