Geflüchtete aus der UkraineIntegration durch Arbeit

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Erst die Sprache, dann der Job: Die Strategie der Arbeitsagentur, wie Geflüchtete aus der Ukraine im Arbeitsmarkt ankommen sollen, ist umstritten.
Erst die Sprache, dann der Job: Die Strategie der Arbeitsagentur, wie Geflüchtete aus der Ukraine im Arbeitsmarkt ankommen sollen, ist umstritten. Oliver Berg/dpa

Die Unterbringung der ukrainischen Geflüchteten ist größtenteils geschafft, nun wartet die nächste Herausforderung: Wie bringt man die Menschen in den Arbeitsmarkt?

Von Linus Freymark, Starnberg

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Der erste Schritt ist geschafft: Die geflüchteten Menschen aus der Ukraine sind in Gemeinschaftsunterkünften oder bei Privatpersonen untergekommen. Nun aber steht die nächste Herausforderung an. Denn viele der vor Kurzem im Landkreis Starnberg gestrandeten Menschen werden wohl länger hier bleiben und deshalb auch bald eine Arbeitsstelle brauchen. Einerseits, um Geld zu verdienen, andererseits ist ein Job unerlässlich für die Integration. Sowohl Engagement als auch Bedarf von Mitarbeitern sind bei vielen Arbeitgebern vorhanden. Doch wie lassen sich die vom Krieg vertriebene Menschen in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren? Welche Stellen gibt es für sie? Worin liegen die Herausforderungen? Und welche Rolle spielt die Sprachbarriere?

Noch stehen die Bemühungen ziemlich am Anfang. Für beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, ist die Situation schließlich neu. In den vergangenen Wochen stand zunächst die Unterbringung der Menschen aus der Ukraine im Fokus. Zudem sind viele Frauen mit Kindern nach Deutschland gekommen. Insgesamt sind es inzwischen rund 1700 Personen. Mit 950 etwas mehr als die Hälfte davon befinden sich nach Angaben des Landratsamtes im arbeitsfähigen Alter zwischen 18 und 67 Jahren. Für sie habe man bislang knapp 300 Arbeitserlaubnisse ausgestellt. Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass das nicht automatisch bedeutet, dass die Menschen auch einen Job haben.

Nur etwa 75 Geflüchtete sind über 67 Jahre alt, die Übrigen sind Kinder und Jugendliche. Das bedeutet: Bevor die Mütter arbeiten können, muss erst die Kinderbetreuung geregelt sein. Auch deshalb haben sich bislang kaum Menschen aus der Ukraine nach einem Job erkundigt. Auch bei der bislang zuständigen Bundesagentur für Arbeit ist noch niemand als Arbeitssuchend gemeldet. Aber es gibt auch Ausnahmen: Im Benedictus-Krankenhaus in Feldafing etwa wird vom 1. Mai an eine Frau aus der Ukraine anfangen. Ab 1. Juni werden die erwerbsfähigen Geflüchteten offiziell vom Jobcenter betreut, um die anderen kümmert sich das Sozialamt. Die Menschen haben auch einen Anspruch auf Grundsicherung. Die Arbeitsagentur rät allen Geflüchteten dringend, dieses Angebot wahrzunehmen und sich registrieren zu lassen.

Die GWT will Arbeitgeber und Arbeitnehmer schneller zusammen bringen

Auf Unternehmerseite dagegen ist das Interesse groß. Gerade für Bereiche, in denen die Sprache kein allzu großes Hindernis darstellt, hoffen die Firmen auf neue Mitarbeiter. Die rechtlichen Hürden sind im Vergleich zu Menschen aus Syrien oder Afghanistan gering, schlecht fürs Image ist es zudem auch nicht, Menschen aus der Ukraine bei sich zu beschäftigen. Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) Starnberg hat deshalb eine Initiative ins Leben gerufen, die beide Seiten zusammenbringen soll: "Wir agieren als Vermittler", sagt Annette von Nordeck, Projektleiterin Wirtschaftsförderung. Mehr als 80 Firmen hätten bereits Interesse bekundet. Die GWT, so die Idee, sucht dann gemeinsam mit den Behörden passende Bewerber. Vermittelt hat allerdings auch die GWT allerdings noch niemanden. "Die Menschen brauchen erst noch Zeit und müssen ankommen", erklärt von Nordeck.

"Die Menschen brauchen erst noch Zeit": Annette von Nordeck von der GWT.
"Die Menschen brauchen erst noch Zeit": Annette von Nordeck von der GWT. Franz Xaver Fuchs

Bei den Stellenangeboten geht es zunächst einmal hauptsächlich um Jobs, für die man keine Berufsausbildung benötigt. Aber wer weiß, was daraus wird, wenn sich herauskristallisiert, dass die Geflüchteten länger in Deutschland bleiben und die Sprache keine allzu große Barriere mehr darstellt - das ist der Tenor, den man aus vielen Unternehmen hört.

Die Qualifikationen der Geflüchteten sollen langfristig schon berücksichtigt werden

Die Qualifikationen der Geflüchteten sollen langfristig schon berücksichtigt werden. Die Textilfirma Steinmüller aus Feldafing etwa würde gerne einige Geflüchtete einstellen. Vor allem im Bereich der Textilveredelung sucht das Unternehmen immer wieder Arbeitskräfte. Dass nun vielleicht bald Menschen aus der Ukraine in den Firmenräumen Stoffe dämpfen könnten, ist für Geschäftsführer Jürgen Steinmüller eine Selbstverständlichkeit. "Natürlich helfen wir", sagt er. Steinmüllers Eltern sind als Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg nach Starnberg gekommen. Der Unternehmer leitet daraus die Verantwortung ab, etwas zu tun, jetzt, wo es Menschen ähnlich ergeht und sie vor dem Krieg fliehen müssen. Deshalb will Steinmüller seine potenziellen neuen Mitarbeiter auch über die Arbeit hinaus unterstützen, beim Papierkram helfen, flexible Arbeitszeiten anbieten.

Jürgen Steinmüller hätte in seiner Textilveredelungsfirma durchaus Bedarf für Hilfskräfte.
Jürgen Steinmüller hätte in seiner Textilveredelungsfirma durchaus Bedarf für Hilfskräfte. Arlet Ulfers

Gleichzeitig erhofft sich Steinmüller aber auch gute Mitarbeiter für seine Firma: Wie viele andere Unternehmen auch tut sich Steinmüller schwer, geeignetes Personal zu finden. Die Sprachbarriere sollte dabei kein Problem sein. "Das kriegen wir hin", gibt sich Steinmüller zuversichtlich. In seinem Betrieb würden Menschen aus verschiedenen Nationen arbeiten, von denen auch nicht alle Englisch sprechen. Hände, Füße, ein paar Sprachbrocken - irgendwie versteht man sich immer. Steinmüller weiß das aus Erfahrung.

Ohne Deutschkenntnisse ist der Einsatz im Pflegebereich schwierig

Anders sieht das im Pflegebereich aus. Armin Heil von der Ambulanten Krankenpflege Tutzing würde nichts lieber tun, als direkt ein paar Geflüchtete einzustellen. Zum einen ist da der Wille zu helfen, zum anderen die Personalsituation. Einige Mitarbeiter sind in Rente oder länger krank, und neues Personal lässt sich derzeit kaum finden. Heil hätte also großes Interesse daran, ein, zwei oder noch mehr Teilzeitkräfte direkt einzustellen - wenn da nicht die Sprache wäre. Ein bisschen Deutsch sei unerlässlich in der Pflege. Schließlich sind die meisten Kunden des Dienstes betagt und sprechen nur Deutsch, einige von ihnen sind zudem kognitiv eingeschränkt. "Das können wir unseren Kunden nicht zumuten", sagt Heil deshalb, so schwer es ihm fällt. Gut wäre zudem ein gültiger Führerschein für die Patientenbesuche zuhause - alles Hürden, die eine sofortige Beschäftigung erschweren. Aber wenn es doch klappt, würde Heil seine neuen Mitarbeiter so gut es geht unterstützen. Mit Menschen aus Afghanistan hat er es genauso gemacht. Die Erfahrungen: durchwegs positiv. Heil ist zuversichtlich, dass es jetzt auch klappt.

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