An den Verkehrsverhältnissen in Starnberg wird sich grundlegend auf absehbare Zeit wohl nur wenig bis nichts ändern: Das ist die ernüchternde Erkenntnis aus der Sitzung des Stadtrats, die diese Woche insbesondere die Sicherheit in der stark vom Verkehr belasteten Kreisstadt in den Fokus rückte. Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim, der Unteren Verkehrsbehörde und Spezialisten für Ampelregelung und Verkehrssteuerung präsentierten ihre Untersuchungsergebnisse zur Situation an der Bundesstraße B2. Dafür belebte der „Arbeitskreis Mobilität“ ein paar Ideen zur Verbesserung der Schulwegsicherheit wieder. Und im Ortsteil Wangen muss man sich vorab zunächst darüber klar werden, ob Radfahrer besser auf der Straße oder einem Radweg unterwegs sind.
Vor wenigen Monaten hatte die Stadt Starnberg dazu aufgerufen, potenzielle Gefahrenstellen im kleinteiligen, aber hochkomplexen Verkehrssystem der Kreisstadt ausfindig zu machen. Mehr als 230 Hinweise, Ideen und Verbesserungsvorschläge fürs gesamte Stadtgebiet waren so zusammengekommen, die Starnbergs Straßen für schwächere Verkehrsteilnehmer sicherer machen sollen. Anlass war der tödliche Unfall am Tutzinger-Hof-Platz am Faschingsdienstag, bei dem ein achtjähriger Junge in Starnberg von einem Lkw überrollt worden war. Ein unfallanalytisches Gutachten, das klärt, wie es zu dem Unfall gekommen ist, liegt noch immer nicht vor.
Eine Unfallkommission – bestehend aus Vertretern von Polizei, Unterer Verkehrsbehörde und Staatlichem Bauamt – hat derweil die Arbeit aufgenommen und auf Wunsch der Stadt 13 Punkte unter die Lupe genommen. Im Fokus: die Situation auf der B2, insbesondere der innerstädtische Bereich von der Leutstettener bis zur Söckinger Straße. Die erste Erkenntnis aus drei Jahren: Als Unfallschwerpunkt gilt dieser zentrale Abschnitt nicht – im Gegensatz zum Ortsteil Percha und dem Waldspielplatz. Zweite Erkenntnis: Die Hoffnung, dass die Kommission entscheidend neue Vorschläge zur Verbesserung der permanent angespannten Verkehrssituation liefern könnte, haben sich zerschlagen.


Fahrradstreifen auf der Hauptstraße? Negativ, die Fahrbahnbreite ist nicht ausreichend. Eine separate Rechtsabbiegespur von der B2 aus Richtung München zur Hanfelder Straße? Keine gute Idee. Die Spezialisten prognostizieren „Verflechtungsprobleme“ durch Autofahrer, die sich erst spät einordnen. Dies führe zu einem kritischen Rückstau bis zur Autobahn im abendlichen Berufsverkehr und einer erheblichen Verschlechterung für Radfahrer, die an der Kreuzung auf die Fahrbahnmitte ausweichen müssten. Verbreiterung des Gehwegs entlang der B2 im Bereich der Jahnstraße? Müsste die Stadt selbst zahlen. Radweg im Süden der Stadt? Erst mit Bau des B2-Tunnels. Deutliche Verlängerung und Synchronisierung aller Ampelgrünphasen für Fußgänger? Dies führt zu längeren Wartezeiten an allen relevanten Knotenpunkte entlang der B2. Ohnehin sei die Kreuzung am Tutzinger-Hof-Platz „immer überstaut“, sagte Jacob Eberl vom Staatlichen Bauamt.
Aus Sicht der Experten sind nur kleinere Verbesserungen und eine „verkehrsabhängige Optimierung“ an der B2 möglich – allerdings mit nur begrenzter Wirksamkeit. Konkret brachte Markus Reichart vom Landratsamt eine Verschmälerung des Fußgängerüberwegs über die Hanfelder Straße – also am Unfallort vom Februar – ins Spiel. Die Furt ist derzeit acht Meter breit, vier Meter wären besser. Dazu soll ein Geländer am Rand des Bürgersteigs angebracht werden, was eine neue Aufstellsituation für Fußgänger und bessere Sichtverhältnisse für Autofahrer mit sich brächte. Denkbar ist neben gelbem Warnlicht und einem Verkehrsspiegel auch die Installation eines stationären Blitzers.

Eine Verlagerung der Ampelanlage auf der Hanfelder Straße nach oben ist aus Sicht der Experten ebenso wenig sinnvoll wie ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen oder die Vorgabe „Anlieger frei“. „Das sind Konfliktpunkte, die wir uns zusätzlich schaffen“, sagte Reichart. Zudem sei das Ganze kaum zu kontrollieren, weil die Hanfelder Straße auch eine Ortsverbindungsstraße mit Zufahrt zum Krankenhaus ist.
Für den Stau auf der B2 ist nach Angaben der Spezialisten nicht etwa die Kreuzung zur Söckinger Straße, sondern vor allem die Bedarfsampel auf Höhe Altes Rathaus/Kirchplatz mitverantwortlich. Sie ist bislang nicht eingebunden in das ausgeklügelte Steuerungssystem der Lichtsignalanlagen. Gleichwohl gibt es die Forderung nach einer weiteren Bedarfsampel auf Höhe des Achheimviertels, die bei den Experten nicht auf Gegenliebe trifft. Einige weitere Tagesordnungspunkte wurden vertagt. Eberl stellte allerdings auch klar: Vor 2027 werde sich an den Verhältnissen wohl kaum etwas ändern.
Die Himbselstraße wird erneut zur Einbahnstraße
Erfolgreicher waren die Bemühungen des neu installierten Arbeitskreises Mobilität um mehr Schulwegsicherheit. Die Schulstraße, bislang Einbahnstraße, soll zwischen Hanfelder Straße und Hirschanger für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben werden. Zudem soll eine Hol- und Bringzone im Riedener Weg reanimiert werden: Die gab es 2019 schon einmal, wurde aber wieder zurückgebaut, weil Eltern ihre Sprösslinge unverdrossen weiterhin bis vor die Schultore kutschierten. Wichtigste Neuerung: Die Himbselstraße soll in Fahrtrichtung Ferdinand-Maria-Straße zur Einbahnstraße werden – ebenfalls keine neue Idee. Im März 2003 hatte Ludwig Jägerhuber (CSU) das Experiment durchgesetzt, das nach wenigen Tagen scheiterte. In der Stadt herrschte ein mittelmäßiges Verkehrschaos. Die Frage ist, wie sich die Änderung dieses Mal auf Schleichverkehr und benachbarte Wohngebiete auswirken wird.
Unbefriedigend ist die Verkehrssituation auch in Wangen. Ortsteilsprecher Manfred Abele schilderte die Ausgangslage auf der Olympiastraße. Im Wesentlichen geht es um Tempo 30, den Bau von Verkehrsinseln am Ortseingang und im Kreuzungsbereich, eine Bedarfsampel sowie einen Kreisverkehr. Unklar dabei ist bislang aber, wo die Radfahrer ihren Weg bekommen. Eberl: „Wenn diese Entscheidung gefallen ist, können wir weitermachen.“

