Auf eine lange, aber wenig ruhmreiche Geschichte blickt die Stadt Starnberg seit Jahren beim Thema „stille Örtchen“ im Bereich ihrer beiden Bahnhöfe zurück. Wer immer unter innerem Druck steht, sucht im Bereich der Bahnstationen vergeblich nach einem geeigneten Ort der Erleichterung. Die Toiletten am Bahnhof Nord sind gesperrt, die behindertengerechte WC-Anlage am Bahnhof See ist unreparierbar und ebenfalls seit Monaten geschlossen. Bereits im Vorjahr hatte der Stadtrat daher einen Neubau am historischen Bahnhof beschlossen. Stolzer Preis für die moderne und weitgehend vandalismussichere Bedürfnisanstalt: etwa 450 000 Euro. Das Gebäude soll nun aber etwas kleiner ausfallen, um mit öffentlichen Mitteln gefördert werden zu können.
Zuletzt hatte es im vergangenen Dezember im Bauausschuss eine Kampfabstimmung um den Standort der WC-Anlage gegeben. Der Verein „Schöner zum See“ hofft darauf, an der Ostseite des Bahnhofsgebäudes eine neue Unterführung bauen zu lassen und dafür auf den Rest des Vorhabens „Seeanbindung“ verzichten zu können. Doch daraus wird vorerst nichts.
Gleichwohl befasste sich das Gremium am Montag erneut mit der Angelegenheit. Geplant war ursprünglich ein rechteckiger, 34 bis 44 Quadratmeter großer Container: eine sogenannte Vierraum-WC-Anlage mit drei Urinalen, zwei Unisex-Toiletten – eine davon mit Babywickeltisch – und einem barrierefreien WC. Die Benutzung soll gegen Barzahlung erfolgen, der Eintritt 50 Cent kosten. Eine Fassade mit Glas sei zwar teurer als Holz, dafür aber stabiler gegen Vandalismus und einfacher zu reinigen, hieß es.
Nach einem Gespräch mit Vertretern der Regierung von Oberbayern, bei dem es um die Möglichkeit einer Städtebauförderung ging mit Aussicht auf 60 Prozent Kostenübernahme, wird die Stadt das Haus der Notdurft nun etwas kleiner planen: Analog einer Anlage am Herrschinger Bahnhof soll die neue Toilette in Starnberg ebenfalls nur mit zwei Unisex- und einer barrierefreien Toilette mit zusätzlichem Urinal ausgestattet werden. Das Gebäude würde sich dadurch besser in die Umgebung des denkmalgeschützten Bahnhofs einfügen, auch eine Verlegung der bestehenden Fahrradständer wäre nicht notwendig. Eine Trafostation könne bleiben und die Umhausung eines Müllbereichs angepasst werden, die auch der unteren Denkmalschutzbehörde gefiele.

Für die Stadt kommt die kleinere Variante etwas billiger, den Kostenrahmen für Hoch- und Tiefbau legte der Ausschuss auf 400000 Euro fest. Bis Ende Juli soll die Ausschreibung erfolgen, bis Ende des Jahres könnte das neue Haus stehen. Nur ein Problem – das wissen auch die Herrschinger – bleibt weiterhin ungelöst: Vor Zerstörungswut und grober Verschmutzung sind auch neue WC-Anlagen nicht gefeit.

