Das historische Bahnhofsgebäude in Starnberg soll ein "Haus der Bürger" werden, so hat es der Stadtrat 2013 beschlossen. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen kulturelle Nutzungen und Gastronomie: Als künftiger "Kulturbahnhof" könnte das 1854 vom Architekten Friedrich Bürklein erbaute Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, ein wichtiger Baustein für die Verknüpfung von Stadt und See werden. Doch es war still geworden um dieses Thema, nun aber scheint wieder Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Die Stadt beabsichtigt als Eigentümer, im Rahmen eines "Interessenserkundungsverfahrens", Firmen oder Organisationen für Umbau oder Sanierung sowie den Betrieb zu finden.
Interessenten sind am Montag, 21. Dezember, und am Mittwoch, 13. Januar, eingeladen, das Gebäude zu inspizieren und der Stadt bis zum 15. Februar ein Angebot zu unterbreiten. Aus dem Konzept potenzieller Betreiber müssen - so sieht es die Ausschreibung auf der Homepage der Stadt Starnberg vor - ein "überzeugendes stimmiges Konzept", nachprüfbare Referenzen sowie "die Leistungsfähigkeit des Interessenten" hervorgehen. Angestrebt wird ein langfristiger Pachtvertrag. Allerdings handelt es sich bei dem Verfahren vorerst nur um eine unverbindliche "Markterkundung", wie Bürgermeisterin Eva John erklärte.
Gesucht werden demnach "fachkundige, leistungsfähige und zuverlässige Firmen und Organisationen", die Interesse an Umbau und Sanierung sowie Nutzung oder Betrieb des Gebäudes haben. Potenzielle Bewerber sollen ihre Anforderungen in den Planungsprozess einbringen können, müssen ihr Konzept jedoch umfassend erläutern. Aus den Unterlagen des künftigen Nutzers muss hervorgehen, dass er langfristig in der Lage ist, Gastronomie, kulturelles Angebot sowie gegebenenfalls die Vermietung der weiteren Räume "durch eine wirtschaftliche Lösung" zu gewährleisten. Gefordert sind daher konkrete Aussagen über Gastronomie, Kultur, Umbau und Sanierung sowie ein Angebot zur Umsatzpacht nebst fiktivem Businessplan für das Jahr 2018.
Interessenten könnten vor einer gehobenen Herausforderung stehen, denn bedingt durch das Alter des Bahnhofgebäudes und zahllose Umbauten ist das Haus stark sanierungsbedürftig. Zwar können einzelne Wände im Erdgeschoss in Abstimmung mit einem Statiker entfernt werden, doch im Obergeschoss müssen die meisten Wände erhalten bleiben. Zudem sind die Umbauten in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege sowie der Stadt zu bewerkstelligen. Zu berücksichtigen sind unter anderem Fluchtwege, Be- und Entlüftungen; die Haustechnik muss komplett erneuert werden. Darüber, wie viele Millionen Euro der Umbau letztlich kosten wird, lässt sich nur spekulieren. Fest steht aber, dass die Stadt Starnberg beabsichtigt, das Gebäude im Eigentum zu behalten.
Derzeit wird lediglich noch der Mietvertrag für den Buchladen kurzfristig verlängert. Das Obergeschoss - bis vor wenigen Jahren noch bewohnt - ist ungenutzt. Im Erdgeschoss hat sich ein provisorisches Kulturprogramm entwickelt mit Kleinkunst und Lesungen im einstigen König-Ludwig-Saal sowie Ausstellungen in der ehemaligen Wartehalle und sonstigen kulturellen Veranstaltungen, für die das sanierungsbedürftige Gebäude noch geeignet ist. Das westlich gelegene Nebengebäude, in dem sich derzeit ein Imbiss befindet, soll abgerissen werden und könnte einer Gastronomie-Terrasse Platz machen.
Erste Entwürfe zum Bahnhofs-Umbau waren im Februar 2013 vom Architekturbüro Goetz Castorph im Rahmen einer Bürgerinfoveranstaltung vorgestellt worden. Als vorläufiges Konzept einigte sich der Stadtrat auf Gastronomie und Veranstaltungsräume in Erd- und Obergeschoss sowie touristischer Information im Erdgeschoss. Unter dem Dach sollten Technik und Lager Platz finden. Ein Flyer zum Thema sollte dazu anregen, "im Rahmen der Bürgerbeteiligung eigene Ideen einzubringen und so mitzuwirken am künftigen Nutzungskonzept" für den Bahnhof.
Die Stadt erhofft sich ein abgestimmtes, durchgängiges Betriebskonzept und einen "Umbau nach Vorgaben der Stadt", sagt Bürgermeisterin John. Mit dem unverbindlichen Verfahrens will sie in Erfahrung bringen, "ob es überhaupt Interesse gibt" und "was sich der Markt vorstellen kann". Sie bezeichnete das Vorgehen als "übliches Verfahren" und zog als Vergleich etwa das Kreisaltenheim Garatshausen heran.
Überrascht bis irritiert zeigten sich indes einige Stadträte über das seit Montag auf der Homepage der Stadt angekündigte "Interessenbekundungsverfahren", das bislang in keinem der städtischen Gremien besprochen wurde. "Das ist Verwaltungsarbeit und kein Thema für den Stadtrat", erklärte John dazu. Über Ergebnisse will Starnbergs Bürgermeisterin voraussichtlich im zweiten Quartal 2016 berichten. Unklar ist, in wieweit die künftige Nutzung des historischen Bahnhofgebäudes mit dem Themenkomplex "Seeanbindung" korrespondiert.
