Der Stadtrat hat sein weiteres Vorgehen zur „Seeanbindung“ in Starnberg beschlossen: Die bisherige Beschlusslage zum Umbau der Gleisanlagen am Bahnhof See und zur Verlegung des Regionalzughalts an den Bahnhof Nord (Variante 7e) bleibt bestehen. Zugleich soll über die Variante 6, die unlängst der Seeanbindungsbeirat empfohlen hat, erneut mit Vertretern der Deutschen Bahn (DB) und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) verhandelt werden.
Der Vorschlag des Vereins „Schöner zum See“, der den Beibehalt der bestehenden Anlagen am Bahnhof See vorsieht, wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Zeit drängt: Bis Jahresende 2025 muss sich die Stadt endgültig entscheiden, um der DB den Planungsvorlauf für die Erneuerung der Bahnanlagen ermöglichen.
Der Stadtrat befasste sich am Montag erneut mit der Angelegenheit, neben den Stadträten verfolgten knapp 50 Interessierte das Geschehen. Sowohl Iris Ziebart („Schöner zum See“) als auch Marco Goetz (Seeanbindungsbeirat) präsentierten in 20-minütigen Referaten (siehe unten stehender Beitrag) die Grundzüge ihrer jeweiligen Vorschläge. Beide Ideen haben ihren Charme, bedürfen aber im Hinblick auf ihre Machbarkeit in technischer wie finanzieller Hinsicht einer Überprüfung. Ob sich DB und BEG darauf einlassen, bleibt abzuwarten. Das letzte Treffen der Verhandlungspartner fand im Dezember statt. Unstrittig ist: Gleise, Oberleitungen und Technik im Bereich des Bahnhofs See müssen bis 2030 erneuert werden.
Die Debatte der Stadträte offenbarte einmal mehr die Zerrissenheit des Gremiums in dieser Frage. Während Vertreter von WPS, BMS, FDP und auch Ursula Lauer (Grüne) ihre Sympathien für die „Seeanbindung 2.0“ des Vereins „Schöner zum See“ bekundeten, plädiert die UWG dafür, bei den Verhandlungen die Variante 6 erneut ins Spiel zu bringen. Franz Sengl, Fraktionschef der Grünen, warnte jedoch: „Die Bahn wartet schon seit längerer Zeit darauf, dass wir uns für irgendwas entscheiden“, sagte er, „und das haben wir mit Variante 7e getan“. Starnberg sei nur eine von 1000 Bahnstationen, die modernisiert werden müsse. Der DB könne man aber nichts vorschreiben, „das können wir vergessen“.
Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) mahnte, dass man der Bahn bis Ende 2025 mitteilen müsse, welche Variante die Stadt denn nun will – sofern diese machbar ist. Die bereits diskutierte Variante 6 (Aufgabe des Bahnhofs See) könne per Veto der BEG schnell vom Tisch sein, für die Variante „Seeanbindung 2.0“ gibt es keine Berechnungen. Einzig die bislang vereinbarte Variante 7e sei das Ergebnis langwieriger Verhandlungen.

Starnberg:Ideen zur Seeanbindung
Vorschläge hat es schon viele gegeben, wie man das Bahnhofsumfeld am Nordufer des Starnberger Sees verschönern könnte. Hier die jüngsten Ideen zur Lösung eines alten Problems.
Die „Seeanbindung“ ist eines der komplexesten und zugleich umstrittensten Themen in Starnberg. Seit nahezu 40 Jahren geht es im Kern um die Frage, wie man die trennende Wirkung der Bahngleise zwischen Innenstadt und See abmildern könnte. Zwischen Deutscher Bahn und Stadt wurde 1987 ein Vertrag geschlossen, der bis heute nur teilerfüllt ist: Die DB überlässt der Stadt nicht mehr benötigte Grundstücke, die Stadt verpflichtete sich zum Bau des Bahnhofs Nord und zur Finanzierung eines bislang ausstehenden Gleisumbaus am Bahnhof See.
Nachdem die Verhandlungen darüber zwischenzeitlich hoffnungslos festgefahren waren und die DB eine Klage über 170 Millionen Euro Schadenersatz eingereicht hatte, war es Bürgermeister Janik gelungen, die DB wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Mit einer Vergleichs- und Realisierungsvereinbarung hatte das Verhandlungsteam der Stadt Starnberg mit der DB 2023 eine beiderseits akzeptierte Grundlage für einen barrierefreien Bahnhofsumbau erarbeitet. Doch das Vorhaben scheiterte in politisch ungewissen Zeiten. Weder Bundesregierung noch Freistaat machten Zusagen zur Unterstützung des Vorhabens mit einem Gesamtvolumen von rund 180 Millionen Euro.
Die Stadt machte von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch, blieb aber mit der DB in „konstruktiven Verhandlungen“: Von beiden Seiten favorisiert bleibt vorerst weiterhin die Variante 7e mit Umbau und Modernisierung der Gleisanlagen am See und den barrierefreien Ausbau der Bahnstation. Abgesehen von den enormen Kosten und der aktuell aussichtslosen Finanzierbarkeit kritisieren betroffene Anwohner vor allem der Bau eines Wendegleises im Süden der Stadt. Derzeit befindet sich die Stadt in Verhandlungen zur Verlegung des Regionalzughalts. Dabei gilt weiterhin: Es wird nicht leicht.

