"Mann, ist das super." Die sechsjährige Anne ist ziemlich angetan von diesem Ferientag. Sie steht am Schlepplift in Leutstetten, und es ist gefühlt schon ihre zwanzigste Fahrt heute. Gemeinsam mit vielen großen und kleinen Skifahrern und Rodlern bevölkert sie den Hang. Der Schnee staubt. "Aus der Bahn", ruft hinter ihr ein älterer Bub mit einen ziemlich schnellen Schlitten. Es gibt nicht mehr viele Schlepplifte - im Fünfseenland nur noch in Leutstetten und am Kreuzmöslberg in Berg. Wintersport vor der Haustür.

Und auch Cilli Schmid und ihr Mann Martin haben schon ans Aufhören gedacht. "2008 war gar kein Schnee und 2009 kaum. Da haben wir nur draufgezahlt", erzählt die 70-Jährige. Heuer aber läuft es bestens - bis jetzt zumindest. Schon seit zwei Wochen rattert ihr Lift auf den Kreuzmöslberg. Manchmal ist so viel Betrieb, dass sie gleich zwei Einfädelspuren öffnet, damit die Kinder schneller wieder nach oben kommen.
Über das Thema Rentabilität kann auch Dieter Schlederer abendfüllend referieren. Er betreibt Lifte in Leutstetten und in Landsberied im Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Schnee wird weniger, die gesetzlichen Auflagen aber werden mehr. So ungefähr lässt sich die Situation aus seiner Sicht zusammenfassen. Jetzt hat Schlederer für beide Lifte sogar neue Metallzugseile kaufen müssen, der TÜV wollte es so. Nicht, dass die alten marode gewesen wären, "das sind eben die Auflagen der Regierung", die ihn ärgern. Denn die Vorschrift geht richtig ins Geld: Ein Meter Seil kostet 2,50 Euro, und 1000 Meter braucht er für beide Lift. "Der ganze Verdienst der letzten Saison ist draufgegangen", sagt der 71-Jährige.
In diesem Winter hofft er auf bessere Geschäfte. "Bis jetzt läuft's gut", sagt er mit Blick auf die Schlange, die sich schon wieder vor seinem Lifthäuschen bildet. 37 Fahrten kosten zehn Euro, den Tagespass gibt's wochentags für acht Euro. Dass es ihm eigentlich nicht ums Geld geht, hat Schlederer in den 41 Jahren, in denen er den Lift nun betreibt, schon mehrfach bewiesen. "Es macht mir einfach Spaß", stellt er fest. Schon weil die Atmosphäre etwas Familiäres hat. Viele Skifahrer-Familien kennt er schon in der dritten Generation - und das sind beileibe nicht nur Leute aus der Gegend. An den Kennzeichen der Autos auf dem Parkplatz lässt sich ablesen, dass die Besucher an schönen Wintertagen auch aus den Nachbarlandkreisen und aus München anreisen. "Für uns ist das ideal", erklärt Christine Kuhlmann. Die Neuriederin ist mit ihrer achtjährigen Tochter Pia nach Leutstetten gekommen. Denn hier kann das Töchterchen all das üben, "was sie im Skikurs gelernt hat".
Bei Cilli Schmid bullert unterdessen der Ofen im Lifthäuschen. Während es drinnen mollig warm ist, wächst draußen die Schlange. Jetzt muss auch Enkeltochter Tatjana ran, die Neunjährige hilft beim Abknipsen der Punktekarten. Ihr Zwillingsbruder David verkauft derweil die Liftkarten. Er erledigt diese Aufgabe, als hätte er nie etwas anderes getan. "Wir sind eben ein Familienbetrieb", sagt Schmid. Und jetzt müssen alle ran, weil ihr Mann ausfällt: Er ist gestürzt und hat sich den Oberschenkel gebrochen.
Ein paar Jahre wollen die Schmids ihren Skibetrieb in Berg noch weitermachen - "so lang es eben geht" - und die Nachfolge ist auch schon geregelt. Der Sohn übernimmt das Ganze, er hat in diesem Jahr bereits einen Kiosk angebaut, an dem es Glühwein und Kinderpunsch gibt. Und selbst für Enkel David steht schon fest: "Das ist mal mein Lift."