Das war's dann also erstmal wieder: Als am 21. November die Schlusspfiffe über die bayerischen Fußballplätze hallen, ist schon Wochen vor der Winterpause vorerst auch die Saison beendet. Ausgesetzt auf unbestimmte Zeit. Ob die Spielzeit 2021/22 regulär zu Ende gebracht werden kann und welche Regelungen greifen, wenn das - wie schon in der Vorsaison - nicht der Fall sein sollte, weiß bislang niemand so recht. Wie so vieles hängt das vom Verlauf der Pandemie ab. Auch andere Sportarten sind von der vierten Corona-Welle überrollt worden - vor allem die Hallendisziplinen, die anders als die Fußballer den Winter über eigentlich Wettkämpfe hätten, treffen die neuen Maßnahmen.

Was bedeutet das für die Vereine? Vor welchen Herausforderungen stehen sie in diesem Winter? Und was ist mit den Mitgliedern? Bleiben oder gehen sie?
Nun ja, sagt Benedikt Pohlus, Geschäftsführer und Präsidiumsmitglied des TSV 1880 Starnberg - man müsse die aktuellen Entwicklungen zweischneidig sehen. "Einerseits sind wir schon weiter als letzten Winter", sagt er. Denn der Trainingsbetrieb, etwa beim Tischtennis oder Volleyball, läuft derzeit unter 2G-plus-Bedingungen weiter. Doch Punktspiele finden nicht mehr statt, die Saison ist wieder einmal beendet - zumindest vorerst.

Herrschings Bundesliga-Volleyballer bestreiten nun "Geisterspiele" ohne Zuschauer.

Die Tischtennis-Punktspiele wurden allesamt abgesagt.
Im vergangenen Jahr waren die Hallen und Sportplätze um diese Jahreszeit längst verwaist. Doch die neuen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus treffen die Abteilungen trotzdem - zum Beispiel die Turner. "Die Turner hatten ihren letzten regulären Wettkampfbetrieb im Herbst 2019", sagt Pohlus. Und die Zwangspausen hinterlassen Spuren: Knapp 600 Mitglieder hat der TSV 1880 Starnberg seit Beginn der Pandemie verloren, statt der zuvor 3000 Sportler stehen nun nur noch 2400 auf der Mitgliederliste des Vereins. "Ich hoffe, dass wir den großen Aderlass damit schon hinter uns haben", meint Pohlus. Denn die schwindenden Aktiven bringen finanzielle Schwierigkeiten mit sich. Denn das Sportangebot bleibt ja dasselbe, es nehmen nur eben weniger Menschen daran teil. "Weniger Mitglieder bedeuten natürlich weniger Einnahmen", rechnet Pohlus vor. Gerade bei den Hallensportarten, die besonders lange aussetzen mussten, sei der Schwund stark gewesen. Freiluftsportarten wie Tennis oder Leichtathletik dagegen seien weniger betroffen.

Verzeichnen seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen Mitgliederschwund in den größten Vereinen des Landkreises: Florian Bayer, Geschäftsführer des TSV Gilching-Argelsried,...
... und Benedikt Pohlus, Präsidiumsmitglied des TSV Starnberg.
Beim TSV Herrsching hat man sich so gut es geht mit den neuen Corona-Regeln arrangiert. Vor den Sportkursen etwa steht am Eingang jetzt ein Trainer, der die Nachweise kontrolliert. Aber auch das ist nicht immer einfach, bis man etwa beim Eltern-Kind-Turnen alle Teilnehmer überprüft hat - ein Zeitfresser. "Da tun sich unsere Übungsleiter schon schwer", sagt Geschäftsführer Martin Wirries. Einen Mitgliederschwund wie in Starnberg haben sie in Herrsching bislang nicht festgestellt. Aber auch hier kämpfen sie damit, dass wegen der Pandemie weniger Menschen Lust auf Sport im Verein haben. Zwar beenden in Herrsching nicht mehr Sportler ihre Vereinsmitgliedschaft als sonst. Doch anders als in normalen Zeiten kommen auch keine mehr nach. "Bei den Jüngsten fehlen uns zwei komplette Jahrgänge", meint Wirries. "Gerade im Mannschaftssport wird das sehr, sehr dünn." Und wenn sich bei den Fußballern keine neue F-Jugend mehr bildet, wird es in einigen Jahren wohl auch keine D- oder C-Jugend geben. Die finanziellen Verluste halten sich beim TSV Herrsching bislang noch im Rahmen. Nur die Bundesliga-Volleyballer müssen wegen der Geisterspiele auf bereits fest im Etat eingeplante Einnahmen verzichten.
Der TSV Gilching-Argelried kämpft ebenfalls mit den Folgen der Pandemie. Von den 3280 Mitgliedern haben zum Jahresende 360 Mitglieder gekündigt. Es seien vor allem die über 60-Jährigen, die ausgetreten seien, berichtet Florian Bayer, Geschäftsführer des größten Sportvereins im Landkreis Starnberg. Die Kündigungen hätten sicher mit den verschärften Regeln oder mit der Angst vor Infektionen zu tun. Aber Austritte müssten nicht begründet werden, sagt er. Trotzdem will Bayer nicht von Mitgliederschwund sprechen. Seit Beginn der Krise im Frühjahr 2020 und den Lockdowns verlor der Verein mehr als 500 Mitglieder, die fehlenden Jahresbeiträge reißen ein Loch in die Vereinskasse. Die jährlichen Beiträge liegen je nach Alter zwischen 35 und 80 Euro plus Spartenzuschuss. Doch auch einige Sponsoren sind abgesprungen. "Wir sind bisher trotzdem mit einem blauen Auge davon gekommen", betont Bayer, denn es gab auch 460 Eintritte - vorwiegend Kinder und Jugendliche. Es freue ihn, dass auch viele Eltern ihre Sprösslinge nicht abgemeldet hätten, damit sie sich gegebenenfalls in neuer Situation gleich wieder im Training bewegen könnten. Allerdings habe man etlichen Trainer wegen des eingeschränkten Sportbetriebs kündigen müssen, sagt Bayer.
Auf Sparflamme läuft derzeit unter anderem die Gilchinger Turnabteilung mit 500 Aktiven, zu der auch Rhönrad-Sportler und die Erwachsenen-Gymnastik gehören. Wegen Corona würden nun zwei Online-Kurse bei der Gymnastik angeboten, zudem gebe es noch zwei Präsenz-Kurse in der Halle mit jeweils etwa zehn Teilnehmern, die Regeln einhalten und einen negativen Coronatest vorlegen müssten, erläutert Turnabteilungsleiterin Gabi Sachs.
Für die Zukunft hofft Martin Wirries, "dass man sobald wie möglich zum regulären Spielbetrieb zurückkehren kann." Ansonsten sieht er die Gefahr, dass die Mannschaften zerbröseln könnten. Wenn man seine Mitspieler kaum sieht, schrumpft zudem der Zusammenhalt in der Mannschaft, fürchtet er. Auch Pohlus setzt auf das Frühjahr: "Ich hoffe, dass es möglichst schnell wieder losgehen kann", sagt er. "Wir wollen so viel Sport wie möglich anbieten, aber natürlich muss der Gesundheitsschutz gewährleistet sein." Dass sich dann auch die Mitgliederzahlen wieder auf vor-pandemischem Niveau einpendeln werden, glaubt Pohlus dagegen kaum. "Ausgetreten ist man schnell", sagt er. "Aber 600 wieder zu holen ist eine Mammutaufgabe."