Wer in Starnberg auf der Suche nach einem ebenso exklusiven wie lauschigen Plätzchen über den Dächern der Stadt war, fand es bislang auf dem Dach der Großen Schlossberghalle. Insbesondere junge Menschen schätzten die Abgeschiedenheit dieses entrückten Ortes unterhalb des Schlossbergs. Quasi ein „secret place“, der rund um die Uhr geöffnet war: Hier wurden kleine Partys zelebriert, Liebesversprechungen gemacht, Bierchen getrunken und wohl auch Joints geraucht. Damit ist es nun vorbei: Die Stadtverwaltung lässt den Zugang sperren und stellt Verbotsschilder auf, weil es immer wieder Fälle von Vandalismus gegeben haben soll.
Die Liste der Vorfälle ist lang: „In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu gefährlichen Sachbeschädigungen“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Starnberger Rathaus. Die Delikte reichen von Graffiti-Schmierereien über herausgerissene und vom Dach geworfene Roste der Dachablauf-Gullys, mutwillig verstopfte Entwässerungsleitungen bis hin zu Brandstiftung in Dachabläufen mit brennbaren Flüssigkeiten. Besonders besorgniserregend: Steinwürfe mit faustgroßen Steinen auf den darunter liegenden Vorplatz, die eine unmittelbare Gefahr für Passanten darstellen. Auch die Lauffläche des derzeit bereits gesperrten Feodor-Lynen-Steigs wurde beschädigt. Die Stadtverwaltung schätzt den Schaden mittlerweile auf 10 000 bis 15 000 Euro.
Die Verwaltung im Rathaus sah sich aufgrund dieser „Serie schwerwiegender Vandalismus-Fälle und -Schäden gezwungen, das begehbare Dach der Schlossberghalle von sofort an für die Öffentlichkeit zu sperren“. Zusätzlich soll künftig ein privater Sicherheitsdienst den Bereich sowohl tagsüber als auch nachts mit Kontrollgängen überwachen. Mittlerweile erstattete die Stadt Anzeige gegen Unbekannt wegen der Sachbeschädigungen, die Polizeiinspektion Starnberg hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Schlossberghalle, Mitte der Neunzigerjahre erbaut als Anbau ans bestehende Rathaus, ist der zentrale Veranstaltungsort der Kreisstadt. Auf dem Dach des großen Saales stehen Metallbänke, lange galt der Ort vor allem unter Jüngeren als Geheimtipp. Dank sozialer Medien, etwa Instagram oder Tiktok, wurde das Refugium aber immer bekannter und lockte seither zunehmend auch auswärtiges Publikum an, das sich nicht immer angemessen benahm.
Die Folgen sind unübersehbar: Unzählige Zigarettenkippen und Glasscherben finden sich auf dem begrünten Flachdach, Fliesen an der Fassade sind eingetreten, teilweise fehlen Steine im Bodenbelag, Fußballfans haben Aufkleber ihres Lieblingsclubs hinterlassen, Sprayer den Rand des Wellendaches verziert. In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Sachbeschädigungen auffallend gehäuft, betont eine Sprecherin des Rathauses, insbesondere in den letzten sechs Monaten.

Tatsächlich ist die Sperrung allerdings nur der erste Teil eines weitaus größeren Vorhabens: Das Dach über dem Saal ist undicht und muss demnächst aufwendig repariert werden. Kostenpunkt: knapp 2,9 Millionen Euro. Zudem muss auch die völlig marode Schlossbergmauer saniert werden. Spätestens dann wird das gesamte Baustellenareal im rückwärtigen Bereich der Schlossberghalle ohnehin vollständig gesperrt sein.

