Starnberg:Stadtrat lehnt Alkoholverbot überraschend ab

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Starnberg: Die Halbe bleibt ein legaler Begleiter am See: Der Starnberger Stadtrat hat gegen ein Alkoholverbot gestimmt.

Die Halbe bleibt ein legaler Begleiter am See: Der Starnberger Stadtrat hat gegen ein Alkoholverbot gestimmt.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Mit großer Mehrheit fällt der Vorschlag des Hauptausschusses durch. Die Stadt dürfe kein Altenheim werden, heißt es.

Von Linus Freymark, Starnberg

Als die Hände in die Luft gehen und durchgezählt wird, muss der ein oder andere zur Sicherheit doch nochmal nachfragen: Abgelehnt? Echt? Ja, abgelehnt, tatsächlich. Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) verkündet es kurz darauf: Der Starnberger Stadtrat hat am Montagabend mit 8:12 Stimmen gegen ein örtlich begrenztes Alkoholverbot von 20 Uhr an gestimmt. Es ist ein Beschluss, dem - gelinde gesagt - ein gewisser Überraschungseffekt innewohnt. Denn noch vor Kurzem standen die Zeichen anders.

Vergangene Woche hatte der Haupt- und Finanzausschuss mit deutlicher Mehrheit für die Beschlussvorlage gestimmt, die am Montag nun wieder kassiert worden war. Diese sah für die kommenden vier Jahre ein Alkoholverbot von 20 bis 7 Uhr auf dem Böhler sowie dem Steininger Grund, der Seepromenade, dem Bucentaurpark und der Liegewiese in Percha vor. Als Begründung führten die Befürworter des Vorstoßes, im Ausschuss immerhin noch mit 11:2 in der Überzahl, die ausufernden Feierlichkeiten an, von denen sich andere Badegäste gestört fühlten. Die Verwaltung hatte ursprünglich sogar dafür plädiert, das Verbot bereits von 15 Uhr an in Kraft treten zu lassen, die Lösung mit 20 Uhr erschien den Mitgliedern des Ausschusses jedoch ein guter Kompromiss zwischen einer Eindämmung des Partygeschehens und der Freiheit auf das "Feierabendbier" - schließlich seien von dem Verbot alle betroffen und nicht nur diejenigen, die sich am Seeufer vorsätzlich volllaufen lassen, so die einhellige Meinung im Ausschuss.

Im am Montagabend dünn besetzten Stadtrat sah das Stimmungsbild dagegen anders aus. Den "an sich guten Kompromiss", wie Marc Fiedler (FDP) die im Ausschuss erarbeitete Lösung nannte, für die er auch selbst gestimmt hatte, stieß bei vielen von Fiedlers Kollegen auf Ablehnung. Das Verbot sei "stumpf und einfallslos", wetterte etwa Franz Sengl von den Grünen, die Stadt Starnberg dürfe kein Altenheim werden, wo kein Raum mehr für Jugendliche sei. Auch die WPS lehnte den Ansatz ab. Man dürfe die "Verbotskultur" nicht weiter vorantreiben, sagte Johannes Glogger. Wieder andere wie Friedrich Federsel (Grüne) verwiesen darauf, dass es mehr Angebote für Jugendliche geben müsse. Außerdem habe sich die Situation durch die Öffnungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens verändert, ein Alkoholverbot sei deshalb nicht notwendig. Auch die Frage nach der Durchsetzbarkeit trieb so manchen um, immerhin sind die Kapazitäten bei den Sicherheitsbehörden begrenzt.

Die Befürworter des im Ausschuss erarbeiteten Vorschlags bezweifelten dagegen, dass sich die Situation ohne Verbot entspannen wird. Mit steigendem Pegel sinke die Rücksichtnahme, gab Thorsten Schüler (UWG) zu bedenken. Matthias Frühauf (CSU) merkte an, dass die Lockerungen der Corona-Beschränkungen kaum Einfluss auf die Lage in Starnberg haben dürften - schließlich gebe es hier keine Bar für Jugendliche, sagte er.

Mit einem von der Stadt verhängten Alkoholverbot von 20 Uhr an hätte Starnberg eine Sonderstellung in der Region eingenommen. Immerhin wäre es das erste Mal gewesen, dass dieses ursprünglich in den Hochphasen der Corona-Pandemie entwickelte Instrument übernommen und sogar verschärft worden wäre. Zwar gibt es bereits in Herrsching ein vom Gemeinderat beschlossenes und durch die Grünanlagensatzung geregeltes Verbot, dieses greift jedoch erst von 22 Uhr an und ist lange vor der Pandemie beschlossen worden. Im vergangenen Jahr hatte das Landratsamt temporär Alkoholverbote an bestimmten Orten erlassen, um im Sinne des Infektionsschutzes größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Die entsprechenden Allgemeinverfügungen sind inzwischen jedoch allesamt ausgelaufen. In anderen Seegemeinden, etwa in Tutzing, ist ein Alkoholverbot derzeit kein Thema. Und auch am Westufer des Ammersees gibt es keine solche Absichten. Aus Dießen etwa heißt es, aktuell gebe es "keine Bestrebungen, ein Alkoholverbot zu erlassen." Wie lange das für Starnberg gilt, wird sich zeigen.

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