Die Beratungen darüber, ob eine Sanierung oder ein Abriss der Brunnanger-Sporthalle des TSV Starnberg sinnvoller wäre, hat der Bauausschuss der Stadt in den Herbst vertagt. Der etwa 35 Jahre alte Gebäudekomplex weist zum Teil erhebliche Mängel auf, die schon seit April 2022 bekannt sind: Abgesehen von der Tiefgarage, deren Beton durch Streusalzeintrag nachhaltig beschädigt ist, hat ein Planungsbüro unter anderem Undichtigkeiten an Dach und Gebäudehülle, unzureichenden Brandschutz und veraltete Haustechnik - insbesondere an der Heizung - festgestellt. In einer Kostengegenüberstellung für Neubau und Sanierung kommt das Expertenteam jedoch zum Schluss, dass eine Generalsanierung mit voraussichtlich 12,44 Millionen Euro wirtschaftlicher sei als ein Neubau "auf der grünen Wiese" mit 23,14 Millionen.
Das Planungsbüro kommt zum Schluss, dass "aus baulicher Sicht die Sanierung der Brunnangerhalle die wirtschaftlichere Lösung" darstellt. Aus architektonischer Sicht sei der Komplex unbedingt erhaltenswert, zumal ein Ersatzbau an gleicher Stelle äußerst schwierig umzusetzen wäre. Auch aus Gründen der Nachhaltigkeit empfehle sich eine Sanierung "als Maßnahme zur Verringerung des Ressourcenverbrauches durch die Verwendung intakter und geeigneter Bauteile". Die Experten schlagen daher eine Generalsanierung vor, wobei die Tiefgarage mit ihren 62 Stellplätzen für rund 2,55 Millionen Euro und die Erneuerung der Heizkessel möglichst vorzuziehen wären.
Stadtbaumeister Stephan Weinl berichtete: "Das Gebäude ist standsicher, es kann benutzt werden." Allerdings schränkte er seine Einschätzung ein: "Es muss noch einiges untersucht werden." Die Tragsicherheit der Dachkonstruktion sei jedoch unbedenklich und der Sportbetrieb gewährleistet. Zudem glaubt Weinl, "dass die Leute das Gebäude sehr gern haben". TSV-Präsident Hans Michael Jungwirth betonte stellvertretend für seine rund 2600 Mitglieder, dass der Verein gern an seinem Standort bleiben würde.
Im Gremium ergaben sich jedoch Zweifel daran, dass eine Sanierung tatsächlich die beste Option wäre. Vize-Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) etwa bezweifelt die Sinnhaftigkeit einer Sanierung des Zweckbaus und brachte einen Hallenneubau für den TSV Starnberg und die Freie Turnerschaft 09 ins Spiel: Auch die Liegenschaften der FT an der Ottostraße sind dringend sanierungsbedürftig.



Christiane Falk (SPD) und Marc Fiedler (FDP) erinnerten daran, dass die Starnberger bei Sanierungen bislang keine glückliche Hand hatten. Beispiele: die Sanierung des Wasserparks oder der Schlossberghalle. Beide Projekte wurden erheblich teurer als zunächst kalkuliert. "Überraschungen sind da nicht ausgeschlossen", sagte Falk. Einen weiteren Aspekt brachte Franz Sengl (Grüne) ein: Auch die Grundschule am Schlossberg ist sanierungsbedürftig, aber kaum mehr erweiterbar. Längst ist klar, dass auf absehbare Zeit mit steigenden Schülerzahlen in Starnberg ein Neubau her muss.
Die entscheidende Frage aber ist in allen Fällen die Finanzierung - angesichts chronischen Geldmangels in der städtischen Kasse ein stets heikles Thema. Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) hätte über das Thema am liebsten noch vor der Sommerpause abgestimmt, doch angesichts diverser Unwägbarkeiten in der entscheidenden Frage zu Sanierung oder Neubau der Brunnangerhalle vertagte er das Thema lieber. Die Fraktionen sind nun aufgefordert, bis Mitte September ihre Vorstellungen zur TSV-Sporthalle einzubringen, ehe im Oktober über das weitere Vorgehen entschieden werden soll.


