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Wunschzettel:Liebes Christkind, ...

Reisen, Trost, eine Auszeit oder einen CD-Kassetten-Player: Was sich sechs Menschen aus dem Landkreis Starnberg von Weihnachten erhoffen.

Einmal das Christkind sehen

Emma Neupert hat viele Wünsche, wie es sich für ein sieben Jahre altes Mädchen gehört. Es gibt große und kleine, offene und geheime und solche, die immer wiederkehren. Dazu gehört der Wunsch, einmal das Christkind zu sehen. In diesem Jahr sagt sie, werde sie sich auf die Lauer legen und ausharren, bis es in größter Eile ins Wohnzimmer der Gautinger Familie fliegt, um sie und ihre kleine Schwester Lilly zu bescheren. Die Dreijährige wünscht sich ein Playmobilhaus mit Licht und Bett, vor allem aber mit ganz vielen Treppen, über die sie ihre Spielfiguren hinauf und hinunter steigen lassen will. Emma hat auch schon ein Geschenk für die Schwester: ihren CD-Player. Sie selbst wünscht sie ein neues Gerät, mit dem sie auch Kassetten hören kann. "Die alten vom Papa, TKKG und Hui Buh", erklärt Emma. "Der hat alle aufgehoben." Auch über Schnee würde sie sich freuen - und vielleicht geht ja auch einer der geheimen Wünsche in Erfüllung. frie

Ausspannen an den Feiertagen

Da spricht Landesschülersprecher Joshua Grasmüller sicher vielen Schülern aus der Seele: Er wünscht sich für alle vom Christkind einfach mal eine Auszeit. Das ist auch verständlich. Denn er und seine Mitstreiter vom Gymnasium Kempfenhausen haben im ablaufendenden Jahr ordentlich Dampf gemacht, damit ihr Schulweg sicherer wird. Und sie haben es geschafft: Jetzt ist die neue Bushaltebucht vor seiner Schule so gut wie fertig und der barrierefreie Zugang zum Schulgelände geschaffen, auch die wilden Parkplätze entlang des Geh- und Radwegs sind ersatzlos entfallen. Der 17-Jährige hat es mit der ihm eigenen unaufdringlichen Beharrlichkeit und mit Fingerspitzengefühl geschafft, die verhärteten Positionen der Gemeinde und des Schulzweckverbands aufzubrechen. So konnte auch die finanzielle Frage gelöst werden. 90 Prozent des etwa 300 000 Euro teuren Umbaus bezahlt die Gemeinde Berg. Über den Schulförderverein, Spenden und Projekte sollen die restlichen zehn Prozent zusammenkommen. Und auch die Regierung von Oberbayern will einen Zuschuss beisteuern. bad

Liebe, Wärme und Respekt

Seit 1997 ist Claudia Stangl als Hebamme tätig. In ihrer Ausbildung zur Arzthelferin bei einem Gynäkologen merkt sie schnell, dass die Geburtshilfe genau das Richtige für sie ist. Stangl erlernt den Beruf der Geburtshelferin - und wird Hebamme aus Leidenschaft, wie sie sagt. "Unter uns Hebammen sagen wir, die eigenen Geburten können nur schnell und einfach oder lang und kompliziert werden. Dazwischen gibt es keine Stufe", erzählt sie. Ihre eigenen Entbindungen waren beide von Komplikationen durchzogen - die Töchter kamen als Frühchen auf die Welt. Umso glücklicher ist sie heute über ihre zwei Kinder, die zehn und 17 Jahre alt sind. Neben ihrem Nachtdienst am Klinikum Starnberg geht die 44-Jährige gerne Schwimmen, macht Pilates und verbringt viel Zeit mit Tieren. Mit einem Hund, zwei Katzen und vielen Hasen lebt sie mit ihrer Familie in Buchendorf. "Andere Lebewesen sind wichtig, es wäre schön, wenn sich alle mit Liebe, Wärme und Respekt begegnen würden", findet sie. "Ein bisschen mehr von der Liebe, die Eltern ihrem Neugeborenen schenken, und die Welt wäre eine bessere." she

Gemeinsame Zeit mit der Familie

Geschenke gehören auf dem Saliterhof in Geisenbrunn zu Weihnachten dazu, erst recht seit es wieder kleine Kinder gibt. "Nach der Christmette singen und beten wir, und dann geht das Fenster auf und das Christkind fliegt rein", erzählt Kreisbäuerin Anita Painhofer. Die 57-Jährige freut sich auf Heiligabend mit der ganzen Familie, das heißt ihren drei Töchtern und deren Familien. Dazu gehört neben der zweijährigen Enkeltochter Johanna auch der sechs Wochen alte Benedikt. Über die Feiertage wird nur das Nötigste auf dem 280 Hektar umfassenden Ackerbau-Betrieb erledigt. Viel zu wertvoll ist ihr die gemeinsame Zeit. Zum Essen gibt es Fondue und zu späterer Stunde reichlich Plätzchen, "die essen wir davor nicht so, um es uns an Heiligabend dann richtig gut gehen lassen zu können". Welche Geschenke sie sich vom Christkind erhofft? Ihr Wunschzettel war gleich fertig. Die Perlenengel hat sie vor einigen Jahren mit ihren Töchtern gebastelt. frie

Mindestens auf einen Sechstausender

Das Jahr 2019 lief für Bergsteigerin Nicole Deibele anders als geplant. Sowohl die Tour in Indien auf den 6153 hohen Stok Kangri musste die 40 Jahre alte Starnbergerin absagen als auch wenige Wochen später einen Dreitausender in Kurdistan. 2017 hatte Deibele ihren bisher höchsten Gipfel erklommen, den 7075 hohen "Satopanth" in Indien, wofür sie bei der Sportlerehrung des Landkreises ausgezeichnet wurde. Eigentlich war danach ein Achttausender angedacht . "Doch dann habe ich gehört, wie überlaufen es dort ist und wie teuer. Das brauche ich nicht", sagt Deibele. Abgesehen davon sei das Höhentraining an Ort und Stelle auch recht langweilig. In die fernen Berge zieht es die gelernte Speditionskauffrau, die im Vertrieb arbeitet, dennoch. "Neben dem Rennradfahren und Fitnesssport ist das mein größtes Hobby." Aber es reichen auch kleinere Kaliber. Für 2020 hat sie zwar noch kein konkretes Ziel ins Auge gefasst, doch eines fest steht: "Es geht wieder in ein Land, in das nicht jeder hinfliegt." Erst vor wenigen Tagen kam sie aus Afghanistan zurück, "ich möchte gern mit eigenen Augen sehen, ob es so ist, wie man es aus dem Fernsehen kennt." Bis es so weit ist, hält sie sich mit kleineren Touren in der Region fit - und mit den Fitnesskursen, die sie seit Jahren beim TSV Starnberg gibt. frie

Ein Friedenslicht in Kriegsgebieten

Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer setzt auf die Kraft und Wärme des Lichts. Das ist für den 62-Jährigen das Symbol für die Weihnachtszeit. Deshalb lädt der katholische Geistliche auch jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit zur "Nacht der 1000 Lichter" in die Pfarrkirche St. Joseph, die dann ausschließlich mit Kerzen illuminiert ist. Eine viel besuchte ökumenische Veranstaltung mit der evangelischen Christuskirche. Großen Zuspruch, vor allem auch von Jugendlichen, findet die Lichterkette, die im Januar zwischen den beiden Gotteshäusern und dem Rathaus als Symbol des Zusammenhalts und des Friedens gebildet wird. Dabei legt Peter Brummer immer Wert darauf, Flüchtlinge einzubeziehen. Der Pfarrer setzt sich im Team mit einem großen ökumenischen Helferkreis intensiv für Flüchtlinge und deren Integration ein. Dass er Verfolgten in Absprache mit dem Pfarrgemeinderat Kirchenasyl gewährt, hat Brummer über Tutzing hinaus bekannt gemacht. Frieden in Kriegsgebieten, damit Menschen erst gar nicht fliehen müssen - ein Herzensanliegen für den Tutzinger Pfarrer. manu

© SZ vom 24.12.2019

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