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SZ-Adventskalender:Starnberger helfen mit praktischen Geschenken

SZ Adventskalender, Jona Velte spendet Gitarre

Einen Gitarre für Sami: Jona Velte verschenkt die Gitarre, die bisher sein Sohn Yannic gespielt hat. Foto: Nila Thiel

(Foto: Nila Thiel)

SZ-Leser spenden großzügig und erfüllen Wünsche bedürftiger Menschen. Eine Familie bekommt einen Staubsauger, eine andere Winterstiefel. Und ein Bub freut sich über eine Gitarre.

Das Schicksal des alleinerziehenden Vaters Frank M. (alle Namen der Familie geändert) aus Starnberg hat die Herzen der SZ-Leser bei der 71. Spendenaktion des "Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" besonders bewegt. Mehrere Leser wandten sich mit konkreten Hilfsangeboten an die Starnberger SZ. Alma Jazbec brachte spontan einen Staubsauger für Frank M. in die Redaktion, den dieser sich gewünscht hatte. Eine andere Frau bot an, ihm zu Weihnachten die ersehnte Kaffeemaschine zu schenken. Auch für eine Mutter aus Neuried war klar: "Ich würde der Familie gerne helfen."

Sie hat zusammen mit einer Kollegin Einkaufsgutscheine für Frank M. gekauft. Denn dem 36 Jahre alten Medienredakteur in Teilzeit reicht das Geld in manchen Wochen nur für Nudeln mit Butter zum Mittagessen. "Ich habe selbst zwei Kinder und weiß, wie gerne sie sich im Supermarkt was aussuchen zum essen", schrieb sie. "Die Vorstellung, dass es bei der Familie nicht geht, ist für mich sehr schwer", so die 42-Jährige.

Frank M. ist noch immer bewegt von der großen Hilfsbereitschaft. "Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, einen funktionierenden Staubsauger zu haben", sagt er. Zuspruch und Unterstützung habe er auch aus der Nachbarschaft und dem sozialen Umfeld erfahren. "Kurz vor Weihnachten stand die Mutter eines Mitschülers von Mark mit Geld in einem Umschlag vor der Tür", erzählt er. Oliver Bettzieche, 52, aus Krailling bot einen Drucker an, den Frank M. dringend benötigt, um daheim die Formalitäten für Leonie erledigen zu können, die mit der Fehlbildung Spina bifida auf die Welt kam und besondere Pflege und Betreuung braucht. Auch Sachspenden wie Spielsachen und Schlittschuhe erreichten ihn. Das Starnberger Sozialwerk unter dem Vorsitz von Anne Kirchbach hat für die Familie Gutscheine für das Starnberger Seebad besorgt. "Das klingt kitschig, aber ich fühle mich nicht mehr so alleine", sagt Frank M. Dafür sei er sehr dankbar.

Etwa 5,4 Millionen Euro sind bislang für Menschen eingegangen, denen Armut, Krankheit oder Behinderung das Leben schwermachen. Damit wurde erneut das hervorragende Ergebnis der Jubiläumsaktion zum 70-jährigen Bestehen des Adventskalenders erreicht. Diesmal hatte die SZ dazu aufgerufen, Kindern zu helfen, die wegen Armut, Krankheit oder Behinderung schlechtere Chancen für eine optimale Entwicklung haben. Weitere Themen waren Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit, Ankommen in der neuen Heimat, und wie Menschen mit schweren Behinderungen ihr Leben bewältigen. Die Leser der Starnberger SZ hat vor allem die Situation der Kinder bewegt, darunter drei kranke Geschwister aus dem Landkreis, deren alleinerziehender Mutter das Geld für Winterschuhe und Kleidung fehlte. "Ich übernehme die warmen Stiefel für die Kinder", postete Sabine Linse, Inhaberin eines Schuhgeschäftes in Gauting, kurz nach Veröffentlichung des Artikels auf Facebook. Wenige Tage später war die Familie mit warmen Schuhen eingedeckt. "Besser geht es gar nicht", freute sich Linse.

Der Wunsch des elfjährigen Sami (Name geändert) nach Gitarrenunterricht und einem Instrument hat Christine Boese aus Gilching veranlasst, ihre Gitarre zu spenden. "Bei mir steht sie nur rum, ich habe schon ewig nicht mehr gespielt", erzählt die 66 Jahre alte Rentnerin. Jona Velte und sein Sohn Yannic aus Herrsching hatten den gleichen Gedanken. Weil der Junge kurz vor Weihnachten eine große Gitarre bekam, hatte Vater Jona die Idee, die bislang genutzte, kleinere Dreiviertel-Gitarre Sami zukommen zu lassen. "Ein großes Instrument wird am Anfang vielleicht noch nicht passen", so der 51 Jahre alte Produktdesigner. Sohn Yannic war gleich einverstanden.

Auch die Wärmestube für Wohnungslose am Bahnhof am Starnberger See wurde von SZ-Lesern bedacht. Ein Mann spendierte spontan ein Ersatzgerät für den kaum noch funktionierenden Wäschetrockner. "Außerdem haben wir reichlich Gläser Nutella bekommen", erzählt die Sozialpädagogin Simone Christenn. Sie versorgt die Bedürftigen auf Wunsch für einen Euro mit einem Frühstück - die begehrte Schokoladencreme gibt es nur manchmal. Besonders freut Christenn, dass die Hilfsbereitschaft bis ins neue Jahr anhält: "Erst heute war jemand da und hat vier Gläser Marmelade und drei Gläser Nutella vorbeigebracht."

© SZ vom 17.01.2020
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