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Starnberg:Zur Nachahmung empfohlen

Energiepreisverleihung

Die Sieger: Jan Haas und Bürgermeister Manfred Walter aus Gilching (3. Platz), Thomas Roggenkamp (2. Platz) und Monika und Joachim Siebenwirth aus Berg (1. Platz) mit dem stellvertretenden Landrat Georg Scheitz sowie Herbert Schwarz und Josefine Anderer-Hirt (von links).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Landkreis zeichnet Projekte aus, die auf regenerative Energien setzen. Dazu gehört ein Wasserkraftwerk am Lüßbach ebenso wie das neue Gilchinger Rathaus

Der Kampf gegen die Klimaerwärmung müsse oberste Priorität haben, fordert Vize-Landrat Georg Scheitz bei der Verleihung des achten Energiepreises im Landratsamt. 2016 sei das weltweit wärmste Jahr, "das dritte Jahr in Folge". Eine radikale und schnelle Trendwende sei dringend nötig. "Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass es stetig wärmer wird." Darum gebe es den Energiepreis, betont er. Die Auszeichnung solle auf positive Beispiele aufmerksam machen und zur Nachahmung anregen.

Genau darauf zielt auch die Aussage des ersten Preisträgers, des Mediziners Joachim Siebenwirth aus Berg. Er wurde für sein Kleinwasserkraftwerk Martinsholzen ausgezeichnet. "Als wir am 20. Juni im Turbinenhaus standen und meine Frau erstmals den Schalter umlegte, konnten wir beobachten, wie sich die Scheibe des alten Stromzählers immer langsamer drehte, dann plötzlich stehen blieb und schließlich rückwärts lief." Durch die Reaktivierung der 1975 stillgelegten Turbine im Lüßbach und den Umbau zur ökologisch verträglichen Wasserkraftnutzung können neben dem eigenen Hof noch 22 weitere Haushalte mit Strom versorgt werden. Als innovative wartungsarme Technik, die auch bei Niedrigwasser funktioniere, bezeichnete Energie- und Umweltberater Herbert Schwarz das Projekt.

Den zweiten Preis erhielt Thomas Roggenkamp der Firma "Trane Klima- und Kältetechnik" für das energiesparende Gebäudekonzept im Kraillinger Gewerbegebiet KIM. Das Gebäude wird vollständig durch erneuerbare Energien - Fotovoltaik, Grundwasser-Wärmepumpe und Ökostrom - versorgt. Durch eine innovative Technologie und Batteriespeicherung sowie durch die Kompensation der betrieblichen Kohlendioxid-Emissionen nehme die Firma eine Vorreiterrolle unter den Gewerbebetrieben ein. Auch an die E-Mobilität und Ladestationen sei gedacht worden, das Elektroauto sei schon bestellt, lobte Schwarz.

Dritter im Bunde der Ausgezeichneten ist der Gilchinger Bürgermeister Manfred Walter - und zwar wegen seines neuen Rathauses, das ein Nullenergiegebäude mit Passivhaus-Standard ist. Auch hier werden Fotovoltaik, Wärmepumpe und Ökostrom genutzt, zudem gibt es sechs öffentliche Ladesäulen für E-Autos. "Wir brauchten viel Durchhaltevermögen", sagte Walter bei der Entgegennahme der Urkunde.

Bis zum 31. Oktober vergangenen Jahres waren zehn Bewerbungen für den Energiepreis eingegangen. Die Jury entschied sich für weitere vier Finalisten, die jeweils eine Urkunde bekamen. Für die erste private, öffentlich genutzte Ladestation für E-Mobile im Landkreis hat der Weßlinger Musiker und Musiklehrer Erik Berthold eine Anerkennung erhalten. Das Stromtanken ist kostenlos und für alle. Ausgezeichnet wurde auch Andreas Wiedmann aus Inning für die autarke Stromversorgung für Haus und Elektroauto. Fotovoltaik, Wärmepumpe und Batteriespeicher im Keller ermöglichen 70 Prozent Eigenversorgung. Hoch gelobt wurde auch Yvette Michelfelder aus Gauting, die 2012 zwischen Würm und Münchener Straße ein achteckiges Passivhaus in Holzbauweise gebaut hat. Das Haus aus unbehandelter sibirischer Lärche mit einer Wohnfläche von 220 Quadratmetern hat durch Fotovoltaik, Solarthermie und Wärmerückgewinnung einen vorbildlichen Energiestand. Und weil Alfons Rauscher aus Gilching, Energiepreisträger 2009, weiter am Stromsparen arbeitet und als "CO2-Jäger" Nachbarn und Freunde dafür gewinnt, bekam auch er eine Urkunde.