StarnbergBekenntnis zur Brunnangerhalle

Lesezeit: 2 Min.

Die architektonisch anspruchsvolle Brunnangerhalle des TSV 1880 Starnberg wurde im Juni 1989 eröffnet. Knapp 35 Jahre später ist sie ein Sanierungsfall.
Die architektonisch anspruchsvolle Brunnangerhalle des TSV 1880 Starnberg wurde im Juni 1989 eröffnet. Knapp 35 Jahre später ist sie ein Sanierungsfall. (Foto: Arlet Ulfers)

Ein Abriss des knapp 35 Jahre alten Sportkomplexes des TSV Starnberg ist vom Tisch, stattdessen soll stückchenweise saniert werden. Ob dafür aber tatsächlich 12,44 Millionen Euro notwendig sind, bleibt fraglich.

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Brunnangerhalle, Heimat des TSV 1880 Starnberg, galt im Sommer 1989 als "neue Attraktion" in der Stadt. Überschwänglich wurde die Eröffnung der modernen Mehrzweckhalle am 23. Juni gefeiert. Die Hoffnung war groß, dass sich "die Brunnangerhalle zu einem Mittelpunkt nicht nur im sportlichen Leben des Landkreises entwickeln wird", wie es euphorisch in einer Zeitungsanzeige zum Tag der Eröffnung des 18 Millionen D-Mark teuren Bauwerks hieß. Knapp 35 Jahre später ist die Begeisterung verflogen. Der gesamte Komplex ist dringend sanierungsbedürftig, seit Monaten steht der Stadtrat vor der schwierigen Frage: Sanierung oder Abriss?

Der Bauausschuss befasste sich vergangene Woche ein weiteres Mal mit der Thematik, wie am besten mit dem einstigen "Eldorado für Starnbergs Sportler" zu verfahren sei. Ein Planungsbüro hatte bereits im Juli ein erstes Sanierungskonzept präsentiert und war bei der Kostengegenüberstellung zum Ergebnis gelangt: Ein Neubau "auf der grünen Wiese" würde 23,14 Millionen Euro kosten, für eine Generalsanierung müsste man mit 12,44 Millionen Euro kalkulieren - inklusive der vordringlichen Sanierung der maroden Tiefgarage für 2,55 Millionen. Gleichwohl ist allen Beteiligten bewusst: Die Haushaltslage der Stadt ist derart angespannt, dass sich weder das eine noch das andere auf absehbare Zeit realisieren lässt.

Newsletter abonnieren
:SZ Gerne draußen!

Land und Leute rund um München erkunden: Jeden Donnerstag mit den besten Freizeittipps fürs Wochenende. Kostenlos anmelden.

Die Stadtratsfraktionen waren nun aufgerufen, ihre Stellungnahmen zur Problematik einzubringen. Lediglich vier der insgesamt acht Gruppierungen hatten sich im Vorfeld der jüngsten Sitzung geäußert: Die CSU spricht sich für eine Generalsanierung aus. Die Grünen haben ebenfalls eine grundsätzliche Präferenz für eine Sanierung, warnen aber vor Kostensteigerungen. Außerdem wird eine Sportstätten-Entwicklungsplanung angeregt.

Auch die Bürgerliste stimmt einer Generalsanierung zu und regt ein Zukunftskonzept zum Thema "Breitensport" an. Die SPD hingegen stimmt nur Maßnahmen zu, die den Betrieb der Brunnangerhalle ermöglichen, nicht aber der Sanierung der Tiefgarage. Auch dem Vereinsvorstand wäre es am liebsten, mit seinen 2650 Mitgliedern am Standort bleiben zu können.

Von Streusalz zerfressen: Die Tiefgarage der Brunnangerhalle, quasi das Fundament des Komplexes, müsste dringend saniert werden.
Von Streusalz zerfressen: Die Tiefgarage der Brunnangerhalle, quasi das Fundament des Komplexes, müsste dringend saniert werden. (Foto: Arlet Ulfers)

Aus baulicher Sicht - so heißt es im Gutachten des Planungsbüros - stelle "die Sanierung der Brunnangerhalle die wirtschaftlichste Lösung" dar. Der Gebäudekomplex sei "aus architektonischer Sicht unbedingt erhaltenswert", ein "Ersatzbau an gleicher Stelle äußerst schwierig umzusetzen". Vorgeschlagen wird daher eine Generalsanierung, wobei die Sanierung der Tiefgarage - einst geplant als Luftschutzraum - und die Erneuerung der veralteten Heizanlage vorzuziehen wären.

Architektonisch anspruchsvoll: Die 1989 eröffnete Brunnangerhalle. Rechts im Bild: die erst kürzlich wiedereröffnete Vereinsgaststätte.
Architektonisch anspruchsvoll: Die 1989 eröffnete Brunnangerhalle. Rechts im Bild: die erst kürzlich wiedereröffnete Vereinsgaststätte. (Foto: Arlet Ulfers)

Die bereits seit April 2022 vorliegende Mängelliste ist lang. Abgesehen von der Tiefgarage, deren Beton durch Streusalzeintrag nachhaltig beschädigt ist, wurden unter anderem undichte Stellen an Dach und Gebäudehülle, unzureichender Brandschutz und hoffnungslos veraltete Haustechnik festgestellt. Doch es könnten noch weitere, bislang unbekannte Mängel auftauchen - das ist jedenfalls die Befürchtung von Franz Sengl (Grüne): Er bezeichnete die Kostenschätzung für eine Sanierung in Höhe von 12,44 Millionen Euro als "Luftnummer", zumal einige Faktoren noch gar nicht bewertet worden seien. "Belastbar ist das Ganze nicht", sagte Sengl, "im Gutachten stecken schlafende Hunde". Ohnehin sei Starnberg überversorgt mit Sporthallen, die allerdings ebenfalls überwiegend sanierungsbedürftig sind.

Einig war sich das Gremium darin, dass ein großes, modernes Sportzentrum derzeit nicht darstellbar ist. Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) schwebt daher in Zusammenarbeit mit den Vereinen eine Art "Feuerwehrbedarfsplan für den Sport" an, die gesamte Sportinfrastruktur der Stadt soll an einem "runden Tisch" auf den Prüfstand. Für die Brunnangerhalle sollen zunächst Prioritäten gesetzt werden: Ein Projektsteuerer soll zunächst ausloten, welche Arbeiten am vordringlichsten sind und welche Fördermöglichkeiten bestehen - trotz negativer Erfahrungen aufgrund enormer Kostensteigerungen beim Umbau des Schwimmbads oder des Rathauses.

Der letztlich gefällte Beschluss blieb entsprechend schwammig: Zwar soll eine Generalsanierung der Brunnangerhalle weiterverfolgt werden, doch nicht im Gesamtpaket. Im Klartext: Die Sanierung wird stückchenweise in Abschnitten vollzogen - ein Vorhaben, dass sich über Jahre hinziehen dürfte.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Architektur
:"Eine Stadt besteht nicht nur aus Häusern, sie lebt von den Räumen dazwischen"

Die Architekten Marco Goetz und Walter Waldrauch möchten den Bahnhof See in Starnberg aufwerten. Grund für ein Gespräch über bürgerschaftliches Engagement, die Bedeutung des Denkmalschutzes und die Frage: Was macht eine Stadt eigentlich lebenswert?

SZ PlusInterview von Linus Freymark

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: