Starnberg Stadtradeln kommt nicht in Schwung

Auch der Regen bremst nicht alle Radler, wie hier in Pöcking Clemens Krauthausen (von links), Ute Erhard und Christian Hörndl.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Organisatoren beklagen mangelnde Unterstützung durch das Landratsamt. Umweltberater weist Vorwürfe zurück

Von Christiane Bracht, Starnberg

Der Start des Stadtradelns war schon schwierig. Am Sonntag vor gut einer Woche regnete es nicht nur, es goss vielmehr wie aus Kübeln, sodass selbst hartgesottene Radler wie Andrea Schmölzer die geplante Eröffnungstour absagten. Doch trotz einiger sonniger Tage und großen Engagements seitens der Koordinatoren in allen Gemeinden des Landkreises ist die Resonanz im Fünfseenland auf die Aktion heuer enttäuschend gering. Nur zum Vergleich: Im vergangenen Jahr fuhren knapp 5000 Radler mit, bislang haben sich aber nur etwa die Hälfte auf der Homepage (www.stadtradeln.de) angemeldet.

Klar, die Organisatoren hegen noch immer die Hoffnung, dass sich viele erst später eintragen. Immerhin haben sich ja wie im Vorjahr mehr als 200 Teams bereits registriert. Aber manch einen beschleicht schon jetzt insgeheim die Befürchtung, dass es kaum möglich sein wird, an das gute Ergebnis vom Vorjahr anzuknüpfen. Schließlich geht es ja vor allem um die Zahl der Radler. Denn nur wenn es viele sind, können sie zeigen, dass sie im Verkehr eine wichtige Rolle spielen.

Das kühle und vielfach auch regnerische Wetter spielt den Stadtradlern natürlich nicht gerade in die Hände. Auch die Europameisterschaft lenkt das Interesse der Leute eher auf Fußball als auf Radfahren. Der Umweltfachberater und Koordinator des Stadtradelns im Landratsamt, Herbert Schwarz, ist sich jedenfalls keiner Schuld bewusst: "An der Werbung liegt es nicht." Im ganzen Landkreis seien zahlreiche Flyer verteilt und Plakate aufgehängt worden, Firmen habe man auch angeschrieben.

Die ehrenamtlichen Organisatoren sind da etwas kritischer: "Ein paar alte Teams sind heuer nicht mehr dabei", weiß Gerhard Sailer. Er fürchtet, das ist dem "Abnutzungseffekt" geschuldet. Bei einigen liege es vielleicht auch daran, dass der Teamkapitän die Sache nicht mehr in die Hand genommen hat und es keinen Nachfolger gab. Gerhard Hippmann hat in seinem Umfeld beobachtet, dass manch ein Radler kein zweites oder drittes Mal mitmachen möchte. Und bei dem ein oder anderen Koordinator, der sich schon seit Jahren um das Stadtradeln kümmert, sei die Routine eingetreten, argwöhnt er. Sailer bringt es auf den Punkt: "Es fehlt an neuen Ideen, damit der Spaß und die Begeisterung am Radfahren bei den Leuten geweckt wird."

Es reiche nicht, Flyer zu verteilen und Plakate aufzuhängen oder Helme aufzusetzen. Man müsse Aktionen planen, die Aufsehen erregen und viele Leute anlocken. "Wenn man zum Beispiel einmal ein Wochenende lang das Würmtal für Autos sperren würde und nur Radler hineinließe. Das würde das Augenmerk aufs Stadtradeln lenken. Man könnte dort Bühnen aufbauen und Bands spielen lassen. Das lockt die Massen. Oder die Starnberger Innenstadt sperren, einen Radlcorso veranstalten und anschließend an einer langen weißen Tafel gemeinsam essen und trinken." Ideen habe er schon, aber Zeit diese umzusetzen nicht. Und das Landratsamt kümmere sich einfach nicht darum. Auch wenn man beim Meldeportal Missstände aufdeckt, komme keine Reaktion, moniert er. Seitdem es das Papierbootrennen nicht mehr gibt, hat das Stadtradeln keine Höhepunkte mehr. Sailer und viele andere vermissen zudem, dass sich für Radler etwas verbessert. "Die Radverkehrspolitik muss parallel dazu vorangetrieben werden", fordert er. "Das Landratsamt blockiert", hat auch Thomas Allner-Kiehling festgestellt, der in Herrsching das Radeln mit professionellem Eifer ins Bewusstsein der Leute bringt.

Früher hat er die Inninger beim Stadtradeln sehr erfolgreich gecoacht. Doch enttäuscht vom großen Desinteresse im dortigen Rathaus, hat er nun eine Wohnung in Herrsching und kümmert sich dort um die Energiewende in Sachen Mobilität. "Hier passiert etwas. Hier gibt es schon ein fertiges Verkehrskonzept und einen Radparkplatz am Bahnhof für 600 Fahrräder", schwärmt er. Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, die Position der Herrschinger im Stadtradeln so zu verbessern, dass am Ende doppelt so viele Teilnehmer dabei sind. Jeden Tag steht er an den Schulen, spricht die Kinder an und bittet sie mitzumachen, auch bei Vereinen, Kindergärten, Kirchen und im Gemeinderat hat er jeden persönlich um Radkilometer gebeten. Entgegen dem landkreisweiten Trend ist er sehr erfolgreich. Der Herrschinger Gemeinderat steht mit über 500 Radkilometern an der Spitze im Fünfseenland, und er ist der einzige, bei dem fast alle Kommunalpolitiker sich auf den Sattel schwingen. Bei vielen sind gerade mal eine Handvoll Gemeinderäte mit von der Partie, es gibt auch Gemeinden, in denen sich gar keiner fürs Stadtradeln erwärmen kann, obwohl Landrat Karl Roth 2000 Euro für den Gewinner ausgelobt hat.

Gut läuft es entgegen dem Trend übrigens auch in der Kreisstadt. Auch hier unterstützt die Bürgermeisterin den Radverkehr. So kann man sich jetzt zum ersten Mal seit vielen Jahren am Bahnhof Nord sicher fühlen.