Starnberger Bankchef Kunden verschenken Geld

Der Direktor der Commerzbank empfiehlt, anzulegen statt zu sparen

Von otto FritschER, Starnberg

Es gibt nicht viele Bankchefs, die so offen über das Verhalten von Kunden reden wie Roland Schelonke, Direktor der Commerzbank in Starnberg. "Nachdenklich", sagt Schelonke, mache ihn das "Anlageverhalten der Starnberger". Denn "bei der Geldanlage verschenken viele Menschen weiterhin Geld", betont der Banker. "Sie wissen zwar, dass sie investieren sollten, tun es aber oft nicht." Und dann belegt Schelonke seine These mit Zahlen: Mehr als 37 Millionen Euro liegen nach seinen Angaben allein bei der Commerzbank Starnberg unverzinst auf Giro-, Spar- oder Termineinlagen. "Das tut schon weh anzusehen, wenn man weiß, dass die Inflation von zwei Prozent ganz unbemerkt das Angesparte anknabbert", erklärt Schelonke. Sein Rat: "Wer sein Vermögen erhalten will, muss daher anlegen - nicht sparen." Das Commerzbank-Team in Starnberg zeige gerne Möglichkeiten auf.

Mit dem Geschäftsverlauf des Jahres 2018 zeigt sich Schelonke indes zufrieden. Sowohl die Anzahl der Kunden als auch das Kreditvolumen konnten gesteigert werden. Im Privatkundengeschäft wuchs die Zahl der Kunden auf nun insgesamt etwa 4400. Schelonke ist für die "Marktregion", wie es im Banker-Deutsch heißt, Starnberg, Weilheim und Geretsried verantwortlich. Das Kreditgeschäft habe das niedrige Zinsniveau und die gute wirtschaftliche Lage im Landkreis Starnberg angekurbelt, so Schelonke. Die drei Spezialisten des hauseigenen Immobiliencenters haben im vergangenen Jahr Immobilienkredite für Eigenheime mit einem Volumen von mehr als 30 Millionen Euro vergeben. Der Bestand an Immobilienkrediten ist bei der Commerzbank Starnberg damit auf rund 148 Millionen Euro gewachsen, ein Plus von 5,8 Prozent.

Natürlich gibt es in Starnberg auch eine wohlhabende Klientel, weshalb hier im Fünfseenland die Bankdichte besonders hoch ist. Auch die Kommerzbank will ein Stück von diesem Kuchen haben - und dabei scheint sie recht erfolgreich zu sein. "Wir haben das Geschäft mit vermögenden Privatkunden dank des am Ort ansässigen Private-Wealth-Teams ausbauen können", sagt Schelonke. So sei die Kreditvergabe um 27 Prozent - oder in Zahlen: um 25 Millionen Euro - ausgeweitet worden, berichtet Daniel-Andre Kramer, der in Starnberg für das Private-Wealth-Management-Team zuständig ist. Die Gruppe, die sich um besonders vermögende Kunden kümmert, wurde im Jahr 2015 installiert.

Die Starnberger Commerzbank-Filiale am Bahnhofplatz bleibe bestehen, versichert der Direktor. Sie beschäftigt 16 Mitarbeiter, davon zwei Azubis. Bis zum 1. August dieses Jahres werden noch Bewerbungen für Ausbildungsplätze angenommen.