Starnberg Spuren kriegerischer Geschichte

Die Oberstufenschüler des P-Seminars "Kulturmanagement" vom Tutzinger Gymnasium haben sich intensiv mit der Geschichte des Ersten Weltkriegs befasst.

(Foto: Privat)

17 Schüler des Gymnasiums und das Ortsmuseum erarbeiten gemeinsam die Ausstellung "Erster Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Tutzing". Die Eröffnungsfeier entführt die Gäste auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Von Clara Brügge

Ein Trommelwirbel, die Soldaten treten an. Lediglich die charakteristischen Pickelhelme wurden kurzerhand durch selbst gebastelte Hüte aus Zeitungspapier ersetzt. Mit einer Vorführung der "Truppenparade" von Anatole France eröffneten Schüler des Gymnasiums Tutzing am Donnerstag eine Vernissage anlässlich des Beginns der Sonderausstellung "Vom Jubel zur Trauer - 1. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Tutzing" im Ortsmuseum. Gestaltet wurde sie von 17 Oberstufenschülern im Rahmen des P-Seminars "Kulturmanagement" unter Leitung von Margit Kleber und in Kooperation mit Gernot Abendt vom Ortsmuseum.

Die Eröffnungsfeier in der Schulaula versetzte die Gäste in eine längst vergangene Zeit: Teilweise auf Deutsch, teilweise auf Französisch inszenierten die Schüler unter anderem Szenen frei nach Jean Echenoz' Roman "14" und aus Ernst Jandls "Schtzngrmm". Sie kreierten damit ein künstlerisch authentisches Stimmungsbild - zunächst von der Atmosphäre des Aufbruchs vor dem Ersten Weltkrieg, geprägt von Nationalismus und Chauvinismus, und anschließend vom Gefühl der Ernüchterung, des Schocks und der Niedergeschlagenheit gegen Kriegsende. Nach der Begrüßung durch Schuldirektor Bruno Habersetzer und die Projektleiter Margit Kleber und Gernot Abendt machten sich die Teilnehmer gemeinsam auf den Weg ins Ortsmuseum.

Die Ausstellung "1. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Tutzing" füllt einen ganzen Raum. An der Wand verläuft ein Zeitstrahl, der markante Ereignisse dieses Krieges markiert: Das Attentat von Sarajevo 1914, die große Schlacht von Verdun 1916 oder die Unterzeichnung des Waffenstillstands durch Vertreter des Deutschen Reichs und der Alliierten 1918. Ausgestellt sind zudem zahlreiche Utensilien und Artefakte aus dem Ersten Weltkrieg - allesamt Leihgaben von Menschen aus dem Raum Tutzing, erklärte eine Teilnehmerin des P-Seminars. Die Schüler hatten sich auf die Suche nach historischen Gegenständen gemacht, ein Aufruf in der Lokalpresse half. Auf diese Weise kam erstaunlich viel zusammen: Neben Postkarten, Feldpostbriefen und Fotoaufnahmen sind unter anderem ein betagtes Funkgerät, Stahlhelme und eine Uniform zu bestaunen. An einer Wand hängt eine sogenannte "Ehrentafel" - auf ihr finden sich die Namen von Soldaten, Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten Weltkrieg, die einst in der Gemeinde Tutzing lebten. Bemerkenswert ist auch das Fachwissen der Gymnasiasten: Auf Wunsch der Gäste referierten sie fundiert über die Exponate und Gesichter der Ausstellung.

Besonders interessant ist die Geschichte des Generals Erich Ludendorff - zusammen mit Paul von Hindenburg oblag ihm zunächst das Kommando über die 8. Armee. Nachdem er dem russischen Heer in der Schlacht von Tannenberg 1914 eine empfindliche Niederlage zugefügt hatte, wuchs seine Macht. Ab 1916 übernahm er zusammen mit Hindenburg die Oberste Heeresleitung - und zwang durch die Aufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs auch die USA zum Kriegseintritt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Ludendorff in Tutzing - sein ehemaliges Haus in der Mühlfeldstraße steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Nicht zuletzt dieser Aspekt verdeutlicht, wie viel Geschichte in der Gemeinde am Starnberger See steckt. Projektleiterin Margit Kleber war es ein besonderes Anliegen, ihren Schülern diese Historie näherzubringen und dadurch ihre "Mitverantwortung, Zugehörigkeit und Liebe zu Tutzing" zu stärken. Darüber hinaus mache die Ausstellung vor allem eins deutlich: Wie wichtig es sei, für den Frieden zu arbeiten.

"Vom Jubel zur Trauer - 1. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Tutzing" kann bis 10. Mai jeweils mittwochs, samstags und sonntags zwischen 13 und 17 Uhr besichtigt werden.