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Aktion:Der Kunstschatz im Starnberger See

Starnberg: Kunstaktion ' Ins Wasser gefallen '

Ganz nach dem Motto: "Ins Wasser gefallen".

(Foto: Nila Thiel)

Kulturschaffende werben für ihre Werke, indem sie diese versenken. Denn ihre Aufträge sind auch ins Wasser gefallen.

Von Katja Sebald

Kunst sichtbar machen, indem man sie im See versenkt: Das ist, zweimal um die Ecke gedacht, die Idee, die hinter dem Projekt "Ins Wasser gefallen" steht. Zwanzig Kunstwerke und Kulturangebote wurden in eine große Kiste gepackt und mit viel Aufwand, Spektakel und Politprominenz vor der Starnberger Seepromenade zu Wasser gelassen. Wenn die "Kunstschatzkiste" in einer Woche wieder gehoben wird, dann soll ihr Inhalt bereits verkauft sein - so die Hoffnung der Initiatoren.

Starnberg: Kunstaktion ' Ins Wasser gefallen '

Von links: die Designerin Gesine Dorschner, Regionalmanagerin Daniela Tewes von der GWT und Petra Brüderl vom Kulturamt.

(Foto: Nila Thiel)

Entstanden ist diese Idee eines Nachmittags im Juni an der Starnberger Seepromenade, als sich Petra Brüderl vom städtischen Kulturamt und Daniela Tewes vom Regionalmanagement der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Tourismus (GWT) zusammen mit der Designerin Gesine Dorschner über die Möglichkeiten einer Ausstellung austauschten - schließlich waren wegen der Corona-Pandemie über Monate alle Kulturveranstaltungen "ins Wasser gefallen". Und auf einmal hing die Redewendung in der Luft und wurde so lange hin und her gespielt, bis ein fertiges Konzept für ein Kunstprojekt entstanden war.

Starnberg: Kunstaktion ' Ins Wasser gefallen '

Die Aktion soll Künstler in der Corona-Krise zu unterstützen.

(Foto: Nila Thiel)

Er sei anfangs nicht besonders begeistert gewesen, bekannte GWT-Chef Christoph Winkelkötter bei der Aktion am Mittwochvormittag, aber er habe sich überzeugen lassen. Es sei schließlich wichtig, die Kreativwirtschaft als wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region zu fördern: "Für viele Kreative sind nicht nur Veranstaltungen, sondern auch Aufträge ins Wasser gefallen."

Gesine Dorschner, die das Konzept grafisch umsetzte und eine Boje mit pinkfarbener Kulturflagge als Erkennungszeichen entwarf, erläuterte: "Künstler wollen mit ihrer Arbeit möglichst viele Menschen erreichen, aber was auch immer man sich ausdenkt, es geht nur mit beschränkter Personenzahl." Jetzt dient die spektakuläre Versenkung als Werbegag für den eigentlichen Verkauf, der im Lauf der kommenden Woche im Internet stattfinden soll. Die Käufer der zwanzig Kunstpakete dürfen dabei sein, wenn die Kiste am nächsten Mittwoch wieder gehoben wird. Bis dahin, so hofft Daniela Tewes, wird die Boje mit der pinkfarbenen Flagge "der neue Selfie-Hotspot in Starnberg". Und Petra Brüderl legte nach: "Ganz wichtig, unbedingt in den sozialen Medien teilen, damit möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren."

Zum Verkauf stehen klassische Kunstobjekte wie die kleine Bronzefigur "Taucher" von Annette Girke, zwei Fine-Art-Prints der Herrschinger Künstlerin Monika Roll oder ein handsignierter Kunstdruck und ein Postkartenset der Illustratorin Anna Schäfer. Zu kaufen gibt es auch ein buntes Kaftankleid von Stefanie Pietsch, ein Porträt-Fotoshooting mit der Regisseurin Felicitas Darschin, einen Gutschein für den Workshop "Privates Badevergnügen" mit der Künstlerin Rosemarie Zacher, einen Atelierbesuch bei dem Cartoonisten Peter Gaymann, ein Privatkonzert mit Jakob Mühleisen, mit Julia von Miller und Dieter Holesch oder mit Stefan Komarek und Viktor Makhnovich von der Musikschule Starnberg, ein Fanpaket und einen Konzertgutschein von Jamaram, ein Album und einen Konzertgutschein von Feta Records, zwei VIP-Pässe für das Filmfestival, eine Lesung mit der Kinder- und Jugendbuchautorin Anja Janotta, eine Führung auf der Roseninsel mit Claudia Wagner, eine Taschenlampenlesung für Kinder in der Stadtbücherei, eine DVD und ein "Meet & Greet" mit den Schülern der Schauspielschule Schwarz, Eintrittskarten für eine Theateraufführung, einen Märchen-Nachmittag für Kinder mit der Schauspielerin Carola Bambas und eine Exklusivführung zur Starnberger Heiligen von Ignaz Günther im Museum Starnberger See. Die Preise liegen zwischen 20 und 500 Euro.

Starnberg: Kunstaktion ' Ins Wasser gefallen '

Eine Kiste mit 20 Werken wurde vom schwimmenden Taucherausbildungszentrum der Bundeswehr im Starnberger See versenkt - wo genau, zeigt eine Boje.

(Foto: Nila Thiel)

Zu sehen war von diesen Kunstschätzen bei der feierlichen Versenkung freilich nichts: Sie alle befanden sich in einer Stahlkiste, die von einer Metallbaufirma für das Projekt eigens hergestellt, graviert und schließlich verschweißt wurde. Fachgerecht zu Wasser gelassen und am Seegrund befestigt wurde die Kiste vom Floß des Taucherausbildunsgzentrums der Bundeswehr in Percha. "Das wirklich Spannende findet jetzt unter Wasser statt", musste denn auch Daniela Tewes feststellen. Der Verkauf aber findet gut sichtbar über die Website www.ins-wasser-gefallen.de statt.

© SZ vom 30.07.2020

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