Die Preise der Starnberger Immobilien kennen weiter nur eine Richtung - nach oben. Wer in der Kreisstadt ein Haus kaufen will, muss bis zu 100.000 Euro mehr für das gleiche Objekt bezahlen als vor einem Jahr. Während man 2009 durchschnittlich 625.000 Euro für ein Einfamilienhaus hinlegen musste, kostet es derzeit 745.000 Euro. Das ergab ein Marktbericht der Landesbausparkassen (LBS). Der Grund für die Preissteigerung sei eine erhöhte Nachfrage - die Menschen würden ihr Geld in unsicheren Zeiten in Immobilien anlegen.

Besonders deutlich sei der Anstieg "im Umland von Großstädten", heißt es in der Studie. In Starnberg sei nicht nur der Preis für ein Haus sehr hoch, sondern auch für Eigentumswohnungen: Pro Quadratmeter müsse man 3750 Euro zahlen. Juliana Gröger vom Maklerbüro Remax bestätigt, dass die Nachfrage nach Häusern gestiegen sei. Auch die Preise gingen "ein bisschen" nach oben. Gleichzeitig würden sich weniger Eigentümer von ihren Immobilien trennen - weil diese eben eine gute Kapitalanlage seien.
"Ganz deutlich" seien Preise und Nachfrage gestiegen, sagt Mario Weber vom Gräfelfinger Maklerbüro Aris, das auch Objekte im Landkreis Starnberg vermittelt. Die Leute würden die Preise meist sofort akzeptieren, weil sie merkten, dass diese angezogen hätten. "Es werden zum Beispiel Grundstückspreise bezahlt, die weit über dem Bodenrichtwert der Gemeinde Gräfelfing liegen."
Kaum Veränderungen gibt es dagegen bei den sehr teuren Immobilien. "Bei meinen Kunden geht es nicht darum, dass sie ihr Geld sichern wollen", sagt der Makler Andreas Botas, "ich verkaufe Luxus". In dieser Güteklasse seien die Preise und die Nachfrage "seit zwei, drei Jahren auf einem sehr hohen Niveau stabil".
Dieter Sinning vom Landratsamt Starnberg zweifelt die LBS-Studie an. Er könne zwar keine Zahlen vorlegen, weil der sogenannte Immobilienmarktbericht des Landratsamtes erst im Herbst herauskommen soll; aber er habe bisher weder einen Preissprung noch eine verstärkte Nachfrage festgestellt. Er warne auch vor Verallgemeinerungen wie: Die Leute würden in Krisenzeiten Häuser kaufen, um ihr Geld sicher anzulegen. "Wer sich ein Haus kaufen will, muss auch Kapital haben - und warum sollten die Leute plötzlich Geld haben?"
"Preise werden weiter steigen"
Aber auch das IVD-Institut für Immobilienmarktforschung in München bestätigt einen Anstieg der Preise in der Stadt Starnberg. Das IVD stellte der SZ die Vergleichszahlen für das Frühjahr 2009 und das Frühjahr 2010 zu Verfügung. Das Institut unterscheidet dabei zwischen einfachen, mittleren, guten und sehr guten Wohnwerten für freistehende Einfamilienhäuser - und bei allen ist im vergangenen Jahr ein Anstieg zu erkennen. Im Durchschnitt kosteten die Häuser im Frühjahr 2009 laut IVD 675.000 Euro, im Frühjahr 2010 waren es 732.000. Gerade bei den mittleren Wohnwerten war der Anstieg beträchtlich: von 550.000 auf 640000 Euro.
Für den Marktbericht der LBS wurden 28.500 Häuser in 670 deutschen Städten verglichen. Wie zu erwarten, steht München an der Spitze: Ein gebrauchtes Einfamilienhaus kostet dort im Durchschnitt 750.000 Euro. Bei den größeren Städten folgen Heidelberg mit 550.000 Euro, Stuttgart (480.000), Düsseldorf, Frankfurt und Ingolstadt. "Die Preise für Wohneigentum werden weiter steigen", hieß es in der Studie abschließend.