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Bundestagswahl:Martina Neubauer will nach Berlin

Martina Neubauer, 2020

Wahlkämpferin Martina Neubauer von den Grünen muss auf öffentliche Veranstaltungen verzichten und nutzt digitale Medien.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Grünen wollen der CSU das Direktmandat abnehmen und stellen die 57-Jährige als Bewerberin auf. Sie soll auch auf die Landesliste - wenn die Partei mitspielt.

Von Blanche Mamer

Martina Neubauer will es noch mal wissen: Die Grünen-Sprecherin in Kreistag Starnberg, Stadträtin und Mitglied des Bezirkstags Oberbayern, ist bei der Kreisversammlung als Bewerberin um die Bundestagskandidatur im Wahlkreis 224 Starnberg-Landsberg-Germering gewählt worden. 24 Grüne sprachen sich für die 57-jährige Sozialpädagogin aus, acht für ihren Gegenkandidaten, den Diplombiologen und Umweltpädagogen Heiko Theodor Braun aus Gauting. Braun nahm das Votum gelassen, er sei ein Teamplayer und werde Neubauer im Wahlkampf unterstützen, versprach er.

Neubauer sagte in ihrer Vorstellung, sie habe sich die Kandidatur nicht leicht gemacht, lange überlegt und sich mit ihrem Team beraten. Ihr sei klar geworden, dass sie die grünen Themen auf Bundesebene vertreten wolle: "Wir wollen auch nicht weiterhin aus der Opposition zuschauen, sondern mitmachen, Verantwortung übernehmen und die Zukunft gestalten." Der Kommunalwahlkampf habe gezeigt, dass mit authentischen Menschen und einem realistischen Programm viel auf die Beine gestellt werden könne. Neubauer betonte, sie wolle nicht nur die grünen Klima- und Umweltziele vorantreiben, sondern auch gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft kämpfen. Durch Corona sei Distanz angeordnet worden. Doch gerade jetzt sei das soziale Miteinander gefragt. Durch ihr Engagement im Bezirk sieht sie soziale Gerechtigkeit, Teilhabe, Generationengerechtigkeit, Gesundheitsfürsorge als große Aufgabe. Auch die Transformation der Wirtschaft und der Kampf gegen Rechtsextremismus müsse gelingen.

So erfolgreich die Grünen in den Gemeinden und im Landkreis waren - Neubauer erlitt Schlappen. Sie unterlag CSU-Bewerber Stefan Frey bei der Wahl des Landrats und fiel durch, als es um den Posten als Vize ging. Nun hat sie größere Ziele. Die gebürtige Starnbergerin ist überzeugt davon, dass es möglich sei, die schwarze Vormacht zu brechen und dem bisherigen CSU-Mann im Bundestag, Michael Kießling, das Mandat abzunehmen.

Mit dem Votum der Starnberger ist sie noch nicht als Kandidatin aufgestellt. Sie braucht die Hilfe von Parteifreunden aus dem Landkreis Landsberg am Lech und aus Germering. Die Grünen in Landsberg hätten keinen eigenen Bewerber aufgestellt und würden sie unterstützen, sagte sie. Aus Germering gebe es noch kein Abstimmungsergebnis, doch ihr sei ebenfalls Beistand signalisiert worden. Die Nominierung als Direktkandidatin ist für den 19. Dezember in der Schlossberghalle geplant (Ausweichtermin: 16. Januar). Bei der Aufstellung der Listenbewerber am 30. und 31. Januar in Augsburg soll versucht werden, Neubauer auf Platz 13 bis 20 zu hieven.

Kreisvorstand der Grünen; Kreisvorstandswahl der Grünen

Der neue Kreisvorstand der Grünen (vorne, v.l.): Reinhard von Wittken und Kerstin Täubner-Benicke (beide 1. Vorsitzende), Kassier Michael Ehgartner sowei (hinten v.l.) die Beisitzer Andrea Schulte-Krauss, Florian Hönicke, Tyll Gundermann, Verena Machnik und Martina Neubauer, die in den Bundestag will.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Zur Präsenzveranstaltung im Gautinger Bosco, die unter strengen Corona-Auflagen bei offenen Balkontüren stattfand, waren 33 fröstelnde Mitglieder gekommen, rund ein Zehntel der 338 Landkreis-Grünen. Die Versammlung verlief zunächst ungewohnt, ohne große Debatten, bis eine vom alten Kreisvorstand eingebrachte Satzungsänderung die Gemüter echauffierte. Um mehr Mitglieder zu erreichen, sollten anstelle von Präsenzveranstaltungen Abstimmungen auch digital oder hybrid (sowohl als auch) möglich sein. Das forderte den vehementen Widerspruch von Florian Duday und Ruth Paulig heraus. Mit 20 zu 9 Stimmen und zwei Enthaltungen wurde die nötige Zwei-Drittel- Mehrheit für eine Änderung um eine Stimme verpasst. Da Bernd Pfitzner nicht mehr für den Kreisvorstand kandidierte, wurde neben Kerstin Täubner-Benicke Reinhard von Wittken aus Krailling zum zweiten Sprecher gewählt.

© SZ vom 31.10.2020
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