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Bluttat in Starnberg:Polizei versucht Tathergang zu rekonstruieren

Drei Tote in Haus in Starnberg gefunden

Nachbarn berichten, die Familie habe unauffällig gelebt. Zuletzt hatten Vater und Sohn den Wintergarten gemeinsam renoviert.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)
  • In einem Starnberger Einfamilienhaus hat die Polizei drei Leichen entdeckt.
  • Bei den Toten handelt es sich um eine 60-Jährige und ihren 64-jährigen Ehemann sowie um deren 21-jährigen Sohn. Alle drei lebten in dem Haus.
  • Die Ermittler vermuten, dass der Sohn seine Eltern erschossen und sich dann selbst das Leben genommen hat.

Zwei Autos stehen im Carport, Besen und Schneeschaufeln sind am Gemäuer angelehnt und die Sonne scheint auf den holzverkleideten Balkon. Es wirkt alles friedlich und gepflegt. Doch ein Absperrband der Polizei hängt vor der Gartentür des Einfamilienhauses im Norden Starnbergs, das jetzt versiegelt ist. Denn in diesem Anwesen hat sich am Wochenende ein Verbrechen abgespielt, wobei laut Polizei alles auf eine Familientragödie hindeutet.

Ein 21-jähriger Mann soll seine Eltern mit zwei Pistolen im Schlafzimmer erschossen und sich anschließend im eigenen Bett selbst mit einer Kugel getötet haben. Von diesem Tathergang gehen derzeit die Ermittler der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck aus. Zu dem Motiv könne man aber derzeit noch keine Angaben machen, teilte am Montag das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Weder der Sohn, der eine Ausbildung zum Büchsenmacher absolvierte, noch die Eltern besaßen einen Waffenschein.

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In dem Haus entdeckten die Ermittler keine Kampfspuren, auch ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Die Haustür ist noch versiegelt, es sollen weitere Spuren in den Anwesen gesichert werden. Zudem prüft die Kripo, auf welche Weise der mutmaßliche Täter an die beiden Waffen gelangt ist. Auch Verwandte und Freunde des Ehepaars werden vernommen, um die Hintergründe zu ermitteln.

Die Opfer sind ein 64-jähriger Mann, der als Lichttechniker beim Fernsehen gearbeitet hat, und seine 60 Jahre alte Ehefrau. Sie war als Psycho- und Familientherapeutin tätig. Die Psychologin hatte nach dem Kraillinger Doppelmord im März 2011 im Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing Eltern, Lehrer und Kinder beraten. Eines der Mordopfer, das damals von ihrem Onkel umgebracht worden war, besuchte dieses Gymnasium. Nun wurde die Starnbergerin selbst zum Opfer einer Bluttat in der eigenen Familie.

Die Tochter kann die Eltern nicht erreichen und alarmiert die Polizei

Die 60-Jährige hatte dem Vernehmen nach am späten Freitagnachmittag noch mit einer Bekannten telefoniert. Es soll nach bisherigen Erkenntnissen das letzte Lebenszeichen gewesen sein, zu einem Termin am Samstag war die Frau nicht mehr erschienen. Bisher vermuten die Ermittler, dass das Ehepaar am Samstag erschossen wurde. Nachdem die Tochter ihre Eltern nicht erreicht hatte, schaltete sie die Polizei ein, die mit einer Streife zu dem Einfamilienhaus fuhr. Die Beamten entdeckten kurz darauf die drei Leichen; die Tochter wurde nach dem Schock vom Kriseninterventionsteam betreut.

Das Ergebnis der Obduktionen liegt noch nicht vor. Damit will die Kripo auch den Tatzeitpunkt genauer bestimmen. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der 21-Jährige einige Schüsse auf seine Eltern im ersten Stock abgefeuert und dabei offenbar beide Pistolen benutzt. In dem Fall lassen die Ermittler zudem ein Blutspurgutachten erstellen, um den Tatablauf zu rekonstruieren.

In der Nachbarschaft sind die Menschen fassungslos, was sich in dem Haus hinter der hohen Hecke abgespielt hat. "Ich dachte zuerst an einen Raubmord und hatte Angst", erzählt ein Mann. Eine Anwohnerin glaubte zunächst an einen Herzinfarkt oder anderen Notfall - bis sie von dem Gewaltverbrechen erfuhr.

Die 32-jährige Starnbergerin berichtet, dass die Familie nebenan unauffällig gelebt habe und sie auch nie auf der Terrasse oder im Garten etwas von einem Streit mitbekommen habe. Noch vor Monaten habe der Vater mit seinem Sohn das Gewächshaus gemeinsam repariert. Sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass die beiden sich nicht verstünden oder dass etwas nicht stimme. "Doch man weiß ja nicht, was hinter verschlossenen Türen passiert", merkt die Nachbarin an. Eine Frau sieht auf das Haus über die Straße. Dort habe der Bub früher manchmal mit seiner älteren Schwester gespielt, erinnert sich die Anliegerin.

Der mutmaßliche Täter wohnte zuletzt im Haus seiner Eltern. Er soll früher ein Internat besucht und das Abitur abgelegt haben. Der 21-Jährige reiste viel und war im Ausland unterwegs. Vor allem aber beschäftigte er sich offenbar auch in seiner Freizeit mit Waffen und Munition - also nicht nur während seiner Arbeitszeit. Seine Kollegen waren am Montagnachmittag noch völlig arglos. Dort war man davon ausgegangen, dass der Azubi derzeit den Unterricht in der Berufsschule besuche.

Anmerkung der Redaktion: Wir gestalten unsere Berichterstattung über Suizide bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen von Suizidgedanken, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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