Ausstellung:Von Steppenschafen und Monstern

Lesezeit: 2 min

Der Landkreis Starnberg fördert auch im Jahr 2024 wieder kulturelle Veranstaltungen. Ob auch das "Steppenschaf" - hier in einer Ausstellung im Berger Marstall - gefördert wurde, ist unbekannt. (Foto: Nila Thiel)

Der Berger Kulturverein zeigt an diesem Wochenende die neue Ausstellung "un-vor-her-seh-bar" mit spannenden Exponaten.

Von Katja Sebald, Berg

Der nackte "Weltenretter", Kind und Greis zugleich, eilt mit seinem kleinen Rollwägelchen über die Erdkugel, die sich immer schneller und schneller in Richtung Katastrophe dreht. Wird er es schaffen, das Unheil abzuwenden? Wird ihm die jubelnde Menge vom Bildrand aus beistehen? Oder muss ihm die an einer riesigen grünen Wolke schaukelnde Artistin im letzten Augenblick mit einem verwegenen Sprung zu Hilfe kommen? "In Zeiten, in denen wir immer wieder mit unvorhergesehenen Ereignissen konfrontiert werden, machen wir dies zum Thema unserer diesjährigen Jahresausstellung", schreiben die Mitglieder des Berger Kulturvereins. Das wundersam rotleuchtende Hinterglasbild der Malerin Juschi Bannaski trifft nicht nur das Motto "un-vor-her-seh-bar" perfekt, es ist auch ein echter Hingucker in der Ausstellung, die am Freitagabend, 18. November, im Berger Marstall eröffnet wird.

Sanna Myrttinen und der Leuchtkasten "The light in us" . (Foto: Nila Thiel)

Ansonsten aber geht vieles in der überbordenden Fülle der Exponate unter. Während andere Künstlervereinigungen in der Region mit Überalterung und Mitgliederschwund zu kämpfen haben, konnte sich der Kulturverein Berg im vergangenen Jahr über zahlreiche Neuzugänge freuen. Die Möglichkeit, im Rahmen der Mitgliederausstellung im - jetzt als "Kunsthaus" deklarierten - Berger Marstall auszustellen, sei ein großer Anreiz für Kreative sogar aus München und Weilheim oder aus der Ammersee-Region, berichtet Marlies Beth, die Jahr für Jahr zusammen mit Lucie Plaschka die Hängung organisiert. 53 Vereinsmitglieder haben in diesem Jahr ihre Arbeiten für die Ausstellung eingereicht, fast alle haben am Ende noch einen Platz gefunden.

Lucie Plaschkas "Aufbruch II" (Foto: Nila Thiel)

Schon vor der Vernissage ist es deshalb sehr voll in dem weitläufigen Saal: Dicht an dicht hängen die Bilder an den Wänden, große und kleinere Leinwände treten mit Zeichnungen, Collagen und Fotografien in Konkurrenz. Auch zwei Videoarbeiten sind zu sehen. Auf schlanken weißen Sockeln stehen zahlreiche Skulpturen und Objekte. In einer Ecke türmt sich ein Berg aus gelben Säcken mit Plastikmüll auf. Mitten durch den Raum aber segelt sachte ein fast lebensgroßes Schaf. Die plastischen Arbeiten des Künstlers Shigeyuki Miyagawa bestechen vor allem durch ungewöhnliche Materialien und interessante Oberflächengestaltungen, das gilt auch für das aus einer Art Bauschaum geformte Fell des schwebenden "Steppenschafs". Das Gemälde "Der schwebende Teller" von Andrea Rosenberg, das seinen Titel wohl einem malerischen Missgeschick verdankt, darf hingegen nur hinsichtlich der Preisgestaltung als recht ambitioniert gelten.

Nicht nur die Qualität der Exponate klafft denkbar weit auseinander, auch bei den angewandten Techniken ist die Bandbreite groß. So arbeitet etwa Lucie Plaschka in einem ungewöhnlichen Collageverfahren, für das sie kleine figürliche Zeichnungen ausschneidet und dann so gestaffelt auf einen Untergrund klebt, dass sich eine fast reliefartige Anmutung ergibt. Sanna Myrttinen ließ indigoblaue Tusche über ein Papier fließen und schuf so eine "unvorhersehbare" Landschaft. Der Zeichner Matthias Schilling bannte das Corona-Virus mit flinkem Strich in einem Glas mit Schnappverschluss als "Eingemachtes", während Marlies Beth wieder mit ihren feinsinnigen "Blindzeichnungen" vertreten ist.

Preziosen lassen sich auch in diesem Jahr vor allem unter den kleinformatigen Skulpturen und Assemblagen finden: So zeigt etwa Birte Pröttel eine bezaubernd merkwürdige Muttergottheit aus Keramik, die wahre Heerscharen von winzigen Plastikkinderlein gebiert. Gerdi Herz hat aus Eisenfundstücken eine Art Schattentheater geformt: "Unvorhersehbar" war der Angriff des feuerspeienden Kriegsmonsters auf die Besatzung eines kleinen Nachens, die sich jedoch standhaft zur Wehr setzt. Und ebenso "unvorhersehbar" war wohl die "Eilmeldung" von der "Vereidigung des deutschen Friedenministers", die Isolde Grözinger vor dem Hintergrund einer kriegszerstörten Stadt ins Bild gesetzt hat.

Die Vernissage findet am Freitag, 18. November, um 19 Uhr im Marstall von Schloss Berg, Mühlgasse 7, statt, danach ist die Ausstellung nur an diesem Wochenende, Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr, zu sehen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: