Starnberg Wundersames Verwirrspiel

Wer ist eigentlich Schauspieler, wer gehört zum Publikum? Und was ist inszeniert, was nicht? Die Theatergruppe Tragaudion verwirrt und begeistert.

(Foto: trey)

Von Musikern geleitet erleben die Zuschauer im Starnberger Schlossgarten "Viel Lärm um nichts" fast wie zufällig

Von Katja Sebald, Starnberg

Es war ein ganz und gar bezauberndes Verschmelzen von Zeit und Ort, von Fiktion und Wirklichkeit, von Zufall und Inszenierung: Die Theatergruppe "Tragaudion" spielt in diesem Sommer "Viel Lärm um nichts" und hatte am Samstag zu einer kleinen Vorpremiere in den Starnberger Schlossgarten gebeten. Man wandelte in der Abendsonne, genoss die kühlen Getränke und den Duft der Rosen. Jemand hatte eine Gitarre in Hand, ein Grüppchen hatte sich zum Picknick auf der Wiese niedergelassen. Aber wer von den sommerlich gekleideten Flaneuren gehörte nun eigentlich zum Publikum und wer zu den Akteuren? Fast so, als wäre auch das ein spontaner Einfall, spielte man mal hier im Schatten und mal dort am plätschernden Wasserbecken einige Szenen von Shakespeare an, mit leichter Hand von Schwulst befreit, noch nachlässig kostümiert, gleichsam als öffentliche Probe. Aber was war geplant und was geschah einfach so? Das schrullige Pärchen, das mitten unter den Schauspielern auf einer Gartenbank saß, und die Dame mit Hut, die leise zur Musik summte - gehörten die auch zum Stück?

Der nach italienischem Vorbild angelegte Renaissancegarten des Starnberger Schlosses, einst sommerlicher Schauplatz höfischer Lustbarkeiten, und Shakespeares wundersames Verwirrspiel um die Liebe sind etwa zur gleichen Zeit entstanden. Man könnte sich keine passendere Bühne für das aristokratische Intrigenstück vorstellen. Ein mehr als kluger Einfall ist es überdies, die Komödie mit ihren kompliziert verschlungenen Kontrast- und Parallelhandlungen, den konspirativen Treffen, den Täuschungsmanövern und den Belauschungsszenen als Stationentheater anzulegen. Von Musikanten geleitet ziehen die Zuschauer durch den Garten, stehen mal diesseits und mal jenseits der Hecken und werden, so scheint es, zu zufälligen Zeugen dessen, was eigentlich im Verborgenen geschieht.

Auch für "Tragaudion" ist der Schlossgarten ein ganz besonderer Ort: Mit einer Open-Air-Aufführung von Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" im Schlossgarten begann 1993 die Erfolgsgeschichte des Ensembles, das aus einer Theatergruppe am Starnberger Gymnasium hervorging. Rund zwei Jahrzehnte später kann "Tragaudion" auf zahlreiche Inszenierungen von Klassikern und Gegenwartsdramen, Lesungen, Musiktheatern und immerhin drei Uraufführungen an verschiedensten Spielorten zurückblicken. Schauspieler, Regisseure, Musiker, bildende Künstler, Autoren, Dramaturgen und Filmemacher sind aus den Theater begeisterten Schülern hervorgegangen, andere sind nach wie vor aus purer Leidenschaft neben ihrem Beruf dabei oder erst im Lauf der Jahre dazugekommen. Rund 25 Mitwirkende sind vor und hinter den Kulissen an dem Shakespeare-Stück "Viel Lärm um nichts" unter der Regie von Tobias Malangré beteiligt, das nach der umjubelten Inszenierung von "Einer flog übers Kuckucksnest" bereits das zweite Projekt in diesem Jahr ist.

"Viel Lärm um nichts" im Starnberger Schlossgarten findet vom 17. bis 19. Juli, vom 23. bis 26. Juli und vom 30. Juli bis 1. August jeweils um 20.30 Uhr statt. Karten zu 15 Euro unter info@tragaudion.de.