Starnberg:Verwaist und marode

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Heruntergekommener 'Bayerischer Hof' in Starnberg

Hinter der Fassade bröckelt der Putz, Fachleute haben diverse Schäden und Mängel im ganzen Haus festgestellt: Seit fast einem Jahr sind die Räume im Hotel Bayerischer Hof gesperrt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Von der einstigen Pracht des Hotels Bayerischer Hof ist wenig übrig. Um den Bau zu retten, müssen Millionen investiert werden

Von Peter Haacke, Starnberg

Das Hotel "Bayerischer Hof" in Starnberg wird auf Jahre hinaus geschlossen bleiben. Die Räume des historischen Gebäudes sind ebenso wie das Restaurant "Griechische Taverna" wegen erheblicher baulicher Mängel seit elf Monaten geschlossen, das Haus steht seit Anfang September komplett leer.

Das Starnberger Landratsamt hatte im vergangenen Dezember wegen der Mängel an Statik und Brandschutz die weitere Nutzung verboten. Im Bauausschuss wurden am Donnerstag nun die Ergebnisse umfassender Untersuchungen durch Fachleute präsentiert, das Fazit ist eindeutig: Eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme des 1865 erbauten Hauses ist aufgrund des schlechten Gesamtzustandes ausgeschlossen.

In einem wesentlich besseren Zustand befindet sich dagegen die Alte Oberschule (Villa Beyerlein), in der die Volkshochschule (VHS) ihren Sitz hat. Die Stadt will nun versuchen, in einem Konzept- und Investorenwettbewerb Lösungen für beide Gebäude zu finden, die in ihrer äußeren Form erhalten bleiben sollen. Allein die Sanierung des Bayerischen Hofes dürfte einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern.

Die Präsentation der Untersuchungsergebnisse für das einst prachtvolle Hotel, in dem sogar Kaiserin Sissi gespeist haben soll, ist ernüchternd: Das Haus ist marode und von Grund auf sanierungsbedürftig. Zusätzlich zu statischen Mängeln, die schon 2012 bekannt wurden, fanden die Experten weitere K.o.-Kriterien. Die Mängelliste ist lang. Seit 2011 ist die Nutzung des Dachgeschosses, von Teilen des zweiten Obergeschosses sowie einzelner Räume im ersten Obergeschoss aus Brandschutzgründen untersagt. Bei der Ortsbegehung stellten die Gutachter nun über alle Stockwerke "erhebliche brandschutztechnische Bedenken" fest; Flucht- und Rettungswege entsprechen nicht den gesetzlichen Vorgaben.

Bei einer Untersuchung der Elektroanlage fehlten Fehlerstromschutzschalter, vereinzelt finden sich im Haus stoffummantelte Leitungen. Von der gesamten Anlage geht laut den Experten erhebliche Gefahr aus. In den Wasserleitungen wurde eine Kontamination mit Legionellen weit über den zulässigen Werten festgestellt. Mit dem Gesundheitsamt wurde daraufhin vereinbart, die Warmwasserversorgung stillzulegen. Ein Fachplaner für Heizung, Lüftung und Sanitär kam zu dem Ergebnis, dass die gesamte Wasserinstallation technisch und hygienisch nicht mehr nutzbar ist und ebenso wie das Abwassernetz komplett erneuert werden müsste. Allein für diesen Teilbereich ergäben sich Kosten von etwa zwei Millionen Euro.

Das Landesamt für Gesundheit untersuchte die Küche und monierte hygienische Mängel an Decken, Wänden, Böden und Geräten. Kritisch ist auch der Zustand der Putzdecken: Im Bereich des Treppenaufgangs zum ersten Obergeschoss besteht die Gefahr, dass sich Putzteile ablösen. In mehreren Räumen wurde eine "umfangreiche Rissbildung" festgestellt, Ursache hierfür könnte eindringende Feuchtigkeit sein. Die Denkmalbehörde ist an den weiteren Planungen beteiligt. Grundsätzlich gilt: Alles, was von den bauzeitlichen Strukturen des Hauses vorhanden ist, gilt als erhaltenswert. Dazu gehören etwa tragende Wände, die Treppenhäuser und der Zuschnitt der Räume, nicht aber die Badeinbauten aus den Achtziger-Jahren.

Das derzeit von der VHS genutzte Gebäude, Baujahr 1923, befindet sich gesamt gesehen in einem besseren Zustand als der Bayerische Hof, allerdings gibt es auch dort einzelne Mängel. Unklar ist, ob die Deckennutzungslast ausreichend ist, beim Thema Brandschutz fehlt eine abschließende Stellungnahme. An der Elektroanlage wurden einzelne Mängel aufgelistet.

Für das Hotel Bayerischer Hof war 2013 ein Investorenwettbewerbs vorbereitet, in den Folgejahren aber nicht weiter verfolgt worden. Angestrebt wird nun eine Ausschreibung mit Angebotsabfrage, die nach einer Vorauswahl auf zehn Bewerbergemeinschaften für einen Konzeptwettbewerb beschränkt sein soll. Ein Verkauf der Grundstücke ist nicht angestrebt, für den Stadtrat kommt allenfalls eine Vergabe in Erbbaurecht in Frage. Auf der Wunschliste stehen ein Hotel, Gastronomie mit Gastgarten sowie gegebenenfalls gewerbliche und Wohnraumnutzung.

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