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Corona-Auszeit: Die Kioskbetreiberin:"Ich vermisse meine Gäste"

Für Kioskbetreiberin Luciana Mazzilli ist Gesundheit das Wichtigste, aber sie freut sich schon darauf, Gäste und Freunde wieder umarmen zu dürfen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Luciana Mazzilli vom Kiosk in Aidenried vertreibt sich die Zeit zu Hause mit Kuchen backen. Nun will sie einen Teil ihres schon bestellten Kaffees Rettungskräften spenden.

Vor zwei Jahren war Luciana Mazzilli überglücklich. Damals bekam sie den Zuschlag für den neuen Kiosk am Badegelände in Aidenried. "Ein Stück Italien", schwärmte sie. Zusammen mit ihrem Mann Antonio hatte sie zuvor das "Bistrolino da Luciana" in Pähl betrieben, dem es aber an Laufkundschaft in der Gemeinde mangelte. Deshalb war sie froh, mit dem Kiosk am Ammersee eine neue Chance bekommen zu haben. Ihren Gästen servierte die 48-Jährige, die im Tutzinger Ortsteil Traubing lebt, hausgemachte italienische Speisen und Getränke. Dazu gab es italienische Musik aus dem Radio. Schnell entwickelte sich der kleine Kiosk zum Publikumsmagneten. Doch wegen der Corona-Krise darf Luciana Mazzilli die Saison in ihren Kiosk vorerst nicht beginnen.

SZ: Signora Mazzilli, wie geht es Ihnen?

Luciana Mazzilli: Danke, so weit gut, wir, meine Familie und ich, wir sind gesund. Und zum Glück auch der Teil unserer Familie, der noch in unserer Heimat Sizilien lebt. Auch die sind alle gesund. Aber sie bleiben auch zu Hause und befolgen die Regeln. Mich macht es traurig, wenn ich sehe, dass hier bei uns noch so viele Menschen zum Sonnen am See liegen, wenn das Wetter passt, oder die Regeln nicht befolgen.

Halten Sie sich denn ganz strikt daran?

Ja, schon seit vier Wochen. Für meinen Mann und mich gab es da keine Diskussion. Unsere 24-jährige Tochter hat Diabetes, sie ist also eine Risikopatientin. Als wir das alles dann Anfang März mitbekommen haben, aus Italien, was dort geschieht, waren wir so tief verunsichert, dass wir gesagt haben, wir sperren nicht auf. Da gab es ja die gesetzlichen Vorgaben noch gar nicht. Aber mir war das zu riskant, wegen meiner Tochter, aber auch wegen meiner Gäste. Sehen Sie, wir haben so ein herzliches Verhältnis miteinander, da gibt es immer ein großes Hallo, viele Umarmungen. Es ist schlimm, wenn man sich nicht so nah kommen darf, da wirkt man ja plötzlich so kaltherzig.

Die Gemeinde Pähl ist ja Ihr Verpächter. Wie hat man dort reagiert auf Ihren Entschluss, nicht zu öffnen?

Mit großem Verständnis. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander, wir bekommen alle Unterstützung, die wir brauchen.

Erlässt oder stundet Ihnen die Gemeinde auch die Pacht für Ihren Kiosk?

Danach habe ich bisher nicht gefragt. Ich wollte mich da auch nicht vordrängen, denn ich denke, die Gemeinde muss sich nun um wichtigere Dinge als um einen Kiosk kümmern. Aber natürlich wäre ich froh, wenn man mir finanziell entgegen käme. Im vergangenen Jahr war ja das Wetter nicht so schön, und wir waren uns sicher, dass es heuer, in unserer dritten Saison, richtig gut laufen wird. Dann kam Corona.

Wie gehen Sie jetzt damit um?

Wir haben mit unserem Steuerberater gesprochen, und er wird uns dabei helfen, Soforthilfe zu beantragen und für meinen Mann, der ja bei mir angestellt ist, Kurzarbeit anzumelden. Anders nicht. Es ist schon merkwürdig: Wir haben uns schon überlegt, dass wir in diesem Jahr wohl Aushilfen brauchen werden. Nun wären wir glücklich, wenn wir Anfang, Mitte Mai aufmachen könnten - und wenn das Wetter dann bis in den November hinein einigermaßen mitspielen würde. Denn wenn es rein um die Finanzen ginge, dann hätten wir in diesem Jahr schon im Januar aufsperren müssen. Darum appelliere ich auch an alle, die Regeln einzuhalten - je strikter wir alle das tun, desto früher gibt es auch wieder Lockerungen, glaube ich. Aber wie gesagt: Das Wichtigste ist die Gesundheit.

Wie verbringen Sie denn jetzt den Tag?

Ich habe schon viele Kuchen und Croissants gebacken. Wenn das so weitergeht, bin ich am Ende der Corona-Auszeit 20 Kilo schwerer. Ansonsten gab und gibt es auch immer etwas zu regeln: Da waren zum Beispiel all die Waren, die ich schon für den Saisonstart bestellt habe - und die ich nicht mehr abbestellen konnte. Auch dafür muss man sich was einfallen lassen. Ich versuche, manches über Instagram zu verkaufen und ein paar Kilogramm Kaffee an die Mitarbeiter von Krankenhäusern zu liefern, als Dankeschön für ihre unglaubliche Arbeit, die sie jetzt leisten müssen. Wir überlegen aber auch noch, was wir noch alles machen können. Zum Glück sind die meisten unserer Lieferanten sehr, sehr kulant: Sie gewähren für die Bezahlung Aufschub. Und ich halte Kontakt zu meinen Gästen, über SMS-Nachrichten oder Instagram. So viele haben sich gemeldet, gefragt: "Luciana, wie geht es Dir?" Sie haben sich Sorgen gemacht, weil sie dachten, wir wären den Winter über in Italien gewesen bis jetzt.

Waren Sie das nicht?

Nein, nur im November für zweieinhalb Wochen. Aber es rührt mich zutiefst, dass so viele an uns denken.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn das alles vorüber ist?

Meine Familie, die nicht mit uns lebt, mal wieder persönlich zu sehen, nicht nur auf Bildern im Handy oder auf Skype. Sie alle umarmen zu dürfen. Das ist schwer für mich, das nicht zu können. Und ich freue mich riesig, meine Stammgäste wiederzusehen. Sie sind Freunde geworden - und ich vermisse sie.

Vielen Dank - und bleiben Sie gesund.

© SZ vom 02.04.2020

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