Zehn Jahre "Starnberger Hefte"Die Leichtigkeit des Südens

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Die 30. Ausgabe der Starnberger Hefte wird am Samstag, 23. April, im Restaurant La Bagnarota in Starnberg (Maximilianstr. 2 b) vorgestellt, die musikalische Umrahmung ist diesmal besonders festlich. Wenke Volkmann, Franziska Forchhammer (Violinen), Karla Schilde (Viola) und Susanne Quester (Violoncello) spielen Stücke von Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Der Eintritt ist frei.
Die 30. Ausgabe der Starnberger Hefte wird am Samstag, 23. April, im Restaurant La Bagnarota in Starnberg (Maximilianstr. 2 b) vorgestellt, die musikalische Umrahmung ist diesmal besonders festlich. Wenke Volkmann, Franziska Forchhammer (Violinen), Karla Schilde (Viola) und Susanne Quester (Violoncello) spielen Stücke von Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Der Eintritt ist frei. Herausgeber Starnberger Hefte

Die 30. Ausgabe der Literaturreihe steht unter aktuellen Vorzeichen von Krieg und Krise, eröffnet aber auch einen "Fluchtraum für kleine zivile Abenteuer"

Von Katja Sebald, Starnberg

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Große und schwere Themen jonglierte die Redaktion der "Starnberger Hefte" für die beiden zurückliegenden Ausgaben mit leichter Hand: "Soldaten" und "Macht" schienen noch vor wenigen Monaten weit hergeholte Sujets. Jetzt sind die Zeiten selbst erdrückend groß und schwer geworden. Die aktuelle Ausgabe der von Ernst Quester herausgegebenen Literaturzeitschrift will deshalb "Entlastung schaffen": Das Jubiläumsheft mit der Nummer 30 widmet sich dem "Süden" als "Fluchtraum für kleine zivile Abenteuer und als Ort der Gastfreundschaft unter den Völkern". Erstmals nach zwei Jahren gibt es zur Präsentation der neuen Ausgabe auch wieder eine Veranstaltung mit musikalischer Umrahmung.

Hinter dem Brenner gilt der Gardasee den Starnbergern gleichsam als südlicher Schwestersee

Das Sehnsuchtswort "Süden" ist in unseren Breiten überwiegend nahezu gleichbedeutend mit "Italien". Mit "Italien" wiederum ist in den allermeisten Fällen eine Reise an den Gardasee gemeint, der den Starnbergern gleichsam als südlicher Schwestersee gilt. Das Gedicht "La Grotta (sul Lago di Garda)" von Patricia Czezior ist zwar auf der letzten Seite des Hefts abgedruckt - es klingt aber wie eine einleitende Wegbeschreibung für alle Reisen in Richtung Süden. Die ersten Zeilen lauten: "Hinterm Brenner der erste caffè südseitig...". Im mittleren Teil wird die "bekannte, nie verstandene Magie" der Serpentinen abwärts in Richtung Torbole und Riva beschrieben. Und am Ende heißt es: "Alles ist gut, nichts perfekt für zwei alltagsbefreite Wochen im Sonnenlicht des unhintergehbaren Augenblicks." Mit diesem Satz ist auch gleich der "Gardasee zu Pfingsten" umrissen, wie ihn Vanessa Lange recht eindrücklich in ihrer Erzählung schildert. Dann nämlich trifft man dort ganz Starnberg: Trubel und Parkplatzsuche, Motorboote und Aperol Spritz am Wasser - alles wie zuhause, nur weiter südlich.

Um eine Reise nach Italien geht es auch in dem Text von Ursula Groß, in dem sie die Hochzeit zwischen der bayerischen Herzogstochter Theodolinde und dem Langobardenkönig Authari im Jahr 589 schildert. Die Feier fand am 15. Mai auf dem Sardisfeld bei Verona statt. Zumindest damals war auch in Italien das Wetter schlecht. Sehnsuchtsvoll in Erwartung des Frühlings schrieb hingegen der französische Dichter Théophile Gautier im 19. Jahrhundert seine Zeilen "An eine junge Italienerin".

Als hätte jemand ein Medley aus den Best-of-world-problems zusammengeschnitten . . .

Nicht immer aber richtet sich der "Blick nach Süden" auch wirklich nach Italien: Roger Schöntag blickt von der Hafenmole in Stromness auf den Orkney-Inseln in Richtung des südlich gelegenen schottischen Festlands. Und Julia Behr schaut von ihrem Sofa aus "durch ein großes Fenster gen Süden", wenn auch nur bis zu den Bäumen an der Straße und auf das Dach des Nachbarhauses. Ihr Text "Gehirnwindungen", in dem sie das unaufhörlich sorgenvolle Rasen der Gedanken beschreibt, gehört zu den kleinen Preziosen in diesem Heft: "Da gibt es Corona und den Krieg in der Ukraine, die Klimaerwärmung, die teuren Energiekosten, das Gerede vom Atomkrieg, hungernde Kinder in Afrika, Plastik in den Ozeanen und vieles mehr in unsortierter Reihenfolge und ohne jeglichen Zusammenhang. Als hätte jemand ein Medley aus den Best-of-world-problems zusammengeschnitten, und ich würde dazu befragt." Liest man danach noch Solveig Köbes "Brief aus Herat", dann ist auch das letzte bisschen Leichtigkeit aus dem schönen Sehnsuchtsthema "Süden" verschwunden.

Die 30. Ausgabe der Starnberger Hefte wird am Samstag, 23.4.2022, im Restaurant "La Bagnarota" in Starnberg, Maximilianstr. 2 b, vorgestellt. Wenke Volkmann, Franziska Forchhammer (Violinen), Karla Schilde (Viola) und Susanne Quester (Violoncello) spielen Stücke aus Streichquartetten von Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Der Eintritt ist frei.

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