Das Wirtshaus Obermühlthal war ein beliebtes Ausflugslokal in der Region mit Biergarten und Jazzkonzerten in idyllischer Lage bei Starnberg. Doch nach einigen Pächterwechseln und der Schließung der nahen S-Bahnstation Mühlthal vor 21 Jahren ging es stetig abwärts. Jetzt steht der um 1890 erbaute Gasthof bereits seit 15 Jahren leer und droht zu verwittern.
Das Gebäude und das 9500 Quadratmeter große Areal hatte in einem langwierigen Bieterverfahren ein Kraillinger Unternehmer und Jurist im Sommer 2022 vom Würmtal-Zweckverband (WZB) erworben – angeblich für rund 2,5 Millionen Euro. Doch nur ein knappes Jahr später entschied sich der neue Eigentümer, der für das Projekt eigens die „Mühltal 130 Immobilien GmbH“ mit Sitz in Gräfelfing gegründet hatte, den früheren Gasthof weiterzuverkaufen.
Ein Makler für exklusive Immobilien bot das historische Anwesen seinerzeit als „magischen Ort mit enormem Entwicklungspotenzial“ an – zu einem Verkaufspreis zwischen 2,8 und 3,8 Millionen Euro. Es meldeten sich daraufhin fast hundert Interessenten, die teilweise zu Besichtigungen eingeladen wurden, darunter auch Event-Gastronomen aus München.
Hierbei sind verschiedene Nutzungskonzepte erörtert worden, zum Beispiel das Gebäude auch als Workspace oder Atelier sowie kulturellen Standort oder Seminarzentrum zu nutzen. Allerdings ist das Haus renovierungsbedürftig und unterliegt baurechtlichen Vorgaben, auch wenn es nicht denkmalgeschützt ist. Trotz einiger Bemühungen gelang es nicht, das Objekt zu verkaufen. Was wohl auch am Preis lag.
Nun aber versucht seit einigen Wochen ein anderes Maklerbüro, ansässig in Bad Wörishofen, das Anwesen zu veräußern. Angeboten wird das ehemalige Wirtshaus für 3,9 Millionen Euro. Es hätten online schon 175 Personen angefragt, auch welche aus dem Ausland. Dazu zählten Investoren, Gastronomen und große Kanzleien, berichtet Makler Andreas Waak auf Anfrage.

Das Gebäude habe sechs Schlafzimmer und eine Wohnfläche von etwa 440 Quadratmetern. Zudem würden sich auf dem Grundstück Wasserquellen befinden, was eine „autarke Versorgung“ möglich mache, erläutert Waak. Der Küchenbereich sei noch in Ordnung, allerdings müssten wohl noch 500 000 bis 700 000 Euro für die Renovierung des Gebäudes eingeplant werden. Wie viel dafür noch investiert werden müsse, hänge davon ab, ob das Anwesen gewerblich oder privat genutzt werde, so der Makler.
Das Gebot und das Nutzungskonzept des Kraillinger Investors hatte vor drei Jahren den Würmtal-Zweckverband überzeugt, weshalb er im Bieterwettbewerb schließlich den Zuschlag erhielt. Er sei sehr froh, das „wunderschöne Objekt“ erworben zu haben, erklärte der Unternehmer damals. Der Plan sei gewesen, mit seiner neu gegründeten Firma Bionsect in das Gebäude im oberen Mühltal einzuziehen, um dort auch Schulungen anzubieten.
Doch die Kapazität habe nicht dafür ausgereicht. Die Firma startete stattdessen mit ihm als Geschäftsführer unter dem Namen Bionsect Circular Inseconomy GmbH als Start-up in Sternberg (Mecklenburg-Vorpommern), mit dem Ziel, zirkulär und innovativ mit massenhafter Insektenverwertung nachhaltig unter anderem hochwertigen organischen Dünger herzustellen.
Der Betrieb des Eigentümers ist in Schieflage geraten
Nun aber soll der kleine Betrieb im Norden in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sein, was der Hamburger Fachanwalt Remo Kruse bestätigt. Er ist vom Amtsgericht Schwerin zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden und muss ausloten, ob eine Insolvenz noch zu verhindern ist. Jedenfalls seien Investitionen und frisches Geld notwendig, so Kruse. Der Bionsect-Geschäftsführer und Eigentümer des früheren Gasthofes Obermühlthal will keine Stellungnahme abgeben.
Dabei hätte die Sache mit dem Anwesen im Mühltal ganz anders ausgehen können. Denn noch vor dem Bieterverfahren hatte der gemeinnützige Kulturverein „Feta Records“ aus Starnberg vom WZV einen zunächst auf eineinhalb Jahren befristen Pachtvertrag erhalten, er pflegte das Areal und kümmerte sich um die Elektrik im Haus. Der Verein plante ein „Kreativzentrum“ mit Werkstatt, Tonstudio, Festivals sowie Ausstellungen, Performances und einen Dancefloor am Waldrand.
Ende 2020 entschied aber der Zweckverband, das Gelände zu verkaufen. Auch der Kulturverein gab später ein Kaufangebot mit detailliertem Nutzungskonzept ab und holte sich hierfür einen solventen Hotelier aus München als Geldgeber mit ins Boot. Am Ende jedoch erhielt der Kraillinger Unternehmer den Zuschlag – in einer internen Abstimmung des Zweckverbandes.

