Starnberger MusiktageLustvoller Auftakt

Lesezeit: 2 Min.

Beim Auftaktkonzert der Starnberger Musiktage in der Pfarrkirche St. Maria entzückte ein Streicher-Trio mit (v.li.) Festivalleiter Rudens Turku (Violine), Roland Glassl (Viola) und Wen-Sinn Yang (Violoncello) die Zuhörer.
Beim Auftaktkonzert der Starnberger Musiktage in der Pfarrkirche St. Maria entzückte ein Streicher-Trio mit (v.li.) Festivalleiter Rudens Turku (Violine), Roland Glassl (Viola) und Wen-Sinn Yang (Violoncello) die Zuhörer. Georgine Treybal

Das Konzert in der Starnberger Pfarrkirche St. Maria macht neugierig auf die nachfolgenden Meisterkurse

Von Reinhard Palmer, Starnberg

SZ bei Google bevorzugen

Notgedrungen war eine Gratwanderung nötig. Denn einerseits gehört es zur Tradition der Starnberger Musiktage, die es sich in der 22. Ausgabe Landrat Stefan Frey mit Eloge persönlich zu begrüßen nicht nehmen ließ, in den Dozentenkonzerten mit Elan und Musizierlust zu konzertieren. Andererseits galt es, der hallenden Kirchenakustik in der Starnberger Pfarrkirche St. Maria mit besonderer Klarheit zugunsten kammermusikalischer Transparenz zu begegnen. Zum Glück waren wohl mehr Zuhörer gekommen als in die derzeit in der Sanierung befindliche Schlossberghalle gepasst hätten, sodass sich der Nachhall in Grenzen hielt. Einer fulminanten Eröffnung, denen Frey aber auch mit einem Friedensappell einen tieferen Sinn auf den Weg gab - zumal die großartige ukrainische Pianistin Milana Chernyavska mit von der Partie war -, stand also nichts im Weg. Allein die neun Musiker mit ihrer Spielfreude trugen eine Menge zur besonderen Festivalatmosphäre bei.

Die Verantwortlichen verließ bei der Zusammenstellung des Ersatzprogramms nicht der Mut für Entdeckungen

Festivals machen mitunter ausgefallene Programme mit Mut zu Entdeckungen aus. Das ursprünglich angedachte Programm mit Werken von Josef Bohuslv Foerster und Franz Berwald ging klar in diese Richtung, konnte aber nicht realisiert werden. Im Ersatzprogramm verließ die Macher dennoch nicht der Mut - vor allem in der aparten Zusammenstellung. So begegneten sich Bekanntes und weniger Bekanntes von Mozart, Ernst (Ernö) von Dohnányi, Carl Reinecke, Piazzolla und Mendelssohn im "Gemeinsamen Crescendo", so der stete Titel der Eröffnungskonzerte, unter Prämisse reicher Farbigkeit und Differenzierung. Es geschah eine Menge zwischen dem eröffnenden Flötenquartett D-Dur KV285 von Mozart und dem Kopfsatz des Mendelssohn-Klaviertrios d-Moll op. 49 zum Abschluss.

Dem Mannheimer Geschmack entsprechend, kam Mozarts Werk frisch und munter daher, dem Auftraggeber zur Liebe mit einem durchaus konzertierenden Flötensatz. Der 21-jährige Mozart lieferte aber nicht nur Beherztes, sondern auch einen weitschweifenden Gesang im Mittelsatz, von Stephanie Winker (Flöte) betörend zum Fließen gebracht und einfühlsam wie klangschön von Andreas Röhn (Violine), Roland Glassl (Viola) und Wen-Sinn Yang (Violoncello) ausbalanciert. Mendelssohns Klaviertriosatz mit Chernyavska am Flügel neben Röhn und Yang bot im Konzertfinale ein weit fulminanteres, satt wogendes Material, das sich wuchtig steigern konnte, aber auch in geschmeidiger Melodik blühte und in zarten Zäsuren sinnierte. Die drei Musiker verstanden es letztlich, mit Leidenschaft ein furioses Finale zu kreieren. Der Satz wirkte umso kraftvoller, nachdem künstlerischer Leiter Rudens Turku (Violine) und Chernyavska zuvor Piazzollas traurig schönes "Tanti anni prima - Ave Maria" in berührender Empfindsamkeit dargeboten hatten. Sozusagen als musikalischen Nachhall der hier eingeschobenen Begrüßungsworte des Landrats.

In berührender Empfindsamkeit: Festivalleiter Rudens Turku spielt beim Eröffnungskonzert in der Starnberger Kirche St. Maria das traurig-schöne "Ave Maria".
In berührender Empfindsamkeit: Festivalleiter Rudens Turku spielt beim Eröffnungskonzert in der Starnberger Kirche St. Maria das traurig-schöne "Ave Maria". Georgine Treybal

Im Programmzentrum ging es um zwei ausladende Werke, die sich vor allem durch ein enormes Spektrum an gestalterischen Möglichkeiten auszeichnen. Bei Reinecke schon alleine durch die ausgefallene Besetzung, die hier Kai Frömbgen (Oboe), Sibylle Mahni (Horn) und Masahiro Masumi (Klavier), den überaus intensiv und hochkonzentriert agierenden Ausführenden, vor allem gutes Material für reiche Klangarbeit an die Hand gab. Das Trio setzte auf eine entschiedene Dramaturgie, die sich zwischen ruhelos drängenden Ecksätzen entfaltete. Das vergnüglich-leichte Trialogisieren kontrastierte im Scherzo ein satt ausgesungenes Trio. In warmtoniger Schönheit strömte indes das Adagio bis zum zarten Entschwinden. Doch auch die Streicher mit Turku, Glassl und Yang vermochten in von Dohnányis C-Dur-Serenade op. 10 zuvor reichlich Klangsubstanz zu entfachen, insbesondere in den ungarisch-musikantischen Einlagen in mutiger Derbheit.

Das furios wirbelnde Finale mit seinem vergnüglichen Thema riss dann mächtig mit. Mehr Lust aufs Musizieren kann man für die anschließenden Meisterkurse wohl kaum schüren.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: